21. August 2011

Knigge für Anstandsanalphabeten

Jetzt muss ich doch mal Dampf darüber ablassen, wie asozial sich hier die Leute im Bus verhalten. Ich bin ja ausgewiesene Misanthropin, aber bei mir steht Rücksicht nehmen trotzdem ganz weit oben. Na gut, deshalb bin ich vermutlich auch Misanthropin - weil es zu viele Leute gibt, bei denen das eben nicht der Fall ist.

So wie hier im öffentlichen Nahverkehr. Ich musste in letzter Zeit öfter mal den Bus nehmen und konnte meine Mitmenschen lange genug beim Busfahren beobachten. Ich als ehem. Studentin muss mich echt für meine Zunft schämen. Faules, rücksichtsloses Gesinde, v. a. die männlichen Ausfertigungen!

Dass mir beim Einsteigen immer irgendein dummer Kerl noch schnell reinspringt, kurz bevor ich den Fuß auf die 1. Stufe setze, daran hab ich mich ja schon gewöhnt. Dass er mir dann noch den letzten Sitzplatz wegschnappt, ja, das hab ich ja schon oft genug erlebt. Man ist ja heutzutage als junge Frau nichts mehr wert. Aber ich möchte hier an dieser Stelle auch mal betonen: Nein, wir sind nicht alle Megaemanzen! Ich bin zwar dafür, dass Frauen für ihre Arbeit genauso fair bezahlt werden wie Männer, dass sie wählen dürfen und dass Zwangsehen out sind, aber ich bin immer noch dafür, dass Männer in gewissen Situationen auch weiterhin Gentleman bleiben sollten. Im Übrigen halte ich öfter Männern die Tür auf als umgekehrt! So weit sind wir schon in diesem schönen Land!

Aber hier mal zwei schöne Beispiele, wie es nicht laufen soll:

Situation A
Ich steige in den Bus ein und kriege natürlich nur noch einen Stehplatz an der Tür. Mir gegenüber steht eine sichtbar schwangere junge Frau. Ich kann an ihrem Gesichtsausdruck nicht erkennen, ob sie freiwillig stehen wollte. Aber wenn ich mich so umsehe, sind da fast ausnahmslos junge Frauen und Männer, die sich ihren Arsch plattsitzen. Wieso steht da bitte keiner mal auf und fragt höflich nach, ob sich die Frau mit der Babyplauze setzen möchte?! Sowas halte ich für selbstverständlich. Vielleicht bin ich theatralisch, aber ich seh das so: Wenn's mich bei ner Vollbremsung kurz mal auf den Flur legt, hol ich mir höchstens ne Prellung. Wenn's ne hochschwangere Frau hinlegt, kann das ein Leben kosten.

Situation B
Ich habe einen Sitzplatz, was an sich eine Seltenheit in der dummen Buslinie ist. Mehrere Leute steigen ein, u. a. 3 Schulkinder mit einem sehr alten Ehepaar. Oma und Kind 1 setzen sich vorne hinter den Busfahrer. Kinder 2 und 3 setzen sich hinter mich. Der sehr greise Opa will gerade auf einen freien Platz zuschleichen, da hockt sich schnell eine junge Studentin hin. Opa muss stehen, der Bus fährt an. Ich gucke mich um, sehe lauter junge, unbeteiligte Gesichter, stehe auf, tippe ihm auf die Schulter und biete ihm meinen Platz an, was er dankbar annimmt.
Das erzähle ich nicht, damit man mich lobt. Für mich ist das selbstverständlich. Hallo? Wie kann man so einen alten, wackligen Mann stehen lassen? Auch ein Vorwurf an die Enkeltöchter, die sich ja auch schön hingesetzt haben. Aber gut, die kann man noch mit ihrem jungen Alter entschuldigen (ca. 7). Haben ja auch keine positiven Rollenvorbilder im Bus, ne?

Ich verstehe einfach nicht, worin das Problem liegt, als junger, agiler Mensch einem behinderten, alten oder schwangeren Mitmenschen einen Platz anzubieten? Natürlich muss ich fairerweise dazu sagen, dass ich durchaus schon erlebt habe, dass andere Leute ihren Platz zu Gunsten Schwächerer aufgegeben haben. Aber das egoistische Ellenbogendenken überwiegt doch schon deutlich...

12. August 2011

Mein Karriereende als Hundeflüsterin

Heute Morgen habe ich in der Reinigung um die Ecke meinen 10 Jahre alten Blazer abgeholt. Normalerweise gehe ich nie in eine Reinigung, ich hab weder feine Kleider, die da hinmüssen, noch schmeiß ich gern mein Geld mit vollen Händen raus. Aber das Teil muss ja bereit sein, falls ich doch mal aus Versehen zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werde.

Die alte Dame, die die Reinigung betreibt, hat nicht nur ein Enkelkind, sondern auch einen kleinen Hund herumrennen, wie ich heute feststelle. Hund kommt auf mich zu, schnuffelt wild an meinen Beinen, ich sage "Naaaa, darf man dich streicheln?" und greife vorsichtig zu. 1. Versuch wird abgeblockt (Und im Nachhinein glaube ich, er hat die Zähne kurz gefletscht...), als er mir daraufhin den Rücken zuwendet und ich eben diesen liebevoll tätschle, schreit der Wufti auf, als hätte ich ihn verprügelt. Ihr wisst schon, diese helle Gilfen, das einen zusammenzucken lässt.

Sowas frustriert mich - ich hielt mich bislang für die Hundeflüsterin! Ich sage zur Reinigungsfrau: "Ihr Hund hat's wohl nicht so gern, wenn man ihn streichelt?" Und sie: "Nee, gar nicht." Wieso lässt sie den dann auf die Kundschaft los? Bis noch einer heult...

10. August 2011

Die fiese Buchstabendiebin

Was tut man, wenn man nicht voll ausgelastet ist? Man putzt lernt Sprachen liest Fachbücher Unterhaltungsliteratur. Da man sich diese nicht immer leisten kann oder will, muss man manchmal etwas länger warten, bis man das Buch mal in die Finger kriegt, entweder weil's dann endlich mal im Internet für wenig Geld verscherbelt wird oder weil man es irgendwo ausleihen kann.

Aktuell interessiert mich der Roman "Plötzlich Shakespeare", da ich die Bücher "Mieses Karma" und "Jesus liebt dich" von David Safier ziemlich unterhaltsam fand. Zwar biegen sich hier auf den vor Kurzem vom Männchen extra für mich angebrachten beiden Regalen nur so die Bretter durch vor ungelesenem Material, aber ich habe unerklärlicherweise eher ein Faible für "Ich ging durch die Ehehölle"-"Ich habe den Genozid überlebt"-Ich wurde mit Säure überschüttet"-Autobiographien, und gerade ist mir nach was Seichtem.
Ja, ok, "Plötzlich Shakespeare" kostet mittlerweile auch nur noch 8,99 €. Aber nachdem ich letzten Monat neue Hosen kaufen musste, weil die alten nun nach 2x Flicken doch ins Textiljenseits entschwunden sind, ist mein Budget gerade begrenzt.

Und deshalb ist mir neulich, als mir langweilig war und ich auf jemanden im Hugendubel wartete, die Möglichkeit eingefallen, sich für lau im Buchladen durchzuschmökern, auf den bequemen roten Kunstlederdingern. Bei Versuch 1 habe ich immerhin schonmal 25 Seiten geschafft, und so dachte ich mir, ha, mach das doch öfter, dann kannst du das Buch umsonst lesen!

Wer sich denkt: "Oh, da kommt sie aber früh drauf, das macht doch jeder, deshalb isses doch immer so voll da!" - jaaaa, aber ich bin eher so der Typ, der Produkte im Laden nur antestet und ein schlechtes Gewissen hat, sowas zu machen, ohne dem Laden Profit zu bescheren.

Andererseits - wer jetzt denkt: "Das kann sie doch nicht machen, das ist doch total geschäftigsschädigend und treibt den Hugendubel in den Ruin!", den kann ich ebenfalls beruhigen: Ich hab dem Laden dank ungebändigter Büchersucht (Meine Bücher belagern sehr zum Unmut meines Freundes Großteile der Wohnung und befinden sich zusätzlich in unzählbar vielen Kisten auf dem Dachboden meiner Eltern.) schon so viel Geld hingetragen, dass ich mir auch mal ein Buch umsonst durchlesen darf.

Und wer mich auf die gute alte Bücherei verweisen möchte: Relativ aktuelle Romane sind dort bis unbekannt ausgeliehen und vorgemerkt. Keine Chance also.

So, um 9 unterschreibe ich den Arbeitsvertrag für den aufgestockten Nebenjob (Geld, harr harr, mehr Bücher, harr harr!), danach wurde ich von einer Freundin zum Frühstücken eingeladen, und hinterher schmöckere ich noch etwas in "Plötzlich Shakespeare" in den roten, bequemen Sesseln bei Hugendubel. :-)

8. August 2011

Verlogene Dienstleister am frühen Morgen

Heute Morgen um 8:45 Uhr klingelt der Postbote. Welch unrühmliche Zeit für jemanden, der seine Halbtagstätigkeit frei einteilen kann und ein Nachtmensch ist... "Hallo, hier ist die Post, ich hab auch was für Sie!" Das sagt er nur, damit ich versöhnt bin, denn als ich später in den Briefkasten schaue, ist er leer. Toll, jetzt lügt mich sogar schon die Post an!

7. August 2011

Von 0-6 Uhr gilt die StVO nicht mehr

Jetzt weiß ich wieder, wieso ich dem Männchen meist das Fahren überlasse. 1. ist er eh der Hauptnutzer unseres Wägelchens und 2. neige ich zu Aggressionen, wenn ich am Steuer sitze und mir aktiv die Dummheit anderer Verkehrsteillnehmer antun muss.

Vorhin kamen wir vom Kinobesuch heim. Da Männchen ein Bier getrunken hatte, bin ich gefahren. In der Stadt gabelt sich die Hauptverkehrsader in zwei Spuren. Hierbei ist es nicht angedacht, dass man die linke zum Überholen nimmt und eine beliebige Geschwindigkeit fährt, nein. Diese Spuren sind zum Einordnen gedacht, rechts vorbeifahren ist also erlaubt. Zulässige Höchstgeschwindigkeit 50 km/h.

Ich wusste leider nicht, dass alle Verkehrszeichen ab Mitternacht aufgehoben werden. Mea culpa! So geschah es, dass ich einen schwarzen Audi, der auf der rechten Seite mit ca. 45 km/h fuhr, mit 55 km/h überholte. Was heißt Überholen - es ist mir ja wurscht, was da rechts getrieben wird, da ich vorne links abbiegen muss und mich dementsprechend auf der linken Spur einordne.

Nun muss man dazu sagen, wir fahren - eher unfreiwillig - einen Twingo. Twingos zählen ja eher zu der Sorte "kriechendes Frauengefährt" und wecken in jedem Mann scheinbar einen gewissen Ehrgeiz. Frei nach dem Motto: "Auch wenn der schon 30 km/h zu viel fährt, hinter einem Twingo fahre ICH nicht her!"

Ich fuhr also so gemütlich auf der linken Spur entlang, wobei ich - ich gebe es zu - die Höchstgeschwindigkeit um durchschnittlich 10 km/h überschritt. Hinderte aber den scheinbar in seinem Stolz verletzten Audifahrer nicht daran, nun plötzlich links hinter mir zu fahren und ständig Lichthupe zu geben. Ich dachte mir nur "Wat? Wat will der denn von mir?! Simmer denn auf der Autobahn?!"

Nach mehrmaliger Nötigung fuhr er dann kurz vor der Kreuzung, an der ich eh links abgebogen wäre, irre hupend an mir vorbei und raste mit mal mind. 70 km/h weiter. Nun ist dummerweise unsere Hupe seit geraumer Zeit im Arsch, was mich echt schmerzt, wobei ich ja nicht auch so asozial sein und um Mitternacht in einer bewohnten Stadt rumhupen muss. Aber ich hab heftig Lichthupe hinterhergejagt und hoffe, dieses dumme Arschloch ist in der letzten halben Stunde beim nächsten Drängeln in ne Leitplanke gedonnert und hat seinen tollen Schlitten geschrottet. Jaha, ich bin rachsüchtig - hab noch nie das Gegenteil behauptet! ;-)

Total schade, dass ich nicht die Nummer gesehen habe, Männchen hatte leider die Augen zu und wurde erst beim Hupen wieder wach. Ich würde mal sagen, das war Nötigung vom Allerallerfeinsten. Aber ist vielleicht besser so, man sollte seine Zeit nicht mit solchen dummen Idioten verschwenden, und so toll wäre es auch nicht, dem Polizisten zu sagen: "Na hören Sie mal, da fahre ich schon 10 km/h schneller, als erlaubt ist, und der nötigt mich noch!"...

2. August 2011

Montag bis Mittwoch

Gestern: Zur Chorprobe gelatscht, 30 Min. bergauf in Semi-Hitze, nur um dann zu erfahren, dass der Chorleiter krank ist und die Probe ausfällt. Und ich bislang die Einzige bin, der man das persönlich mitteilen muss vor Ort, weil alle Anderen wohl die Mail noch gelesen haben. Hätte ich auch, nur hat's der blöde Chorleiter nach 2 Monaten immer noch nicht geschafft, mich und die andere Neue in den Mailverteiler reinzupacken, obwohl wir ihm schon 2x unsere Adressen gegeben haben. 1h Fußweg fürn Arsch, ich hätte so kotzen können. Und sagt mir jetzt nicht, ich soll's als Sport sehen! Den Abend hätte ich auch anders verplanen können. Und dass ich vorsichtig anmerkte, dass es schön gewesen wäre, auch mal im Mailverteiler zu sein, da ich mir so 1h Fußweg hätte sparen können, hat mich nun wohl als Megazicke in diesem Kuschelchor qualifiziert...

Heute: Mit wem muss man eigentlich ins Bett steigen, um wenigstens mal zu einem bescheuerten Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden?! Jetzt hab ich schon die 2. Absage gekriegt, ohne überhaupt eingeladen worden zu sein, dabei bin ich verfickte Scheiße nochmal sogar überqualifiziert gewesen für diesen Drecksjob!
Und klar, dass just heute ein Päckchen kommen musste, als ich nicht da war, wo ich morgen ganztags da wäre. Jetzt darf ich das auch noch abholen. Was ist eigentlich mit dem 2. Zustellungsversuch, habe ich darauf nicht auch ein Anrecht?!

Morgen: Darf ich ab 7:45 Uhr den ganzen Tag zu Hause rumhocken, weil irgendwann, IRGENDWANN IM LAUFE DES GESAMTEN TAGES mal ein Gaskontrolltyp anschlappt. "Die Wohnung muss während des gesamten Tages zugänglich sein." Alternativ könnte ich den Wohnungsschlüssel auch jemand Anderem geben. Nur wem? Den ganzen mir völlig unbekannten Nachbarn, der alten Frau im 1. Stock, die immer als Päckchenlager herhalten muss oder gar dem alkoholkranken Motzhausmeister?

Wenn die Woche so weitergeht, geschieht noch ein Mord, ich schwör.

Warum ich nochmal Radfahren hasse...

...weiß ich jetzt wieder.

Um es klarzustellen: Ich hasse nicht das Radfahren per se. Ich hasse es nur hier, in dieser dämlichen, bayerischen, fahrradfahrerunfreundlichen Stadt. Wo ein Radweg eine Seltenheit ist und dann spätestens nach 500 Metern abrupt im Nirgendwo endet, so dass man sich spontan mit der Frage beschäftigen muss: "Weiche ich mal eben auf die vielbefahrene Hauptstraße aus oder niete ich ein paar Fußgänger um?" Wo man als Radler weder Fisch noch Fleisch ist, weil man auf dem Gehweg die Spaziergänger stört (zu schnell) und auf der Straße die Autofahrer (zu langsam).

Das Rad habe ich neulich nur genommen, weil ich mit den Öffentlichen nicht an mein Ziel kam, es mir zum Laufen zu heiß war und die Geschäfte schon geschlossen hatten, was eine verkehrsberuhigte Zone versprach, denn mein Weg führte mich natürlich mitten durch die fahrradfeindliche Innenstadt.

Das Ende vom Lied:

- Bei der Hinfahrt blendete mir unaufhörlich die Sonne so dermaßen in die Fresse, dass ich quasi blind des Weges fuhr. Bei normalem Verkehr hätte ich das vermutlich nicht überlebt, aber das Glück ist bekanntlich mit den Dummen ohne Sonnenbrille. Trotzdem sehr unangenehm.

- Bei der Rückfahrt flog mir im letzten Drittel der Strecke so ein dämliches Scheißvieh ins rechte Auge, so dass ich auf dem ohnehin unfallprovozierenden antiken Pflaster einer barocken Sehenswürdigkeit eine Notbremsung einleiten musste. Die nächsten fünf Minuten verbrachte ich mit einem brennenden, tränenden Auge und dem Versuch, dieses mit einem Taschentuch zu reinigen.

Fazit: Radfahren ist selbst ohne fließenden Verkehr lebensgefährlich!