22. Januar 2013

Schul(aus)bildung heute

Nachdem ich gerade drüben bei den Herzdamengeschichten gelesen habe, dass sich die Eltern nach einer Grundschule für Sohn I umschauen, muss ich auch was zu dem Thema loswerden. Zwar bin ich kinderlos, aber mittlerweile habe ich doch schon genug mitbekommen, um auch eine Meinung dazu haben zu dürfen.

Egal auf welche Schule die Kinder heutzutage kommen, ich hoffe, dass sie nicht mit Förderunterricht noch und nöcher überrannt werden. Wenn ich schon höre, dass in manchen Grundschulen bereits zwei Fremdsprachen angeboten werden, zahlreiche Förderkurse, Wahlfächer etc.

Viele Eltern heutzutage wollen sich kleine Genies hochzüchten, wie es scheint, habe darüber auch erst die Tage einen sehr interessanten Artikel gelesen (Finde ihn nur nicht mehr, doof.). Ich sehe ja schon an meiner Schwieger-Nichte, wie die neben Vollzeit-Kindergarten noch jeden Spätnachmittag irgendeinen Kurs hat, dann gegen 18/19 Uhr hundsmüde nach Hause kommt, zum Abendessen genötigt wird, wo sie die übermüdete Diva gibt, und dann zur Schlafenszeit schon wieder viel zu aufgedreht ist, so dass das Zu-Bett-Bringen mit allem Drumherum locker 1,5h dauert. Und das Ganze wiederholt sich 5 Tage die Woche, und am Wochenende gibt's natürlich auch ganz viele Veranstaltungen, wo man das Kind hinschleift. Hauptsache, es hat niemals 5 Minuten, um mal im eigenen Kinderzimmer einfach nur spielen zu dürfen. Oder noch schlimmer: Hauptsache, es gibt keine 5 Minuten, wo sich Frau Mama mal selbst mit dem Kind beschäftigen muss. Lieber wird dann noch schnell die Babysitterin angerufen...

Und ich schätze, in der Grundschule wird es noch schlimmer werden. Und mittlerweile werden die Kids ja schon mit 5 eingeschult. Ich war schon fast 7. Als meine Eltern überlegten, mich schon mit fast 6 einzuschulen, wurde ihnen seitens der Kindergärtnerin (Ganz klassisch: eine Nonne! Aber ja, die gab's auch in lieb.) widersprochen: "Lassen Sie die Kinder noch ein bisschen Kind sein und spielen, der Ernst des Lebens beginnt früh genug." Recht hatte sie!

Ich bin auf dem Land aufgewachsen, wir haben in der Grundschule nur das Übliche gemacht (Mathe, Deutsch, Sport, Heimat- und Sachkunde, Religion, Musik), kein Förderunterricht (Das Wort war uns und unseren Eltern völlig fremd.), keine Fremdsprachen (Englisch erst ab der 5.), keine Wahlkurse. Wir hatten nachmittags viel Zeit, um einfach draußen spielen zu gehen mit unseren Freunden. Ich hab's trotzdem überlebt, und alle anderen Kinder auch, soweit ich weiß. Und ich bin nicht total verblödet, ich hab ja sogar Apritur (Von Juliane geklaut, sorry, bot sich jetzt an.) und Uniabschluss. Das mit der Arbeitslosigkeit lassen wir mal unter den Tisch fallen, war ja allein meine Entscheidung, den exotischen Weg zu gehen.

Ich hoffe wirklich für die Kleinen, dass dieser Leistungsdruck nicht noch schlimmer wird. Wenn ich schon höre, dass Eltern für ihr Kind in der 1. Klasse bereits Nachhilfe suchen... Ich glaube nicht, dass wir damals überhaupt hätten sitzen bleiben können nach der 1. Klasse. Ich verstehe, dass die Anforderungen immer höher werden und die Eltern einfach versuchen, ihr Kind auf dem Level der anderen zu halten. Aber wenn das so weitergeht, kriegen schon Erstklässler einen Burn-Out...

21. Januar 2013

Zusammenfassung...

...der bisher von mir durchgelesenen Jobanzeigen. Ich fasse mal allgemeingültig zusammen, was sich der deutsche Arbeitgeber so erwartet:



Lieber Bittsteller,
wir sind eine Firma, die nicht sonderlich viel mehr zu bieten hat als jede x-beliebige Firma auch. Und wir möchten auf keinen Fall für die gute Leistung unserer Arbeitnehmer zur Kasse gebeten werden.
Deshalb bieten wir Ihnen fortlaufend Praktika in unserem Unternehmen an. Sie brauchen ja immerhin jede Menge praktische Erfahrungen, wenn Sie eine reelle Chance haben wollen, irgendwo einen untertariflich vergüteten, befristeten Job zu bekommen, der gerade so zum Leben reicht, was aber auch egal ist, denn Sie werden eh keine Zeit haben, das Geld auszugeben, denn Sie arbeiten ja sowieso gerne auch in Ihrer Freizeit unentgeltlich weiter.
Für das Praktikum in unserer Firma müssen Sie nicht viel mitbringen. Nur einen überdurchschnittlich guten Hochschulabschluss, einschlägige Berufserfahrungen in unserem Fachbereich (Natürlich ist das irgendwie unlogisch, wenn wir Ihnen angeblich das Handwerk in unserem Praktikum vermitteln wollen, aber es ist doch immer einfacher, Sie auszubeuten, wenn Sie so wenig wie möglich eingelernt werden müssen und direkt für uns nützlich sein können.), Auslandserfahrung, Kenntnisse zu allen PC-Programmen dieser Welt und so ziemlich alle Sozialkompetenzen, die man als „positiv“ betrachten kann. Darüber hinaus sollten Sie mindestens 5 Sprachen fließend beherrschen und nicht älter als 25 Jahre sein. Das war’s aber dann auch schon an Anforderungen. Dafür haben wir auch eine Menge zu bieten! Immerhin lassen wir Sie unsere heiligen Hallen betreten, wo Sie in einem mehrmonatigen Praktikum unsere Arbeitsabläufe kennenlernen und mal sehen, wie es eben in der Berufswelt so abläuft.
Eine Vergütung kann selbstverständlich nicht angeboten werden, da wir für sowas nicht auch noch Geld haben. Aber Sie arbeiten sicherlich gerne für lau, und um Ihre Fixkosten, die Sie irgendwie decken müssen, können wir uns nun wirklich nicht auch noch sorgen. Sicherlich haben Sie wohlhabende Eltern, die Ihnen alles finanzieren können.
Sollten Sie uns mit einer Bewerbung belästigen wollen, schicken Sie diese bitte ausschließlich, also wirklich nur über den postalischen Weg. Es ist viel zu umständlich, Ihre Unterlagen auf dem Bildschirm anzuschauen oder auf eigene Kosten auszudrucken. Einen frankierten Rückumschlag erwarten wir selbstverständlich auch, sonst wandert Ihre Mappe direkt durch unseren Reißwolf.
Also beeilen Sie sich! Es gibt jede Menge verzweifelter Berufsanfänger, die genau diese Stelle wollen und sie sich auch leisten können. Sollten Sie es nicht geworden sein, dann werden Sie das schon irgendwann merken, wenn Sie nichts von uns hören. Mit Absageschreiben haben wir‘s nicht so – wozu die Zeit und das Geld verschwenden, wenn wir Sie eh nicht wollen? Dafür haben Sie ja sicherlich Verständnis.
Unsere Personalabteilung freut sich auf Ihre Unterlagen – und liest sie sich vielleicht bei guter Laune auch halbherzig durch. Vorausgesetzt, das obligatorische Bewerbungsfoto gefällt uns.

14. Januar 2013

Warum Männchen nicht im Jobcenter arbeiten sollte...

Ich: "Sabines Sohn* weiß jetzt, was er machen will. Irgendwas mit Menschen."

Männchen: "Wie wär's mit Henker?"

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Nun ja, die Todesstrafe wurde in Bayern ja abgeschafft, aber Männchen schlägt spontan die USA oder Afghanistan vor. Ob ich Sabine diesen Vorschlag mal unterbreiten sollte?

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* Sabines Sohn ist 19 und hat nach nur 3 Wochen sein Studium geschmissen, für das die Eltern mühsam ein WG-Zimmer im 300 km entfernten München gesucht und neue Möbel gekauft hatten.

8. Januar 2013

Geschenketerror 2.0

Also, jetzt muss ich doch mal darüber schreiben. Hier lesen ja auch Mütter (Vielleicht auch Väter???) mit. Ich beobachte das Ganze jetzt seit wenigen Jahren, seit ich eben kleine Kinder in meinem direkten Umfeld habe. Was die zu Geburtstag und v. a. Weihnachten mit Geschenken zugeschüttet werden, geht für mich auf keine Kuhhaut!

Beispiel letztes Weihnachten bei Männchens Familie: Seine 5jährige Nichte soll Geschenke verteilen. Das wird eine so ätzende Angelegenheit, dass ich ihr am liebsten ein Taschentuch mit Chloroform gegen das Gesicht pressen und selbst die Geschenke verteilen würde... Männchen geht's genauso. Familiäre Bande und niedliches Kindchengesicht hin oder her. Aber es geht fast 2 Stunden lang etwa so: "Und für wen ist denn nun das Geschenk? Oh, für Lilli! Na sowas!" Lahmarschiges Auspacken, dann erstmal alles ausprobieren. Der Rest wartet, bis es weitergeht... Der Weihnachtsbaum geht fast unter der Geschenkeflut unter. Aber am Ende sind vielleicht 20% für die anwesenden Erwachsenen - immerhin 8 Stück an der Zahl. Der Rest geht fast ausschließlich an Männchens Nichte. Oder alternativ an seine beiden Niffen im Teenageralter. Man merkt, dass die älteren Kids sich schon gar nicht mehr richtig freuen, weil sie es schon gewohnt sind, alles zu kriegen, was sie sich auch nur ansatzweise wünschen. Plus Geld, natürlich.

Diese Weihnachten: Die kleine Nichte war nicht da an Heiligabend (Und bekam tags darauf ihre eigene Bescherung.). 7 Erwachsene + Nichte (18) und Neffe (16). Unter dem Baum türmen sich die Geschenke. Schwiegervadder fängt an zu verteilen. Ich nehm ihm die Aufgabe schließlich weg, weil er jedes Geschenk schnell aufreißt, bevor er es weitergibt, angeblich um dem Geschenkeempfänger die Arbeit abzunehmen. *Kopfschütteln, und zwar heftig* Ich verteile und verteile und verteile. Ein Fünftel der Geschenke geht an die Erwachsenen. Muss dazu sagen, dass in Männchens Familie gewichtelt wird, so dass jeder Erwachsene idR. nur ein Geschenk erhält. Die letzten 4/5 gehen allesamt an die Teenager. Und das sind nicht nur so kleine Geschenkchen, nee! Hier Skischuhe, da ein Fahrrad (in Form eines Gutscheins), teure Klamotten, Kontoauszüge für Silberanleihen (Der Vater steht auf Edelmetalle...), Bargeld und und und. Mir fallen fast die Augen aus dem Kopf. Ich meine, die Kids sind (fast) erwachsen, wieso werden die immer noch mit Geschenken überhäuft? Klar, da spricht auch der Neid aus mir herau. Immerhin musste ich ebenfalls mitwichteln und die obligatorische "mindestens 50 €"-Regelung beachten, obwohl ich bei den Erwachsenen die Einzige bin, die arbeitslos ist und dementsprechend überhaupt keine Knete hat. Da wär's ja eigentlich nur fair, wenn die anderen ab der Volljährigkeit auch mitwichteln. Pfft.

Jedenfalls haben sich die Kids natürlich so gut wie gar nicht gefreut. Wenn man aber fast eine Stunde am Auspacken ist, dann ist das ja aber auch total anstrengend. Ich war ja schon vom Zusehen total erschöpft...

Mein bester Freund hat erzählt, dass seine Nichten (im Grundschulalter) ebenfalls unfassbare Berge an Geschenken erhalten. Die nun aber auf mehrere Tage aufgeteilt werden, weil die Kinder sonst schier wahnsinnig werden.

Gerade in den Blog einer Freundin geguckt, die zwei Kinder (4 und 7) hat. Ein Bild mit einem Baum, der unter sich -zig Geschenke für die Kids parat hält. Lustig bei der Familie finde ich allerdings, dass sie keine Knete hat, aber die Kids nur die teuersten Markensachen kriegen dürfen.

Muss das denn sein? Ich schenke auch gerne, aber irgendwie habe ich das Gefühl, nachdem ich ja nun auch mal 8 Wochen mit oben besagter Nichte zusammengewohnt habe, dass die Kids schon im Kleinkindalter so eine derbe Reizüberflutung erleben, dass sie sich kaum noch über irgendwas freuen oder sich für etwas faszinieren können, wenn sie erstmal ein bisschen größer sind. Da ist nichts mehr besonders, weil man alles schon kennt, alles hat, alles erlebt hat.

Und ich bin die voll naive Tante. Als (Schwieger-)Nichte den Skischuh vom Cousin in Händen hielt und damit ein bisschen herumspielte, sagte ich auch noch ganz doof: "Das ist ein Skischuh zum Skifahren." Sagt Nichte: "Ja, weiß ich doch, ich hab auch eigene Skischuhe und war schon Ski fahren." Mit 5. Toll. Da wusste ich noch nichtmal, was Skier überhaupt sind. Immerhin hat sie auch nicht erkannt, dass es ein Snowboardschuh war, ha!

Let's face it: Ich bin jetzt 31 und die neue Generation ist schon lange angebrochen. Und ich komm da nicht mehr mit. *seufz*

4. Januar 2013

Wie man Technik auch Frauen wie mir verständlich machen kann

Männchen sitzt am Laptop und flucht leise vor sich hin. Das tut er immer, das muss so sein.

Plötzlich wendet er sich an mich:

"Oh mann, Reichelt hat seine Seite erneuert und jetzt die gleiche beschissene Suchfunktion wie Conrad. Stell dir vor - ich hab nach Drehstromzähler gesucht, und die haben mir lauter Drehzahlmesser angezeigt!"

Ich: "???..."

Er völlig brüskiert: "!!!"

Ich: "Mir ist da jetzt leider die Pointe nicht so klar."

Er: "Na, stell dir vor, du gibst in Google 'Angelina Jolie' ein und kriegst lauter Seiten über Jennifer Aniston angezeigt."

Ah!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

2. Januar 2013

Wie man sich die Bezeichnung "Arsch" verdient

Männchen: "Oh, in Österreich gibt es ein Ingenieurkorps, das nennt sich Genietrupp. Soll ich mich da mal bewerben?"

Ich: "Als was? Hausmeister?"

Happy new ihr-wisst-schon!

Herrje, ist ja schon wieder ein neues Jahr angebrochen! Um nicht unhöflich zu wirken, wünsche ich natürlich allen Lesern erstmal 'nen Guten und so. Habt ihr wenigstens ein paar fromme Vorsätze? Ich mache mir nichts aus Neujahrsvorsätzen. Ich nehme mir das ganze Jahr über irgendwas vor und halte es nicht ein. Verstehe also nicht, wieso man Silvester/Neujahr da als Fixpunkt für neue Vorsätze nehmen sollte.

Am 29.12. hatte ich meinen letzten Post-Einsatz, so dass ich auch dieses Jahr nicht daran zweifeln musste, arbeitslossuchend ins neue Jahr zu kriechen. Mein Freund ist mittlerweile völlig ungnädig zu mir, der blöde Sack, Mr. "Hey, ich habe auch 10 Bewerbungen geschrieben, was gar nicht hätte sein müssen, weil ich gleich bei Stelle 3 und 4 vom Fleck weg genommen wurde."-Diplom-Ingenieur.

Sagt der nicht neulich zu mir: "Würdest du mal deinen ganzen Weltenhass in Energie umwandeln und in deine Bewerbungen stecken."

Und gestern sagt das ungnädige Männchen dann zu mir: "Also manchmal suhlst du dich ja schon gerne im Selbstmitleid."

Natürlich, ich bin eine Frau! Er hat immer noch ncht kapiert, dass ich, wenn ich motze, jammere und klage, keine guten Ratschläge von ihm will, sondern Mitleid und Zuneigung. Meine Freundinnen kapieren das ja, aber Männchen... Mann halt! Als ob es jemals geholfen hätte, sich mit einem Problem auseinanderzusetzen und Lösungen zu finden. So ein Quatsch! Ich glaube fest daran, dass das Glück zu mir kommt, wenn ich nur lange genug winselnd unter der Bettdecke warte und dabei Chips esse!

In einer Stunde muss ich los zum Career Service der Uni. Ich bin das neue Objekt der Begierde einer Jobberaterin, bei der ich neulich einen Kurs (Potenziale erkennen) gemacht habe. Die hat sich jetzt in den Kopf gesetzt, mich an den Mann zu bringen. Ich höre mir mal an, was sie zu sagen hat. Mein (bald ehemals) bester Freund kommentierte nur ungerührt: "Du wirst sie zu brechen wissen!" Arschloch...