Nachdem ich gerade drüben bei den Herzdamengeschichten gelesen habe, dass sich die Eltern nach einer Grundschule für Sohn I umschauen, muss ich auch was zu dem Thema loswerden. Zwar bin ich kinderlos, aber mittlerweile habe ich doch schon genug mitbekommen, um auch eine Meinung dazu haben zu dürfen.
Egal auf welche Schule die Kinder heutzutage kommen, ich hoffe, dass sie nicht mit Förderunterricht noch und nöcher überrannt werden. Wenn ich schon höre, dass in manchen Grundschulen bereits zwei Fremdsprachen angeboten werden, zahlreiche Förderkurse, Wahlfächer etc.
Viele Eltern heutzutage wollen sich kleine Genies hochzüchten, wie es scheint, habe darüber auch erst die Tage einen sehr interessanten Artikel gelesen (Finde ihn nur nicht mehr, doof.). Ich sehe ja schon an meiner Schwieger-Nichte, wie die neben Vollzeit-Kindergarten noch jeden Spätnachmittag irgendeinen Kurs hat, dann gegen 18/19 Uhr hundsmüde nach Hause kommt, zum Abendessen genötigt wird, wo sie die übermüdete Diva gibt, und dann zur Schlafenszeit schon wieder viel zu aufgedreht ist, so dass das Zu-Bett-Bringen mit allem Drumherum locker 1,5h dauert. Und das Ganze wiederholt sich 5 Tage die Woche, und am Wochenende gibt's natürlich auch ganz viele Veranstaltungen, wo man das Kind hinschleift. Hauptsache, es hat niemals 5 Minuten, um mal im eigenen Kinderzimmer einfach nur spielen zu dürfen. Oder noch schlimmer: Hauptsache, es gibt keine 5 Minuten, wo sich Frau Mama mal selbst mit dem Kind beschäftigen muss. Lieber wird dann noch schnell die Babysitterin angerufen...
Und ich schätze, in der Grundschule wird es noch schlimmer werden. Und mittlerweile werden die Kids ja schon mit 5 eingeschult. Ich war schon fast 7. Als meine Eltern überlegten, mich schon mit fast 6 einzuschulen, wurde ihnen seitens der Kindergärtnerin (Ganz klassisch: eine Nonne! Aber ja, die gab's auch in lieb.) widersprochen: "Lassen Sie die Kinder noch ein bisschen Kind sein und spielen, der Ernst des Lebens beginnt früh genug." Recht hatte sie!
Ich bin auf dem Land aufgewachsen, wir haben in der Grundschule nur das Übliche gemacht (Mathe, Deutsch, Sport, Heimat- und Sachkunde, Religion, Musik), kein Förderunterricht (Das Wort war uns und unseren Eltern völlig fremd.), keine Fremdsprachen (Englisch erst ab der 5.), keine Wahlkurse. Wir hatten nachmittags viel Zeit, um einfach draußen spielen zu gehen mit unseren Freunden. Ich hab's trotzdem überlebt, und alle anderen Kinder auch, soweit ich weiß. Und ich bin nicht total verblödet, ich hab ja sogar Apritur (Von Juliane geklaut, sorry, bot sich jetzt an.) und Uniabschluss. Das mit der Arbeitslosigkeit lassen wir mal unter den Tisch fallen, war ja allein meine Entscheidung, den exotischen Weg zu gehen.
Ich hoffe wirklich für die Kleinen, dass dieser Leistungsdruck nicht noch schlimmer wird. Wenn ich schon höre, dass Eltern für ihr Kind in der 1. Klasse bereits Nachhilfe suchen... Ich glaube nicht, dass wir damals überhaupt hätten sitzen bleiben können nach der 1. Klasse. Ich verstehe, dass die Anforderungen immer höher werden und die Eltern einfach versuchen, ihr Kind auf dem Level der anderen zu halten. Aber wenn das so weitergeht, kriegen schon Erstklässler einen Burn-Out...
Nachhilfe in der ersten Klasse??? Ähm... da ist aber dann gewaltig was schief gelaufen.
AntwortenLöschenIch befürchte, dass viele Eltern diesen Druck aufbauen, bzw. die Grundschulen, weil wir jetzt das verkürzte Abitur haben. Die Tochter macht G8, der Sohn G9 Ein Unterschied wie Tag und Nacht.
LG
Aber bis die Kleinen so weit sind, dass sie überhaupt mal aufs Gymi kommen, hat sich das mit G8 doch auch wieder eingependelt, oder?
AntwortenLöschenMännchens Neffe macht gerade G8 und fühlt sich null gestresst. Und der ist weder sonderlich fleißig noch megaintelligent... Vielleicht ist das auch von Bundesland zu Bundesland verschieden. Die leben in NRW, und seine Schwester, die gerade noch G9 macht, hat ein Schuljahr im Ausland verbracht, weil das bei denen schon immer so war: Die 11.(?) Klasse war eigentlich nur eine Art Pufferjahr, in dem die Schlechten nochmal gefördert werden und die Guten ein Jahr lang ins Ausland gehen können. Muss zwar ein Schulbesuch im Ausland sein, aber die müssen da keine Leistungen erbringen. (Männchens Nichte konnte ja noch nichtmal die Sprache ihres Gastlandes...) Davon hatte ich vorher auch noch nie gehört.
Wir schulen mit 7 ein. Alles ganz entspannt. Aber nach den zahlreichen sehr leistungsorientierten Fragen beim Tag der offenen Tür in der Schule zu urteilen, drehen viele Eltern schon vor der Einschulung durch.
AntwortenLöschenIch un das SoVa gehören zu den Eltern, die es eher relaxed angehen lassen.
AntwortenLöschenDer Sohn wurde erst mit 7 eingeschult, sollte er irgendwann mal sitzenbleiben - kein Problem.
Ich finde, diese ganzen Extraunterrichte wie Japanisch für 2-jährige u.ä. ist was für diese verpanikten Eltern, für die das ganze Leben nur aus Konkurrenzkampf und Compätischn besteht.
Habe neulich eine Mutter kennengelernt, die ihre Tochter mit 5 einschulen ließ und dann später nicht etwa am Mädchengymnasium anmeldete, sondern am Elitegym, mit der Begründung:
Auf dem Mädchengym werden die Kinder verhätschelt, aber "da draußen" herrscht schließlich Leistungsdruck und dann kommen sie später im Berufsleben nicht klar.
Das Mädchen ist mittlerweile in psychologischer Betreuung, weil sie unter Panikattacken leidet, sobald sie das Wort Schule nur hört.
@M. Buddenbohm: Bin ich ja beruhigt. Außerdem brauchen die Söhne keine Förderung, die sind schon kleine Genies. ;-)
AntwortenLöschen@Juliane: Compätischn braucht man halt, damit das kleine Genie das Apritur schafft! Schön, dass das Mädchen jetzt schon in psychologischer Betreuung ist. Warum auch nicht? Jede Woche zum Psychodoktor gehen gehört ja auch schon zum guten Ton heutzutage! Wenn ich das schon lese, könnte ich k...