9. August 2012

Piep piep

Zaghaft lasse ich hier nach langer Zeit wieder mein Stimmchen verlauten. Ich hatte ehrlich gesagt überlegt, den Blog gänzlich offline zu setzen. Es gibt so viele tolle(re) Blogs, dass ihr diesen Verlust locker überlebt hättet. Allein schon die Vorstellung, mehrere Monate nacherzählen zu müssen, hat mich abgeschreckt und ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte.

Deshalb habe ich beschlossen, ok, ich versuch's nochmal, aber die letzten Monate müssen im Schnelldurchlauf nur ganz kurz angesprochen werden, um euch auf den aktuellen Stand zu bringen und wieder weiterzumachen. Deshalb gibt es nur eine kleine Übersicht, wie, was, wo, wann. In täglichen Häppchen, damit ihr nicht gleich wieder Romane lesen müsst. Fangen wir an mit dem

Italienurlaub mit den Eltern 
Ja, puh... wie soll ich sagen? Wenn ich nur ein Adjektiv benutzen dürfte, würde ich "anstrengend" wählen. Aber auch "überfällig".

Die Anfahrt war noch lustig. Meine Eltern, allen voran meine sehr vorlaute und überkritische Mutter, haben alles kommentiert, was sie gesehen haben. Seit mein Vater mit mir und Männchen letztes Jahr nach USA zu seiner zahlreichen Verwandtschaft geflogen ist, fühlt er sich wie Mann von Welt. Außerdem ist er als ehem. Gastarbeiter ja auch das Leben zwischen verschiedene Kulturen irgendwie gewöhnt. Meine Mutter aber ist seit über 20 Jahren nicht mehr so weit gereist. Sie hat uns dann auch erstmal an ihren Erinnerungen an Italien teilhaben lassen (Früher sind die beiden ja jedes Jahr gefahren.). Das lief dann so ab:

"Warum hast du bitte 15 Butterhörnchen eingepackt? Wer soll die alle essen?"
"In Italien gibt's kein gescheites Frühstück!"

"Da steht, dass es in Ascoli massenhaft gotische Kirchen gibt."
"Die Kirchen in Italien sind ja alle so hässlich!"

"Ich muss dann ganz viele Postkarten schreiben."
"Die Postkarten in Italien sind ja immer so hässlich!"

Meist fanden wir die Kommentare meiner Eltern und ihre Diskussionen sehr lustig. Sie erinnerten uns irgendwie an die beiden Opas aus der Muppet Show. Doch nach fast 2 Wochen waren wir unendlich froh, als wir die beiden wieder abliefern konnten. ;-)

In Italien haben wir im alten Elternhaus gewohnt, das sich in einem Bergdorf befindet, in dem noch ca. 15 Leute leben, die es auf einen Altersdurchschnitt von geschätzten 65-70 Jahren bringen. Jeden Tag die Hammerserpentinen rauf und runter, die mein Freund abfahren musste, ich Schisser hab mich nicht getraut, schon gar nicht, nachdem meine Mutter ständig sagte, dass er fahren soll, mit mir stürzen wir nur ab... Auch den Stadtverkehr musste er alleine bewältigen, ich quittierte meine Tätigkeit als Fahrer, sobald wir die Autobahn verlassen hatten. Männchen ist der bessere, ruhigere, erfahrenere Autofahrer und hat viel mehr Geduld. Doch selbst er stieß im italienischen Straßenverkehr auf seine Grenzen. Nach nur wenigen Tagen wurde ihm, dem Kavalier der Straße, endlich klar, dass er hier nur überleben könnte, wenn er auch wie eine (italienische) Sau fuhr.

Es war gut für meine Eltern, wieder die mittlerweile sehr kleine Verwandtschaft zu sehen und sich in dem Heimatdorf meines Papas herumzutreiben. Scheiße war allerdings das Wetter, das es uns nicht erlaubte, an den nur 30 km entfernten Strand zu fahren. So mussten wir uns mit Stadtsightseeing zufrieden geben. 2 Tage ging es auch für mich und Männchen nach Rom. Auch nur für mich interessant, weil Männchen kein Stadtmensch und gerade auf Kulturdiät ist. Im Vergleich zu dem seeeehr ruhigen Leben im Bergdorf war das mit Touristenmassen übersäte Rom dann doch aber auch für mich der totale Overkill.

Was auch übelst kacke war: Das Haus war zwar entgegen unserer Befürchtungen absolut bewohnbar mit fließend Wasser, Elektrizität, sogar einer Waschmaschine und genügend Schlafmöglichkeiten für 2 Paare. Aber Männchen und ich hatten keinen Raum zur Verfügung, der eine Tür hatte! Und so schliefen wir also mit einem türlosen Durchgang, was natürlich nicht sonderlich das Intimleben förderte... Meine Eltern hatten zwar eine Tür, aber man konnte ja nie wissen, wann sich mal jemand aufs Klo schlich oder so.

Für Männchen und mich war der Urlaub nicht wirklich Urlaub. Männchen war der Chauffeur und konnte nicht im Meer schwimmen oder am Strand rumlümmeln, wie er es sich gewünscht hatte. Für ihn war der Urlaub mehr oder weniger ein Reinfall. Bei mir kam auch kein Urlaubsfeeling auf, aber es war sehr gut, meine italienischen Wurzeln wieder zu entdecken. Für meine Eltern, das merkte ich einfach, war es längst überfällig, für meinen Vater sowieso, aber auch für meine Mutter, die als junge Frau ja auch sehr oft mit meinem Vater in Italien war. Man traf vertraute Menschen nach vielen Jahren wieder, begab sich an früher vertraute Orte zurück und ließ Erinnerungen hochkommen, die man irgendwie längst verdrängt hatte.

Übrigens übernachteten wir hin und zurück jeweils im zu diesem Zeitpunkt toten Sölden. In beiden Pensionen waren wir die einzigen Gäste, was ja aber auch nicht schlecht ist. Die 2. Pension wurde von einem jungen Mann geführt.Als wir zum Frühstück antraten, sahen wir im Privatbereich einen weiteren Mann am (privaten) Frühstückstisch sitzen. Kommentar meine Mutter, die sofort erkannte, dass es sich um ein schwules Paar handelte: "Der andere Mann hat unser Frühstück hingestellt. Das ist dann also die Frau bei den beiden!" Hach ja, für meine Mutter gibt es bei schwulen Paaren immer eine Rollenverteilung, worüber sich mein bester schwuler Freund ja immer etwas echauffiert, dass dem nicht so sei. :-D

Das aber nur als kleines Anekdötchen zum Schluss...

Übrigens ist wohl klar, dass wir von allen Leuten gemästet wurden. So viel wie in diesen 2 Wochen habe ich selten gegessen. Nein, es muss "gefressen" heißen, ich kann das nicht mehr beschönigen! Meine Mutter sagte dazu nur: "In Italien nimmt man nicht zu, du wirst sehen, man kann hier so viel essen, wie man will, man wird nicht dick!" Kurioserwese hatte ich während des Urlaubs tatsächlich nicht zugenommen. Ein kleines Wunder, ich hatte mich ja nun auch nicht übermäßig bewegt. Vielleicht sollte ich ab sofort die italienische Pasta-Käse-Oliven-Diät starten!!!

Für uns steht fest: Wir kommen wieder, keine Frage! Dann aber alles ein bisschen besser durchdacht: Eine Ausweichmöglichkeit mit abschließbaren Zimmern und zu einer wettertechnisch günstigeren Zeit.

Und nun lass ich noch ein paar Bilder sprechen.

In diesem pittoresken Gebirge befindet sich u. a. unser Bergdorf
(und zahlreiche andere).
Leider wurden auch hier Teile der Landschaft beim großen Brand in den
Marken vor wenigen Jahren zerstört. :-(
Aussicht auf das Bergdorf meines Papas
Meine Eltern wandern durch das kleine Dorf.
Ausblick auf Ascoli Piceno
Religiöse Deko im Haus meiner Großtante. Das Megateil hat sie selbst gehäkelt!
Religiöse Bilder häkeln ist ein Hobby meiner weiblichen Verwandtschaft...
Statue im Pilgerort Ambro: Ich hätte mir ja gern
ein paar hübsche Armbändchen gekrallt...
Religiöse Deko im Elternhaus: Einige der Sachen waren mit Alupapier umwickelt.
Ich hätte mal fragen sollen, wieso...
Solche Schilder machen Mut, wenn man die Serpentinen rauf- und runtergurkt und
voller Panik in den tiefen Abgrund schaut.
Meine Eltern mit den anderen jungen Hüpfern des Dorfes.
Ein Teil der roten Katzenfamilie, die von den Dorfbewohnern und natürlich auch von
uns durchgefüttert wurden. Jeden Morgen lungerten die Kerlchen vor der Tür
und warteten aufs Frühstück. Leider ließ sich nur der Kater knuddeln. Und das große
Männchen ab und zu, wenn es nicht übellaunig war. ;-)

4 Kommentare:

  1. Ich freu mich! Du schreibst wieder!
    Nee nee, bloß nicht aufhören!
    Klar, Urlaub mit den Eltern ist anstrengend - dein Freund muss dich wirklich lieben, dass er das ertragen hat! :-) Hoffentlich musst du nicht im Gegenzug beim nächsten Mal mit seinen Eltern verreisen...
    Allerdings muss ich deiner Mutter beipflichten: In Italien gibts kein vernünftiges Frühstück und keine schönen Postkarten. Ich finds nicht so schlimm, da ja im Gegenzug alle anderen Mahlzeiten ganz großartig sind und man bezüglich der Postkarten wenigstens einen guten Grund hat, keine zu schreiben.
    Rom wär mir auch viel zu voll, aber die Bergdorf-Bilder sind sehr schön.
    Und das mit der Alufolie macht mich auch äußerst neugierig...
    Liebe Grüße!
    Christine

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  2. Wäre schade, wenn Du den Blog aufgeben würdest. Also LASS ES!! ;)

    Es stimmt also tatsächlich, dass die italienischen Verwandten einen mästen möchte, wie in "Maria, ihm schmeckt´s nicht" ;) Ein wirklich sehr unterhaltsamer Urlaubsbericht, auch wenn es für Euch gar kein Urlaub war.

    LG

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  3. @Christine: Ich war schon 3x mit seinen Eltern im Urlaub... Die haben eine Ferienhütte (Standard = 0, selbst zusammengezimmert vor 100 Jahren) in Finnland, wo die Familie jedes Jahr hinfährt. Und ich war auch schon 3x dabei. Und es war jedes Mal... ach lassen wir das. *seufz* Das war die Rache!!!

    @Manu: Oh ja, mästen ist das richtige Wort! Und meine Tante ist eine kleine, kugelrunde Frau, die den ganzen Tag in der Küche herumwirbelt. Und sie hat unsere Bewirtung umso mehr genossen, als ihr Mann und ihr Sohn wie Spatzen essen. Auch lustig, wie viel Naturalien noch in Italien wert sind. Der Tierarzt kam und gab der kranken Katze eine Spritze, und als Lohn bekam er kein Geld, sondern jede Menge Essen. :-D

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  4. Reichlich verspätet, aber auch hier: Schön dass du wieder da bist. Bei der Häkelei dachte ich nur "Na, hoffentlich meint sie nicht DIESEN Teil ihrer italienischen Wurzeln, sonst wird das hier der nächste Bastel- und Handarbeitsblog..."

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