Nach über 10 Jahren habe ich die Tage wieder zum 1. Mal eine Bewerbung geschrieben. Diesmal als Akademikerin. Mein Lebenslauf hat sich in diesen 10 Jahren deutlich erweitert, und allein das Erstellen dieses Dokumentes hat mich mehrere Nervenzusammenbrüche gekostet. Wieso hab ich nicht einfach wie alle anderen (Ex-)Kommilitonen von mir nur Grundschule, Gymnasium und Hochschulstudium zu bieten? Kurz und überschaubar.
Am Schlimmsten aber war das Bewerbungsfoto. Wieso verdammt nochmal sind die deutschen Arbeitgeber immer noch so krankhaft oberflächlich und bestehen auf so einen Dreck?! Damit irgendwelche notgeilen Sabbergreise auch ja das hübscheste Mäuschen einstellen können?
Da die dumme Jobanzeige natürlich eine Bewerbungsfrist hatte, musste das mit dem Foto zügig erledigt werden. Ich musste mir dafür aber erstmal eine Bluse kaufen. Sowas besitze ich nämlich schon lange nicht mehr, braucht ja auch niemand... Ich hatte also einen Tag Zeit, etwas Bewerbungsfoto-Taugliches zu finden, und so klapperte ich mit einer Freundin so ziemlich alle Klamottenläden in der Innenstadt ab.
Problem Nr. 1:
80% der Klamottenläden hier führen keine Blusen, sondern nur lapprige Abhängkleidung für magersüchtige Teenager. 10% sind Oma-Läden, und ihre Ware sieht auch dementsprechend aus.
Problem Nr. 2:
Wenn ich schon Geld ausgebe, will ich auch etwas kaufen, das mir gefällt und das ich auch mal anderweitig anziehen kann, z. B. zu einem Bewerbungsgespräch, sollte es jemals in meinem Leben zu einem kommen... Deshalb scheidet für mich die "Farbe" Weiß aus. Denn eine weiße Bluse würde ich niemals im Leben freiwillig anziehen, ich hasse generell weiße Klamotten. Ratet mal, in welcher Farbe die seltenen Blusen in den verbleibenden 10% der Klamottengeschäfte sind?
Problem Nr. 3:
Ich bin leider nicht magersüchtig. Ich bin auch nicht wirklich fettleibig. Für die deutsche Klamottenindustrie existiere ich einfach gar nicht. Denn meine Größe gibt es in den gängigen Läden wie "Hungrig & Magersüchtig", "S.Oliver" oder "Esprit" nicht, da wird man nur mitleidig belächelt, dass man so ein fetter Brocken ist. Für "Ulla Popken" wiederum bin ich zu bulimiesk. Ergebnis: Die wenigen nicht-weißen Blusen passten mir allesamt nicht. Beim Rest sah der Kragen einfach nur scheiße aus, oder man hatte einen sehr inkompetent wirkenden Mörderausschnitt.
Das Ende vom Lied: Ich habe mir eine weiße Bluse von "S.Oliver" gekauft, runtergesetzt auf 19,95 €. Eigentlich bräuchte ich das Teil eine Nummer größer, um es angenehm tragen zu können, aber natürlich gibt es keine Nummer größer. Ist mir aber dann auch langsam scheißegal, denn der Kragen ist als Einziger perfekt, und nur oben zählt!
Beim Fotografen dann wurde ich durch lustige Späße zum Lächeln animiert. Wirkte sogar. Aber das Ergebnis ist trotzdem nicht nach meinem Geschmack: Ich bin ein halsloses Monster, dem mind. 20 feine Härchen an allen Seiten abstehen. (Nach dem herrlichen Frühlingswetter kam ich beim Gang vom Auto zum Fotostudio in einen Windsturm mit Nieselregen.) Da die Bewerbung noch am gleichen Tag weg musste, keine Zeit zur eigenen Nachbearbeitung blieb und ich das dumme Foto nunmal auch ausgedruckt mitbezahlt hatte, wurde es aufgeklebt und der ganze Dreck endlich zur Post gebracht.
Es würde mich nicht wundern, wenn man mich trotz Qualifikationen sofort nach Betrachten des Bildes aussieben würde. Und dem Fotografen mache ich keinen Vorwurf. Um das Foto irgendwie noch zu retten, hätte es nur eine Lösung gegeben - aber Enthauptungen sind in Deutschland ja verboten...
Also, "mein" Fotograf hat mir vorher gesagt:
AntwortenLöschennix weißes, außer man bewirbt sich als Nonne und nix kariertes, das wirkt kleinkariert.
Außerdem hat er mir den Oberkopf auf dem Foto abgeschnitten, weil's dynamischer wirkt ("Achten Sie mal auf die Plakate von der Merkel! Die ist da auch nicht mit dem kompletten Kopp drauf!") und mir zum Schluss die Krähenfüße wegretuschiert, sodass ich zwar immer noch aussehe wie 40, aber wie frische Vierzig!
Toitoitoi für die Bewerbung.
Ich nehme an, es geht nicht um den Job als Kinndermedchen?
Kann ich großenteils so unterschreiben, vor kurzem erst selbst erlebt *seuftz* - Aber vielleicht ist es auch gar nicht so schlimm, schließlich findet man sich selbst auf Fotos meißt viel dööfer als andere.
AntwortenLöschenDoch, klar der Job als Kindermädchen - denn ich liebe Kinder über alles und mein schwer-legasthenischer Chef besteht natürlich darauf, dass ich eine einwandfreie Bewerbung abliefere, so einwandfrei, wie seine Anzeige es war!!! (Achtung, für alle, die den Kindermädchen-Thread nicht kennen: Ironie!)
AntwortenLöschenSkalp ist immerhin auch ab, der gute Mann hat mich sogar noch vorher gepudert, damit ich nicht glänze. Weiß ist übrigens nur der Kragen, darüber dann ein schwarzer Blazer, den ich noch von vor -zig Jahren im Schrank hatte, wenigstens das Geld konnte ich mir sparen... Das Bild ist s/w, was wenigstens noch ein bisschen was rausreißt. Dass s/w edler wirkt, habe ich vom Uni-Bewerbungsworkshop für schwer vermittelbare Akademiker mitgenommen.
Mein persönlicher Kommentar.
AntwortenLöschenIch habe gerade selber Bewerbungsmappen zu bearbeiten und stelle fest, alle Bewerbungsfotos sehen sch*** aus . Gestellt, gesteltzt und steril.
Ich würde mich da eher über einen Schnappschuß freuen. Und die von Fotografen gemachten sind die Schlimmsten.
(Kommt natürlich immer auf denjenigen an, der die sichten muss)
@ Exhausted:
AntwortenLöschenVorstellungsgespräch letzte Woche:
die Chefin sagte mir, meine Bewerbung wäre fast die einzige perfekte gewesen.
Mal KEIN Schnappschuss von Urlaub, Party, Karneval, Weihnachten oder aus dem Automaten.
Ich glaube, es kommt immer auf den Bereich an, in dem man sich bewirbt und auf das Alter des Chefs.
Gibt es denn tatsächlich Menschen, die sich mit Schnappschüssen aus dem letzten Urlaub bewerben??? Im korrekten Deutschland ist das doch der totale Genickbruch. Sowas würde ich mich nicht trauen.
AntwortenLöschenBin allgemein dafür, dass man diese dämliche Fotopflicht abschafft. Wozu soll das gut sein? Die Personaler sollten nach Qualifikationen gehen, nicht nach dem Äußeren. Bei einem persönlichen Gespräch kann man ja immer noch feststellen, ob der Bewerber zu versifft ist...
Habe aber gehört, dass gerade in solchen Bereichen wie Marketing v. a. hübsche (selbstredend junge) Frauen bevorzugt werden. Lächerlich!
Mitbewohner1 hat mir erzählt, sein Chef würde nach einer Stellenausschreibung die Bewerbungsmappen sammeln und sich dann ausschließlich an den Fotos orientieren und nicht an der Qualifikation. Die guckt er sich erst an, wenn der Bewerber vor ihm sitzt.
AntwortenLöschenFrau Hölle erzählte, ihr Mann (selbstständig) hätte im Feb. eine Bewerbung mit Karnevalsfoto bekommen. Was er einerseits ganz witzig fand (war ja Karnevalszeit), aber andererseits ist sowas eher geeignet für kreative Berufe und nicht für buchhalterisches.