28. Februar 2012

Müßiggang

Ich muss mal ein bisschen rumkotzen, es geht nicht anders. Ihr wisst ja, dass ich auf der Suche nach einem (guten, fair bezahlten, mir die Existenz auf Dauer sichernden) Job bin. Wobei "Job" so nach Larrifarri klingt, mal eben ein paar Stündchen was arbeiten. Natürlich meine ich eine Stelle, Vollzeit wär cool, auch wenn ich weiß, Vollzeit ist mittlerweile in diesem Land total out...

Momentan bin ich zum Warten verdonnert. Nichts geht. Ich warte auf 3 sehr entscheidende Antworten, doch nichts tut sich, obwohl alle bereits mehr als überfällig sind. Und noch nichtmal auf Dauer gravierend mein Leben verändern würden. Es geht lediglich um die potentiellen Zusagen für einen schlecht bezahlten Teilzeitjob, für ein kostenloses Praktikum und für die Vertragsverlängerung meines bisherigen Nebenjobs, der mich über Wasser hielt. Aber von diesen Zusagen hängt es ab, ob es mal die Tage wieder endlich weitergeht für mich. Schön, dass sich niemand entscheiden kann, geht ja nur um mein Leben!

Wenn das Mailfach "Dingeling" macht, wenn Handy oder Telefon klingeln, dann schrecke ich auf, einerseits vor Erregung, es könnte doch diesmal endlich eine der langersehnten Nachrichten sein, aber auch mit Magenschmerzen, dass die Antwort negativ ausfällt. IdR bleibt es bei dem Magengrummeln und einem dumpfen, hohlen Gefühl im Bauch - war nur ein beschissener Newsletter, ein Anruf von Mama, oder irgendjemand meldet sich, der mich auf die Palme oder noch mehr Schwierigkeiten in mein Leben bringt.

Und immer noch fehlt mir dieser Punkt, an dem ich den Arsch zusammenkneife und mal richtig aktiv werde. Wo ich vor dem Spiegel sehe und erschrecke über das, was ich sehe, und endlich die Kraft finde, alles zu ändern. Dabei bin ich schon selbst einen Schritt weiter gegangen. Nach all den Rückschlägen und Erkenntnissen, dass ich nie eine gut bezahlte Stelle finde dank Über- oder Unterqualifizierung, habe ich schweren Herzens beschlossen, meine Kröten zusammenzukratzen und es wenigstens eine Zeitlang mit Praktika zu probieren. Unbezahlt, versteht sich... Man gönnt sich ja sonst nichts. Aber auch hier sieht es mau aus. Ich kann nunmal nicht alles machen, z. B. hab ich nicht die Knete, mal eben 3 Monate ins überteuerte München zu ziehen, um dort für lau zu malochen. Oder 4 Monate nach Chicago, unbezahlt natürlich, wie es eine Freundin von mir gemacht hat. (Der Vater ist Uniprof, muss ich noch mehr sagen?)

Das Genick bricht mir am Ende wohl eine beschissene Neuregelung, die man bei manchen potentiellen Praktikumsbetrieben eingeführt hat: "Praktikum ja, aber nur für Studenten!" D.h. mit Abschluss darf ich nicht Praktikantin spielen, selbst wenn ich mich persönlich für unbezahlte Arbeit anbiedere. Dann heißt es plötzlich: "Aber nein doch, wir wollen doch niemanden ausbeuten!" In was für einer verqueren Arbeitswelt leben wir denn eigentlich?!

Nun ja, das Schlimmste an der Sache bin aber ich selbst. Ich müsste viel mehr in Aktion treten. Klinken putzen ohne Ende, mich anbiedern, mich verkaufen. Ich tue nichts davon. Nach einem frustrierenden Jahr fühle ich mich wie der letzte Dreck, der nicht einmal den Platz unter den Fingernägeln der Personaler verdient hat. Ich weiß, ich schwimme im Selbstmitleid, suhle mich darin wie ein Schwein im Dreck, und weiter bringt mich das nicht. Ich weiß es doch selbst! Ich würde mich am liebsten den ganzen Tag auf der Couch verkriechen (Was ich zugegebenermaßen auch meist tue...) und mich mit Medien eindecken, die mich von meiner Realität ablenken. Alternativ würde ich gerne einfach abhauen, weit weg. Yaks im Himalaja hüten oder in Tibet mit ner Gebetsmühle rumschlurfen, das klingt doch mal friedlich.

Wenigstens habe ich noch den Mini-Nebenjob, für den ich 1x in der Woche das Haus verlasse und der mir das Gefühl gibt, doch noch irgendwas zu taugen und gebraucht zu werden. Aber dieses Gefühl ist mir langsam schon fast fremd. Dabei weiß ich, objektiv betrachtet, dass ich vieles leisten könnte, wenn man mich nur ließe! 

Ich hoffe, ich krieg endlich mal meinen voluminösen Arsch hoch und bring mein Leben irgendwie in geregelte Bahnen. Wenn jemand weiß, wie man plötzlich wieder motiviert und selbstbewusst weitermachen kann, wenn man schon total im Sumpf der Nichtsnutzigkeit feststeckt, dann bitte her mit den grandiosen Tipps! Nur bitte keine Selbsthilfebücher, die lese ich nämlich nicht, hab hier sogar welche rumfliegen...

5 Kommentare:

  1. Hallo,

    tröstet dich wahrscheinlich wenig: finde ich klasse geschrieben, und wenn du dich ähnlich schnörkellos und selbstbewusst vorstellt, kann eigentlich nichts schief gehen. Wie du schreibst, wirkt auf mich überhaupt nicht wie Selbstmitleid. Eher wie nicht aufgeben. Oder dass du einen nicht zu bändigenden Willen hast.

    Gruß Dieter

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  2. Hallo Dieter,
    vielen Dank für das Kompliment bzw. die Aufmunterung. Es beruhigt mich, dass du sogar noch so einen positiven Eindruck von meiner Jammerei bekommen hast. ;-) Komme mir manchmal wirklich vor wie ein im Selbstmitleid badendes Nichts und bin auch oft am Überlegen, ob ich solche Beiträge überhaupt posten soll, aber das ist ja mein Blog und irgendwie ist dieser Zustand momentan ein wichtiger, wenn auch überflüssiger, Teil meines Lebens.
    Leider kommt es nie dazu, dass ich mich schnörkellos und selbstbewusst vorstellen kann, da ich nie eingeladen werde. *seufz* Und an meinem Willen zweifle ich leider auch sehr sehr oft. Mal sehen, was ich noch so in nächster Zeit aus der wundervollen Welt des Bewerbens berichten kann.
    Gruß, die Misanthropin

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  3. Zitat: "Alternativ würde ich gerne einfach abhauen, weit weg."
    Warum tust Du es dann nicht? Warum tue ich es dann nicht? Eine schwierige Frage, die ich mir selbst oft stelle.
    Einerseits ist das Jetzt bescheiden, andererseits fällt es schwer, etwas daran zu ändern. Nicht wahr?
    Ich habe seit Jahren einen Traum, wie mein Leben sein soll, habe es aber bisher nie angepackt - weder ernsthaft, noch halbherzig - gar nicht eben.
    Es ist eben so schwer, aus dem Gewohnten auszubrechen und Neues zu wagen.
    Aber ich drück jetzt mal Dir (und mir) die Daumen, dass in naher Zukunft positive Veränderungen eintreten.
    VG dvl

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  4. Ich tue es erstens nicht, weil ich die Knete nicht habe. Zweitens, tja, eigentlich wüsste ich auch gar nicht so recht, wohin und was ich da treiben sollte... *seufz*
    Ich drücke mal kräftig mit für uns beide! :-)

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  5. Ich dachte: "Yaks im Himalaja hüten oder in Tibet mit ner Gebetsmühle rumschlurfen" würde Dich reizen ;-)
    Vom Geld mal abgesehen: Vor 10 Jahren habe ich nen Typ kennengelernt, der so ganz ohne Kohle durch Europa gereist ist. Hat wo möglich bei irgendwelchen "Bekannten" übernachtet usw. und war richtig zufrieden...
    War / ist für mich, der eigentlich alles vorher durchplant, unvorstellbar. Andererseits hat es eben auch eine Reiz.
    Aber ich schweife ab.
    Die "Ausbeutung" mit den unbezahlten Praktika finde ich persönlich einfach unverschämt. Aber leider gibt es zu viele, die glauben, darüber ne Festanstellung zu bekommen - ist wie bei Zeitarbeit. Es wird halt den Menschen als "DIE CHANCE" verkauft, ist aber nur Abzocke.
    Leider.
    Und um noch was Positives zu sagen:
    Ich bewundere Deinen Ehrgeiz und Willen. Das was Du schreibst, hat wenig mit Selbstmitleid zu tun.
    dvl

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