23. August 2012

So geht's weiter - Gefangen in der Biohölle

Der Griechenland-Rundumschlag steht noch aus, ich weiß. Aber nun ergeben sich ab nächsten Montag wieder so gravierende Änderungen, dass ich diese noch schnell ankündigen muss, bevor ich unverständliche Einträge aus der Biohölle verfasse.

Arbeitstechnisch hat sich bislang noch nichts Neues ergeben. Ich bin nun seit Monaten schon erwerbslos und scheffle in meinem kleinen Büronebenjob gerade mal so wenig Schwargeld, dass ich damit den Krankenkassenbeitrag stemmen kann. Ich lebe von Ersparnissen sowie Luft und Liebe (Letzteres in Form eines lieben Männchens, das ohne Murren sämtliche Mietkosten stemmt.). Hartz IV kann nicht, weil Freund und ich ja diesbezüglich wie Verheiratete behandelt werden. Wenn dem schon so ist, dann könnte ich mich ja krankenversichern über meinen "Mann", das würde mir einen Batzen Geld sparen. Aber das geht natürlich nicht, denn wir sind ja nicht verheiratet. Diesen Staat werde ich nie verstehen!

Wie gesagt, jobtechnisch sieht's richtig mau aus. Und dank Griechenland war ich ja fast 2 Monate weg und konnte in der Zeit auch keinen Cent verdienen. Um meine finanzielle Schieflage noch schiefer werden zu lassen, habe ich nun endlich ein Praktikum ergattert. Unbezahlt natürlich, aber das ist Nebensache, wenn man solche Qualifikationen unbedingt für den bislang nur dreiseitigen Lebenslauf braucht. Nein ehrlich, ich freu mich darauf, und das wird wieder ein neuer großer Punkt in meinem Lebenslauf. Aber ich wollte nie zur "Generation Praktikum" gehören, zumal ich eigentlich echt nicht die Knete habe, um mich so von unbezahltem Job zu unbezahltem Job durchzuhangeln.

Ich werde also ab nächsten Montag ein Praktikum an einem renommierten Museum (Es handelt sich nicht um die beiden Hauptstädte Berlin und München!) absolvieren. Für 8 Wochen. Für lau. Aber ich hoffe, es wird mich weiterbringen. Nun, zumindest wird es mich aus meiner Lethargie reißen, jeden Tag Vollzeit loszupowern, neue Dinge zu erlernen und Teil eines Teams zu sein. Auch wenn's mir schwerfallen wird, vor 9 Uhr aufzustehen. ;-)

Ich wollte eigentlich eher was im kuratorischen Bereich machen, also mit Objekten arbeiten. Ging aber nicht. Und so werde ich nun die PR-Abteilung aufmischen. PR, Marketing - das ist alles komplettes Neugebiet für mich. Meine bisherigen Ansprechpartnerinnen - die Museumsdirektorin und die Leiterin der PR-Abteilung - sind sehr nett und zuvorkommend, deshalb hoffe ich, dass das Team passt.

Und finanziell kann ich das Ganze nur stemmen, weil ich bei Männchens Bruder wohnen kann. Und ich glaube, DAS wird dafür sorgen, dass mir hier in den nächsten 2 Monaten nicht der Gesprächsstoff ausgehen wird. Denn mein Schwager ist geschlagen gesegnet mit einer ... nun ja, wie soll ich sagen... dominanten Bio-Emanze. Einer anstrengenden Öko-Walküre, die ganz eindeutig die Hosen zu Hause anhat. Und davor bibbere ich ehrlich gesagt schon etwas. Ich habe keinen Bock auf Zickereien, denn a) bin ich harmoniesüchtig und nicht streitfähig, und b) bin ich ja nur der Gast, der Bittsteller, der sich nicht anmaßen sollte, sich mit der Gastgeberin anzulegen.

Ich könnte euch jetzt schon lustige Geschichten erzählen über die Gute. Aber dann wird der Eintrag zu lang und ich verschieße mein Pulver zu großzügig. Ich sage nur noch dazu, dass die beiden ein 5jähriges Mädchen haben, meine Quasi-Nichte (Ist das meine Nichte, wenn ich mit dem Onkel nicht verheiratet bin, sondern nur seit 8 Jahren in wilder Ehe lebe? Hm...). Und Claudi, die Spätgebärende, der Prototyp dieser typischen Öko-Eltern-Generation, schiebt ihr Kind immer unglaublich gern ab. An die Großeltern, an Babysitter, Freunde, an alles was sich nicht wehren kann. Denn Claudi hat einen unfassbar anstrengenden Job: Sie ist Grundschullehrerin. Sie arbeitet jeden Tag 5 Stunden, wenn sie nicht die private Krankenversicherung ausreizt und sich mal wieder krankschreiben lässt, weil der Fingernagel des linken Daumens ziept und die Globuli und Schüßler-Salze irgendwie nicht anschlagen wollen. Sie hat nur ... lasst mich überschlagen ... circa 3,5 Monate im Jahr Urlaub. Und das bei einem Witzgehalt von schätzungsweise 3.500 € netto! Geht ja mal gar nicht!!! Und ab und an, da muss sie auch nach all den Jahren als Lehrerin doch noch den Unterricht vorbereiten. Claudi ist chronisch überarbeitet, und daran ändern auch die allseits bereit stehende Putzfrau und die beiden Babysitter nichts. Oder die Großeltern, die immer alles stehen und liegen lassen, wenn Claudi pfeift. Und bald sind's also 3 Babysitter, denn es ist mehr als klar, dass ich nun vermutlich jeden Abend das anstrengende Zu-Bett-bring-Zeremoniell abarbeiten darf, auf das Claudi nie so richtig Bock hat. Ich rechne also mit Kindsbespaßung am Abend und an den Wochenenden. Ich hoffe ehrlich, dass ich bei meinem Vollzeitpraktikum auch mal ab und an Zeit für mich bekomme. Aber man will ja nicht undankbar sein, und was tut man nicht alles, damit man sich eine teure WG-Miete spart.

So, das nur als sanfter Einstieg. Habt ihr nicht auch das Gefühl, dass mein zweimonatiger Aufenthalt in der Biohölle für mächtig Zündstoff sorgen wird? Nicht nur ihr seid gespannt...

8 Kommentare:

  1. Iiiieh, WG mit Verwandtschaft - könnte ich nie!
    Bleibt zu hoffen, dass Claudi nicht eine von der eher unentspannten Sorte ist und ihrerseits über dich denkt:
    "Scheiße, jetzt müssen wir diese ewig arbeitslose Zecke von Manns Bruder hier aufnehmen. Wieso hat die nix Anständiges gelernt. Mit 30 noch im Praktikum! Die soll heiraten und Kinder kriegen, damit mir die zukünftigen Kunden nicht ausgehen..."
    Viel Glück!

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  2. Aber die sind doch nicht mit mir verwandt! ;-) Jo, hart wird das sicher. Aber Miete ist teuer. Ich werde danach dann erzählen, ob ich nicht lieber Ersparnisse statt Nerven geopfert hätte...
    Heiraten und Kinder kriegen können sich nur die Lehrämtler leisten, weiß doch jeder! Aber Schwiegermutter hat das ja auch schon vorgeschlagen... Ist aber schwierig, wenn beide potentiellen Elternteile nicht wollen. Und nach 2 Monaten Quasi-Nichte werde ich vermutlich als Erstes nach meiner Rückkehr den Gang zur Sterilisation antreten.
    Und davon abgesehen werde ich NIEMALS mein Kind von ihr unterrichten lassen! Ich bin sowieso mittlerweile für Privatunterricht daheim, wenn ich mir diese ganzen Bekloppten in meinem Bekanntenkreis angucke, die Lehramt studieren oder schon auf die Kids losgelassen wurden!

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  3. Ohjaaaaaaaaaaaaaa ich freu mich auf die Bio-Emanzen-Beiträge :) Das wird sicher ein Spaß für sich :o) Wenn auch leider weniger für Dich :)

    Manno, kann doch gar nicht angehen das Du keinen lukrativen Job bekommst, ist das sooooooo ätzend bei euch in Gegend ??? Wie wärs mit einem Szenewechsel oder geht das wegen Männes Job nicht ??? Manchmal hilft ne örtliche Veränderung....

    Ich drück Dir die Daumen das Dein Praktikum wenigstens Spaß bringt und dir vielleicht neue Möglichkeiten eröffnet. Kopf hoch...irgendwann wirds was, immerhin bist Du ja nicht bewegungsfaul sondern hast einfach nur verdammtes Pech. :(

    Liebe Grüße

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  4. Oh Mann... da gehste ja quasi einen Pakt mit dem Teufel ein, für dieses Praktikum. Ich wünsche Dir starke Nerven!

    LG

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  5. @Rebellin: Ich bewerbe mich überall, auch im Ausland. Männchen kann mit seiner Ausbildung wirklich überall arbeiten und würde nachkommen, wenn ich längerfristig was kriegen könnte. Tapetenwechsel ist also kein Problem. Aber ich muss zugeben, dass mich die Absagen mittlerweile so unsicher gemacht haben, dass ich die meisten Anzeigen einfach wegklicke mit dem Gedanken "Das traue ich mir nicht zu." oder "Die wollen mich eh nicht." Natürlich habe ich dadurch auch größtenteils selbst Schuld, dass ich nichts finde. :-/ Ich suche: Nebenjobs zum Überleben hier in der Gegend, Jobs in meiner Branche weltweit. Ja, man sollte meinen, da gäbe es was. Aber mir fehlt einfach das Gespür dafür, die richtigen Jobanzeigen zu finden, wie's ausschaut... Nach dem Praktikum heißt es "Neue Runde, neues Glück". Ich kann viel, meine Arbeitgeberin, bei der ich einen klitzekleinen Bürojob habe, ist begeistert von mir und meinem Können. Schade, dass die keine Connections für mich hat. :-( Ich hoffe, dass ich nun mal im Praktikum zeigen kann, was ich draufhabe.

    @Manu: "Pakt mit dem Teufel", das gefällt mir!

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  6. Interessant, wie die Schulen bei euch funktionieren... Hier arbeiten Grundschullehrer bis vier Uhr und dank Inklusion haben sie zum Teil Schüler in ihrer Klasse, die man bestenfalls ruhigstellen kann, an große Lerneffekte ist nicht zu denken. Dreiviertel der Schüler haben morgens das Haus ohne Frühstück verlassen und haben den ganzen Vormittag Hunger.
    Ich persönlich sehe das nicht so als Traumjob an und bin froh, dass ich was anderes mache, auch wenn ich deutlich weniger Urlaub und Gehalt habe.
    Hoffentlich wird dein Praktikum kurzweilig und motivierend und ein Sprungbrett. Und hoffentlich regst du dich nicht zu sehr über deine Gastgeber auf. Als Dauerbabysitterin würd ich mich nicht missbrauchen lassen. Da hätte ich zufällig immer schon eine Verabredung.
    Halt die Ohren steif!
    Christine

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  7. @Christine: Sicher ist der Lehrerberuf auch nicht ohne. Aber mittlerweile gibt es fast keinen Beruf mehr, in dem man nicht irgendwie total gestresst wird und sich mit blöden Leuten herumärgern muss. Meine liebe Schwägerin ist eine von den Exemplaren, die ihren Beamtenstatus mehr als ausreizt und sich wahrlich kein Bein rausreißt für "ihre" Kinder. Da sie momentan keine Klassenleiterin ist, hat sie weniger Stunden und wenn ich schon Sätze höre wie "Da bin ich dann noch 5 Minuten vor Unterricht schnell in den Lehrmittelraum und hab geguckt, was ich mit denen machen könnte." oder "Ich habe hier seit über einem Jahr ein Poesiealbum einer Schülerin, müsste ich auch mal ausfüllen...", damit demonstriert sie immer wieder prima, wie unmotiviert sie den Job ausführt. Und wenn andere, nicht verbeamtete Leute Überstunden schieben (müssen), echauffiert sie sich, wie man nur so doof sein kann, das würde ihr nie einfallen. Dazu die wirklich sozialen Arbeitszeiten, "nur" ein Kind daheim bzw. ganztags in der Kita, Babysitter (mehrere), Putze,... und dann kriegt sie trotzdem überhaupt nichts gebacken und alles ist ja immer soooooo stressig! Gerade hat sie ja noch Ferien und ist auch nur am Jammern, wie stressig doch alles ist, weil sie Papierkram erledigen muss, und der böse normalarbeitende Mann ist ja erst um 19 Uhr da, um ihr unter die Arme zu greifen.

    Und meine Schwiegermutter (in spe), die ist ebenfalls Grundschullehrerin und hatte die letzten Jahre vor der Rente wirklich die Nase gestrichen voll, aber selbst die schüttelt den Kopf und sagt Sachen wie "Die lässt ihre Kinder im Stich!". Glaub mir, die macht sich wahrlich nicht kaputt, die Frau Lehrerin. Ist natürlich schade, dass ich dank solcher Leute ein negatives Bild von Lehrern kriege...

    Das mit der angeblichen Verabredung ist natürlich etwas schwierig, nachdem ich da oben keine Sau kenne. Und dann muss ich ja das Haus verlassen, um den Schein zu wahren. Das ist ja viel zu anstrengend! Na mal sehen, wie anstrengend meine Quasi-Nichte ist. Die sagt ja hoffentlich auch mal, dass sie von Mama ins Bett gebracht werden will, auch wenn Mama das dann immer ganz ganz doof findet, weil sie darauf keinen Bock hat...

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  8. Ach ja: "Bei euch" stimmt nicht ganz. Es handelt sich bei ihr um das Schulsystem in Niedersachsen, ich lebe normal in Bayern. Und wo ungefähr ist bei dir "hier"? :-)

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