Die Überschrift sagt's ja schon: Ich sollte meine Berufswahl echt überdenken. Mittlerweile habe ich ja lange genug mit Ämtern zu tun, um nicht nur aus reinem Vorurteil behaupten zu können: Wow, die haben echt geniale Arbeitszeiten und können sich so richtig schön gemütlich im Bürostuhl zurücklehnen, weil keine Eile geboten wird.
Alleine schon die Öffnungszeiten:
Bafög-Amt: MO-FR von 9-13 Uhr
Natürlich, als Student ist man sowieso nie beschäftigt. Böse Zungen würden nun behaupten, dass die Uhrzeit deshalb unmenschlich ist, weil man da ja noch schläft, so als Student. Ja, ha ha ha, die "Studenten schlafen den halben Tag"-Witze hab ich ja noch niiiiie gehört. Nu so nebenbei, ein Großteil meiner Studenten-Freunde steht um ca. 7 Uhr morgens auf, auch wenn sie keine Kurse haben. Ich persönlich kenne tatsächlich niemanden, der die Nacht zum Tag macht.
Jedenfalls, von 9-13 Uhr haben Leute, die vernünftig studieren und einen vollen Stundenplan haben, sehr oft Vorlesung.
Prüfungsamt der Uni: MO-DO von 9-11 Uhr
Noch geiler als das Bafög-Amt! Meist hat man nur am Freitag keine Vorlesungen, aber da kann man ja nicht hin. 9-11 ist natürlich eine wahnwitzige Zeitspanne. Gerade zu den offiziellen Prüfungsanmeldungszeiträumen stehen die Studenten Schlange, denn zumindest beim für meinen Studiengang zuständigen Prüfungsamt arbeitet gerade mal eine einzige Dame. Die schließt gemächlich um 5 nach 9 ihr Büro von innen auf und fängt ebenso gemächlich an, die Studenten abzuarbeiten. Dabei lässt sie dann gehässige Sprüche los wie "Wenn die Studenten meinen, sie müssen erst alle in der letzten Woch vor Anmeldungsschluss kommen, dann sollen sie mal schöööön warten.", und dann geht's rüber zur Kollegin, 10 Min. Ratschen. Noch WÄHREND jemand im Büro bei ihr sitzt. So passiert nämlich mir.
Kompetenz auch ganz ganz doll: Ich wollte mich mal unverbindlich erkundigen, wie das denn ist mit Immatrikulation zum Promotionsstudium (Man muss doch alle Fluchtwege kennen.). Ich wollte nur wissen, in welchem Zeitraum die Anmeldefrist ist. Steht ja natürlich nicht auf der Uni-Homepage.
Antwort im für meinen Studiengang zuständigen Amt: "Das weiß ich nicht. Aber gehen Sie doch mal 2 oder 3 Türen weiter zu Frau Sowieso, die müsste das wissen."
3 Türen weiter: Ich klopfe, Tür zu, keiner da. Ach doch, da kommt Frau Sowieso gerade mit einer Tasse Kaffee angelatscht: "Wollen Sie zu mir?"
Frau Sowieso weiß selbstredend nicht, was Sache ist. Sie klopft eine Tür weiter bei Frau XY. Frau XY kommt gleich zur Sache: "Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich bin nur zuständig für Promotion im Allgemeinen, also alles was damit zu tun hat, dass alle Unterlagen eingereicht werden und wenn Sie allgemein Fragen während ihrer Promotion haben. Aber ich weiß ja nun wirklich nicht, wann man sich für das Promotionsstudium anmelden muss."
Nochmal zum Mitschreiben: Ich möchte gerne wissen, wann die Einschreibungsfrist für Promotionsstudium ist. Die Frau ist aber "nur" zuständig für alles, was sich um Promotionsangelegenheiten dreht. Ja, ich sehe es ein, das wäre wirklich zu krasses Fachwissen, das nicht in ihren Kompetenzbereich fällt!
Am Ende werde ich in das Immatrikulationsbüro geschickt, das mehrere Kilometer entfernt in einem anderen Stadtteil liegt. Dort kriege ich endlich die von mir ersehnte Auskunft. (Danach fällt mir ein, dass Frau XY ja auch einfach dort hätte anrufen können, aber das stand natürlich nicht zur Debatte, da schickt sie mich lieber durch die halbe Stadt, als Studentin hab ich doch eh massig Zeit.) Als ich im Immatrikulationsbüro nachfrage, ob ich dieses und jenes Dokument für die Immatrikulation brauche, kriege ich als Antwort: "Also DAS müssen Sie Frau XY (die von oben) fragen. Wir sind hier nur für die Einschreibung zuständig, welche Unterlagen man dafür braucht, kann ich wirklich nicht wissen."
Ich gehe und denke mir meinen Teil... 1,5h hat es gedauert, bis ich diese simple Info endlich hatte, da ich ja nicht nur nach A, sondern auch nochmal von A nach B tingeln musste.
Natürlich kann man von den Leuten nicht verlangen, dass sie Dinge wissen, die nur ganz periphär etwas mit ihrem Fachbereich zu tun haben. Oder sie wenigstens eine Ahnung haben, wo man eine solch simple Info vielleicht nachgucken könnte, wenn schon nix auf der Homepage steht. Aber die Öffnungszeiten für ein ausschließlich für studentische Belange zuständiges Amt finde ich schon sehr lachhaft. Gerade von 9-11 hockt man meist in einem Seminar.
Dann noch der Dienst am Bürger allgemein:
Bürgerbüro der Stadt: generell von 8-12, dazu DI 14-16 und DO 14-18
Sieht ja prinzipiell schon um etliches besser auf. Aber man darf nicht vergessen, dass während dieser Öffnungszeiten ALLE Bürger und nicht nur eine gesonderte Gruppe bedient werden sollen. Und diese Öffnungszeiten sind ja mal für einen Arbeitnehmer voll für'n Arsch. Mein Freund z. B. fährt um ca. 7:45 Uhr los zur Arbeit und kommt ca. 18:15 Uhr wieder nach Hause. Wenn er also etwas auf dem Amt erledigen muss, muss er seine Arbeitszeiten verschieben. Was machen, wenn man Arbeitszeiten hat, an denen es nix zu rütteln gibt? Dann darf ich mir also einen halben Tag Urlaub nehmen, um meinen neuen Perso zu beantragen, ja?
Heute wollte ich mal nachfragen, ob mein Reisepass fertig sei. Ok, es ist Faschingsdienstag, aber an dem Tag wird normalerweise überall vormittags gearbeitet und erst nachmittags geschlossen. Nicht so natürlich im Rathaus! Ich rufe um 9 Uhr an und erhalte von einer Bandansage die Info, dass ich außerhalb der Öffnungszeiten anrufe, dann rattert sie die Öffnungszeiten runter und zählt u. a. auch auf "Dienstag von 8-12 Uhr". Da komme ich mir verarscht vor. Dass man schnell für diesen speziellen Tag aufs Band spricht "Heute am Faschingsdienstag ist das Bürgerbüro ganztags geschlossen.", wäre auch zu viel verlangt. Vermutlich weiß eh niemand im Amt, wie man den AB bedient.
Und natürlich ist mir klar, dass die Leute nicht nur während ihrer Öffnungszeiten arbeiten, und dass es nicht immer schön ist, mit dem einfachen Pobel verkehren zu müssen. Und dass es irgendwo da draußen auch Beamte gibt, die wirklich rackern und sich voll und ganz für die Belange ihrer Bittsteller einsetzen. Aber allein schon die Zeiten, zu denen man mal als Normalsterblicher, der evtl. nicht arbeitslos zu Hause rumlungert und deshalb auch problemlos vormittags 2h im Amt warten kann, die Dienste in Anspruch nehmen kann, sind der reine Witz. Dann sehe ich einfach viel zu oft die anderen Kollegen, die mich gerade nicht bedienen, mit der Kaffeetasse in der Hand ein Schwätzchen halten, während hinter mir die Warteschlange immer länger wird. D. h. diese Beamtenschaft ist sogar noch so dreist und versucht noch nichtmal, dem Vorurteil des faulen Beamten entgegenzuwirken. Und jetzt möchte ich doch gerne noch wissen, wieviel man so als Beamter verdient. Denn der Job reizt mich echt immer mehr!
Du bist Opfer eines fiesen Vorurteils:
AntwortenLöschenNicht jeder, der im Amt wohnt, ist Beamter.
Ich habe jetzt 4 Jahre im Amt hinter mir.
Von den 700 Kollegen und -innen waren 25 Beamte! Der Rest setzte sich aus "reingerutschten" (=fachfremden) Angestellten zusammmen. Es gab einen ehemaligen Metzger im Rechnungsprüfungsamt, eine Arzthelferin im Wohngeldamt, usw usw.
Klar, wo wenig Fachwissen ist, siehts trübe aus für den Bürger.
Ich bastele übrigens gerade an einen "Geheim"-Post darüber.
Die RTL-Serie "Das Amt" (mit Jochen Busse) ist übrigens keine Comedy, sondern eine Dokumentationsreihe.
Ansonsten hast Du natürlich recht: was die Beamten für Vorzüge genießen dürfen (wenn ich alleine an die 16 Jahre Elternzeit denke, die eine Kollegin nahm - bei nur 1 Kind) ist grandios.
Oh je, dann warst du also 4 Jahre inmitten der Beamtenschaft. Hoffe, du hast den Unmut über Beamte, der so im Volke umhergeht, nicht selbst zu spüren bekommen?
AntwortenLöschenIch sehe ein, dass nicht alle Leute im Amt Beamte sind. Ist ja bei den Lehrern heutzutage auch nicht mehr so. Aber dann gehe ich einfach dreist davon aus, dass die Kaffeetassen-Leute Beamte sind und die, die einen bedienen, nur die Angestellten. ;-)
Heißt das, ich kann nicht mehr auf Verbeamtung hoffen, wenn ich mich jetzt noch schnell in ein Amt reinwanze? :-(
"Die RTL-Serie "Das Amt" (mit Jochen Busse) ist übrigens keine Comedy, sondern eine Dokumentationsreihe."
--> Nichts Anderes hätte ich auch gedacht! :-D
Und - wie kriegt man bitte 16 Jahre Elternzeit??? Dann aber hoffentlich unbezahlt...
Die I-Amt-Zeiten haben mich auch immer wahnsinnig aufgeregt. Ich verstehe es auch nicht... Irgendwer wird sich schon was dabei gedacht haben *höhn*
AntwortenLöschenNa klar unbezahlt, aber immerhin wird der Frau Beamtin der Arbeitsplatz jahrelang freigehalten, bis sie gedenkt, wieder mal reinzuschneien...
AntwortenLöschenImmer wieder schön folgender Dialog Freitags nachmittags um 13.30 Uhr (!!!!)
AntwortenLöschenChef: Frau Doktor, machen Sie mal das schreiben für den Herrn S. aus dem Rechtsamt fertig, das muss heute noch unbedingt zur Stadt.
Frau Doktor: Macht doch sowieso keinen Sinn.
Chef: Wieso?
Frau Doktor: Na, weil die alle schon im Wochenende sind.
Chef: Aber es ist doch erst halb zwei!
Frau Doktor: Eben, die schließen um 1 alle Türen ab.
Chef: Sogar im Büro vom Oberbürgermeister?
Frau Doktor: VOR ALLEM im Büo vom Oberbürgermeister!
BüRo natürlich, BüRo
AntwortenLöschenFreitag 13 Uhr schließen auch bei uns (Jobcenter) die Türen. 13:01 sind 90% der Mitarbeiter im Wochenende. Warum auch nicht? Sollarbeitszeit 39,5h, für Beamte sogar 41,5h... muss so oder so erfüllt werden. Dafür beginnt man dann eben auch täglich um 7 Uhr, manche schon um 6:30 Uhr... andere, wie ich (die ihren Hintern um nichts in der Welt so früh aus dem Bett bewegen) bleiben dafür länger, Donnerstags bis 18 Uhr.
AntwortenLöschenNatürlich ist die Mentalität auf "dem Amt" eine andere, vom Zuckerschlecken ist man aber doch weit entfernt. Und Kohle hatte ich früher in der freien Wirtschaft weit mehr verdient, knapp 1400 hatte ich zuletzt frisch nach der Ausbildung. Zahlst halt für alles deinen Preis ne?