Neulich habe ich folgenden Spruch gehört: "Am Ende ist alles gut. Und wenn nicht alles gut, dann ist es auch nicht das Ende."
Ich mochte diesen Spruch auf Anhieb. Das wird jetzt mein neues Lebensmotto.
Leider stehe ich nach dieser Logik momentan noch ganz am Anfang. Nachdem nach meiner Wodka-Episode ein Streif am Horizont auftauchte, wurde dieser von der deutschen Bürokratie elendig im Keim erstickt. Ich sag euch... ich hab so einen Hass auf die deutsche Bürokratie, das glaubt ihr mir gar nicht!!! Ich versuche die Episode mal so kurz wie möglich zusammenzufassen:
Nachdem mir endlich klarwar, dass ich ohne (unbezahltes) Praktikum nicht weiterkomme, weil mir für jeden noch so pobligen Job (angeblich) Qualifikationen fehlten, fing ich an, für unbezahlte Praktika Klinken zu putzen. Ich hatte die Zusage, in einem renommierten Museum ein Praktikum zu machen. Der für meinen Fachbereich zuständige Abteilungsleiter war regelrecht begeistert von meiner Anfrage, ein unbezahltes Praktikum bei ihm machen zu dürfen. Ich habe noch nie einen so netten Menschen in meinem Fachbereich kennengelernt! Wir telefonierten und legten sogar schon den Zeitraum fest. Er machte sich sogar Gedanken, ob er mir anspruchsvollere Aufgaben zuschustern könnte, die mir etwas für meinen Lebenslauf brächten, da ich ja schon einen Abschluss habe. Darüber hinaus hätte ich an der Vorbereitung einer ultrageilen, großen Ausstellung mitarbeiten können. Und das Sahnebonbon obendrauf: Ich konnte in dieser Stadt bei Männchens Bruder kostenfrei wohnen für die Dauer des 2monatigen Praktikums! Denn das ist ja immer das Problem: Die Knete zusammenzukriegen, wenn man in eine fremde Stadt ziehen muss, aber kein Geld dort verdient.
Alles war perfekt. Ich kam endlich aus meinem Tal der Depressionen heraus und war happy. Und dann der Schlag: Nach 4 Wochen Warterei - Ich sollte ganz offiziell meine Bewerbungsmappe hinschicken. - wurde mir geteilt, dass die städtische Verwaltung keine Praktikantin haben möchte, die bereits einen Abschluss hat. Man will nur Studenten (Dass ich als Promotionsstudentin eingeschrieben bin, reichte ihnen nicht.) oder Schüler. Und man will ja die fertigen Akademiker nicht dem Arbeitsmarkt entziehen. (Dem ich doch gar nicht zur Verfügung stehe offiziell, da ich nicht arbeitslos gemeldet bin!) Und dass ich keinen Job kriege, ohne solch ein Praktikum vorher zu machen, das ist ihnen egal, dabei hat das der Abteilungsleiter auch nochmal extra zu denen gesagt.
Ich habe geflennt wie ein Schlosshund, als ich die Absage bekam. Da ist es mir 100x lieber, man sagt mir, ich tauge nix für den Job, als dass es an so einem idiotischen Scheißdreck scheitert. Und ich weiß nicht, ob Enttäuschung oder Wut überwogen. Dieses Praktikum wäre DIE Chance für mich gewesen! Ich habe es ja schon an Kommilitonen gesehen, dass endlich was ins Rollen kam nach so einem Praktikum. Aber die gehen halt dank Mama und Papa nach München oder London, und das kann ich mir nicht leisten. Aber auch dieses Museum ist sehr renommiert und hätte mir auf jeden Fall was gebracht. Eigentlich war es für mich nur noch eine Formalie gewesen, dass die Stadt, die Träger des Museums ist, zustimmt. Auch der Museumsmensch war irre enttäuscht, er schrieb mir, dass er total geknickt ist und mich ZU gerne als Praktikantin gehabt hätte, ihm aber die Hände gebunden sind. (Er ist ja nicht der Chef.)
Fazit: Der Staat nimmt den Leuten Chancen, die nötigen Berufserfahrungen machen zu können. Meine Fresse, ich hätte diese Arschlöcher keinen Cent gekostet!!! WAS WOLLT IHR NOCH, IHR VERFICKTEN HURENSÖHNE?!?!?!?!?!
Jetzt suche ich eben weiter, aber es gibt halt keine Städte, in denen ich noch so günstig unterkommen kann, was die Suche extrem einschränkt. Und da ich meinen jetzigen Nebenjob verloren habe und bislang keinen neuen Job gefunden habe, ist das finanziell auch supi, da kann ich nichtmal eben ins teure kosmopolitanische München oder London, da ist ja wirklich alles eine finanzielle Herausforderung, wenn man keine Knete hat. Wie gut, dass ich am Anus der Welt lebe.
Ich kann nur hoffen, dass endlich mal was ins Rollen kommt. Also was Positives! Und ich versuche, nicht im Selbstmitleid zu versinken, aber ganz ehrlich, manchmal fällt's mir irre schwer, mich nicht wie das Leiden Christi persönlich darin zu suhlen. Ich weiß, das ist Ekel erregend und bringt nix. Aber ich bin einfach kein starker Mensch, der in Allem immer nur das Positive sieht. Der sich denkt, alles hat seinen guten Grund. Ich bin kein hoffnungsloser Optimist.
Evtl. gibt es vielleicht noch eine andere Möglichkeit bezüglich Praktikum für mich, aber ich bin lieber still, bevor das auch wieder nichts wird...
P.S.: Dass auf meine Bewerbungen auf (idR schlecht) bezahlte Stellen nur Absagen kommen, hatte ich bereits erwähnt?
Das is doch krank, was die abziehen.
AntwortenLöschenUnglaublich, was bei uns abgeht. Mist!
AntwortenLöschenLG
Und ne Kommilitonin von mir hat gerade mit einem Notenschnitt von 3,3 abgeschlossen, Kommentar zu ihrer Abschlussarbeit (Note 3,7) vom Prof: "Lassen Sie das mit dem Promovieren!" Und die macht jetzt ein Praktikum an nem renommierten Museum in München. Weil die alle nehmen, auch mit (schlechtem) Abschluss. Nichtmal im gottverdammten, hinterwäldlerischen Bayern gibt's so ne beschissene Regelung. Aber wie gesagt, München ist ne Spur zu teuer für mich, sonst würd ich da sofort ne Bewerbung hinschicken.
AntwortenLöschenDas ist echt ein schlechter Witz. Wenn der städtische Verwaltungsleiter ein so gut ausgestattetes soziales Gewissen hat, kann er ja gern einen BEZAHLTEN Praktikumsplatz für dich einrichten oder gleich eine Vollzeitstelle. Beschäftigt denn diese Stadt weder 1-Euro-Jobber noch Bundesfreiwilligendienstler? (Aber selbst wenn man ihnen das vorhalten kann, erwachsen einem dadurch natürlich keinerlei Ansprüche, sich bei einem unbezahlten Praktikum zu verausgaben.)
AntwortenLöschenVielleicht schreibst du mal an Frau von der Leyen und fragst sie, wie sie das als Arbeitsministerin eigentlich so sieht mit der Generation Praktikum und ob man nicht für die Möglichkeit zum Praktikum wenigstens einheitliche Regelungen finden kann, um irgendwie einen Einstieg ins Berufsleben zu finden?
Ich habe nicht den Eindruck, dass du zu selbstmitleidig und zu schwach bist. Du hast allen Grund wütend zu sein und angenervt und traurig. Überall nur Absagen zu ernten, zehrt ungemein am Nervenkostüm und am Selbstwertgefühl.
Ich hatte in meiner Zeit der Arbeitssuche Momente, wo ich mich gefragt habe, ob ich überhaupt noch in der Lage bin, morgens pünktlich aufzustehen und einen geregelten Tag zu bewältigen. Ich denke, jeder, der lange nach Arbeit gesucht hat, kennt dieses Gefühl.
Ich drück dir weiterhin die Daumen!
Christine
Christine, das frag ich mich auch,also mit dem geregelten Tag. Wenn ich morgens mal ausnahmsweise einen Termin habe und um 8 Uhr aufstehen muss, stresst mich das schon. Mein Freund, der zum hart arbeitenden Fußvolk gehört, macht ständig blöde Sprüche darüber. Aber ihn sollte trösten, dass ich vom Langen-Ausschlafen-Können auch nix habe, denn ich werde jede Nacht von Albträumen geplagt, bin ständig wie gerädert und weiß morgens nie so genau, wozu ich aufstehen sollte. Da quäl ich mich lieber um 6 Uhr aus dem Bett und hab einen geregelten Tagesablauf, an dessen Ende ich sogar noch - Ja, sowas! - Geld verdient habe, das zum Leben reicht.
AntwortenLöschen