2. November 2011

Der misanthropische Musicalstar

Als Teenager war ich der totale Musicalfreak. Während Andere in meinem Alter damals -zig D-Mark (Ja, diese Währung, ihr Lieben, habe ich tatsächlich noch miterlebt!) jedes Wochenende für Allohol auf den Kopf hauten, trug ich mein hart verdientes Azubigehalt nach Stuttgart, Bremen, Duisburg und sonstwohin, um mir die tollen, großen, leider auch teuren Musicals anzugucken. Und während eines 10tägigen Aufenthaltes in London schaffte ich immerhin den Besuch von 8 Musicals (Da waren die Karten auch so herrlich günstig, hach!).

Irgendwann ging ich zwecks Abi back to school, dann uffe Uni, ergo war die Kohle knapp, mein Hobby nicht mehr in dem Maße finanzierbar, ich hatte zudem noch Anderes im Kopf, mit dem ich mich beschäftigen musste, und meine Leidenschaft blieb dabei irgendwie auf der Strecke. Mittlerweile kann ich sie auch nicht mehr reaktivieren, weil diese ganzen Musicaltheater so derart unverschämt schweinehammerteuer sind, dass ich mir das nicht leisten kann. Und wenn das hiesige Stadttheater mal alle 2 Jahre ne olle Broadway-Kamelle anbietet, ist das schon viel.

Als Teenager wollte ich zudem immer Musicaldarstellerin werden. Kein großer Star, das brauchte ich nicht, einfach nur ein netter Job, bei dem ich singen konnte, denn singen war schon immer meine große Passion. Und ich singe noch nichtmal schlecht. Ich hatte als Geld verdienender Azubi mal wenige Jahre lang privaten Gesangsunterricht bei einer russischen, abgehalfterten Opernsängerin, die nicht viel Geld dafür verlangte. Das Problem war nur, dass ich weder Noten lesen noch ein einziges Instrument spielen konnte. Meine Eltern hatten kein Geld für solche Kinkerlitzchen, da gab's kein Klavier, keine Geige, keine Musikschule. Insofern war ein Studium an der Musikhochschule eine unüberwindbare Hürde für mich. Noch nichtmal in einen blöden pseudoprofessionellen Chor schaffte ich es damals, weil ich beim Vorsingen kein mir unbekanntes Stück vom Blatt singen konnte und zudem zu viel Vibrato in meiner Stimme lag. Zu Deutsch: Ich konnte keine Noten lesen und vor lauter Aufregung war meine Stimme abgeschmiert. Und so endete meine Karriere als Musicalstar, noch bevor sie begann. *seufz*

Aber jetzt bin ich wieder da, ha ha!!! Denn neulich habe ich einen Aufruf gelesen von der Katholischen Hochschulgemeinde unserer Stadt. Man möchte das Musical "RENT" aufführen. Na prima, dachte ich mir, ihr wisst aber schon, dass da fast nur Aidskranke und Homos rumspringen? ICH finde das Stück ja super, ich liebe es, ich kann es fast auswendig. Aber ist das was für Katholiken?

Egal! Ich habe mich gemeldet und am 5.12. ist das Vortreffen. In der Infomail stand was von Vorsingen. Was, ich muss was vorsingen?! Aber... hatte ich bereits erwähnt, dass ich mich nicht traue, vor anderen Menschen zu singen? Könnte ganz eventuell ein klitzekleines Hürdchen auf meinem Weg zum Provinz-Musicalstar werden...

TO BE CONTINUED...

1 Kommentar:

  1. Nimm dir vorher 'nen ordentlichen Schluck vom Messwein und trau Dich!!

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