8. Mai 2012

Italia, Italia!

Ich hatte es schonmal in einem Nebensatz fallen lassen: Bald geht es für zwei Wochen nach Italien! Genauer gesagt am kommenden Samstag. Da setze ich mich mit Männchen und meinen Eltern in den Pöschooo und hoffe, dass wir alle die 11 Stunden Autofahrt überleben. Nicht, weil ich kein Vertrauen in unsere Fahrkünste habe, nein - eher ist es so, dass ich nicht weiß, ob ich meine Eltern, allen voran meine ewig nörgelnde Mutter so lange am Stück ertragen kann. (Wie habe ich eigentlich meine Kindheit und Adoleszenz überlebt?!)

Wieso fährt ein 30jähriges Pärchen mit den (Schwieger-)Eltern in Urlaub, mögt ihr euch fragen? Und ihr habt völlig Recht: Unter normalen Umständen würde ich das niemals nie tun! Aber das hier sind keine normalen Umstände. Es handelt sich weniger um einen Spaßurlaub, als vielmehr um eine Wiedervereinigung.


Die Vorgeschichte:

Sono una bastarda! Falls das jetzt grammatikalisch richtig war, aber ich glaube schon...*** Soll heißen: Mein Papa ist Italiener. Mit 18 Jahren kam er zusammen mit dem Mann seiner Schwester nach Deutschland als Gastarbeiter, um ein bisschen Drecksarbeit zu erledigen und sich von den Deutschen beschimpfen zu lassen. Und um Geld für die Ausbildung der jüngeren Geschwister nach Hause zu schicken, wie es wohl die meisten Gastarbeiter damals taten. Ein schneidiger junger Mann, zu jeder körperlichen Arbeit bereit.



Danach sollte es auch wieder zurück nach Bella Italia gehen. Nur traf er dann meine Mama, putzige 14 Jahre jung. Nach jahrelangem Herumscharwenzel und einer On-Off-Beziehung - wenn ich denn meiner Mutter Glauben schenken darf, die meinen Vater als "nervig und aufdringlich" in Erinnerung hat - wurde schlussendlich geheiratet. Der Rest ist Geschichte...

Früher fuhren meine Eltern jedes Jahr zu der italienischen Verwandtschaft nach Italien. Doch so langsam ließ das nach. Zuerst, weil meine älteste Schwester in die Schule kam und man zeitlich nicht mehr so flexibel war, dann verlief es sich irgendwie. Die Großeltern starben, 3 der 4 Geschwister waren ausgewandert. Und mein Vater - ein ungelernter Hilfsarbeiter - schuftete viel und lange, das Geld war zu knapp, um mit 5 Leuten nach Italien zu karren. Und dann kam noch mein (deutscher) Opa zu uns in die Wohnung, den meine Mutter bis zu seinem Tod fast 10 Jahre pflegte und nie alleine ließ.

So kam es, dass mein Vater seine Heimat seit nunmehr ca. 18 Jahren nicht mehr gesehen hat. Und seine Schwester, die noch als Einzige der Geschwister dort lebt. Und da meine Eltern nie, aber wirklich NIE reisen, und mein Vater mittlerweile auch viel zu unfit wäre, den Wagen selbst über deutsche und italienische Autobahnen zu lenken, haben wir beschlossen, die beiden werden eingepackt und mitgenommen. Schon vor 3 Jahren hatte meine Schwester den Versuch unternommen, alles war bereits organisiert, doch dann erkrankte mein Vater völlig überraschend an Krebs. :-/ Das war sooo nicht gedacht... und nach so einer Sache schaut man erst recht, dass man die Geschwister nochmal zusammenkriegt, denn auch seine Schwester ist herzkrank, und man weiß halt nie...

Jedenfalls, am Sonntag können sich Bruder und Schwester hoffentlich wieder nach so langer Zeit in die Arme schließen, und bei dem Gedanken daran kriege ich fast schon Pipi in die Augen. Hach!!!

Übrigens hatten wir so eine Family Reunion schon vor einem Jahr. Da habe ich nach meinem Uniabschluss meinen Papa eingepackt und bin mit ihm nach Amerika geflogen. (Meine Eltern sind noch nie geflogen, und meine Mutter war partout nicht bereit, so eine lange, gefährliche Reise ins Riesenghetto USA zu machen.) Dort traf er nach wohlgemerkt 27(!) Jahren seine ausgewanderten Schwester und Bruder wieder mitsamt ihrer sehr großen Familienschar. Hach, war das herrlich! :-) Damals habe ich nicht darüber berichtet, da ich eigentlich ganz furchtbar anonym bleiben wollte. Aber jetzt, wo ich schon einige treue Stammleser habe, gebe ich ein bisschen mehr von mir preis.

Und da Fotos ja immer gut ankommen, werde ich vielleicht auch ein bisschen vor Ort über den Italientrip berichten. Ich kann nur nichts versprechen, weil ich dort vermutlich nicht oft Internet haben werde.

Und nach meiner Rückkehr aus Italien fliege ich schon 4 Tage später weiter nach Griechenland! Mir wird es also fast 2 Monate weder an Oliven noch an Olivenöl fehlen!Gott, ich bin ja so cosmopolitan! *Haare in den Nacken werf und überheblich auflach*



*** Bevor die Frage wieder von allen Seiten kommt: Nein, ich kann KEIN Italienisch. ;-((( Ich bedanke mich auch jeden Tag dafür bei meinem Herrn Papa, dass mir dieser Vorteil entgangen ist, weil er, wie er heute behauptet, keine Lust hatte, uns zweisprachig zu erziehen. *grummel*knurr*heul* Zu allem Übel ist mein Name durch und durch Italienisch und ich bin ohne Scheiß zu unfähig, unseren Nachnamen italienisch korrekt auszusprechen, weil ich das "r" nicht rollen kann... Und da das auch meist kein Deutscher hinkriegt, winke ich immer ab und sage gönnerhaft: "Ist doch egal, sprechen Sie ihn aus, wie Sie wollen." Habe mir die bisherigen Italienischkenntnisse mühevoll in Sprachkursen zugelegt und habe dann am Sonntag meine Feuertaufe, denn meine Tante kann kein Wort Englisch oder Deutsch. Das war in Amerika natürlich viel leichter...

6 Kommentare:

  1. Wunderbare Geschichte. Wo gehts denn hin in Italien? Ich beneide dich.... buon viaggio :).

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  2. Wie schön!! Viel Spaß mit der italienischen Verwandtschaft und lass Dich nicht von Muttern stressen. ;)

    LG

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  3. @ME: In die Marken, meine Tante lebt in Ascoli Piceno, das Dorf, aus dem mein Vater kommt, ist in den Bergen. 20 Einwohner.

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  4. Luftveränderung tut eigentlich immer gut. Genieße das. Ich wünsche Dir eine tolle Zeit in Italien und Griechenland!!!

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  5. Ich würde meine ewig nörgelnde Mama vermutlich schon nach einer halben Stunde in den Kofferraum verbannen, hehe ... wünsche Dir, dass die Fahrt nicht zu schlimm wird und eine wunderbare Zeit in Italien und dann auch in Griechenland!!

    PS: Für das Zungenspitzen-R gibt es eine Übung, besonders schön, wenn leicht alkoholisiert und tiefenentspannt, haha ... einfach Kiefer, Lippen, Zunge locker lassen, nicht zu viel drüber nachdenken und prrrrrr ... brrrrrr ... irgendwann flattert die Zunge mit und da wird das R gerollt. So kriegt man das Gefühl dafür, wo das R hinsoll ;-)

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  6. Ja, komisch, das war "früher" kaum im Blick, dass es riesige Vorteile hat, mehrsprachig aufzuwachsen, dass der Spracherwerb ein ganz anderer ist. Ok, "damals" durften Kinder wenigstens etwas weniger leistungsorientiert aufwachsen. (Wenn ich nur daran denke, durch welche Förderprogramme der Nachwuchs in meinem Bekanntenkreis so läuft... furchtbar.)
    Ich finds toll, dass ihr so eine Familien-Zusammenführung herstellt! Tatsächlich ist sowas irgendwann zu spät. Du musst einfach zwischendurch immer wieder durchatmen, daran denken, dass du ja nicht JEDEN Urlaub mit deinen Eltern verbringen musst, und manches an dir vorüberziehen lassen in dem Bewusstsein, dass man die Familie am besten wohldosiert zu sich nehmen sollte ;-)

    Viel Spaß auch in Griechenland!

    Bin schon auf die Berichte gespannt!

    So, den Rest des Abends werde ich dann mit der Zungenspitzen-R-Übung von hanniblalektor verbringen. Als Grundlage dient ein alter Single Malt...
    Liebe Grüße
    Christine

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