18. Juli 2011

Bewerbungsfrust

Also ich gebe zu, ich habe bislang nur 2,5 Bewerbungen geschrieben... Und nur eine davon war wirklich auf meinen akademischen Abschluss gemünzt, die anderen sind reine "Meine Zeit, Hauptsache ich verdiene endlich mal Geld nach all der Zeit des Darbens"-Plan B-Stellen.

Aber die einzige Stelle in meinem Fachbereich - es hat mich eh gewundert, dass ich eine Anzeige gefunden habe, in der man keine abgeschlossene Promotion erwartet, das gibt's nämlich grad mal 3x im Jahr im deutschsprachigen Raum! - auf DIE war ich echt 100%ig geeignet PLUS Zusatzqualifikation durch kaufmännische Berufsausbildung. "Gut", dachte ich mir, "es gibt wohl niemanden in diesem Bereich, der NICHT durch Vitamin B an eine bezahlte Stelle rangekommen ist, also mach dir mal nicht zu viele Hoffnungen, denn wenn dir etwas fehlt, dann ist es Vitamin B. Aber das wäre ja gelacht, wenn die mich bei diesen Qualifikationen noch nichtmal einladen würden." Habe ich so gedacht... Muss dazu sagen, dass sich auf solch eine Stelle schätzungsweise 30 Leute bewerben, was ja doch überschaubar ist. Ich kann mich aber auch irren.

Nun denn. Bewerbungsschluss Anfang April. Stelle antreten sollte man ab 1.8., also in 2 Wochen. Laut Brief die Mitteilung, man werde sich nicht vor Ende Juni melden. Oha, ab Ende Juni sollen dann erstmal die Gespräch laufen, ja? Der Einsatzort ist 500 km von hier, und danke auch, wenn ich dann ca. 2 Wochen (Man braucht ja noch Zeit zum Entscheiden.) Zeit habe, mein komplettes Leben umzukrempeln und mir in einer der begehrtesten Großstädte Deutschlands eine Unterkunft suchen muss. Aber gut, so läuft das halt. Seit wann wird auf die Arbeitnehmer Rücksicht genommen? Und in dem Bereich kann man ja froh sein, wenn man überhaupt bezahlt wird - übrigens würden bei diesem Job für Vollzeit ca. 8/900 Öcken netto rausspringen... Und das als Akademiker, ja. Aber als sehr exotischer Geisteswissenschaftler kann man ja nicht wählerisch sein.

Nach der 1. Juli-Woche rief ich endlich mal in dem Saftladen an. "Ende Juni" kann man ja definieren, wie man will, aber im Juli ist das dann definitiv vorbei. Ich hatte nur die Sekretärin am Apparat und fragte freundlich nach, was denn nu Sache sei. Sie druckste herum:

S: "Ähm, ja, also... eiiiiiiigentlich ist da schon eine Entscheidung gefallen."
Ich: "Aha, ok. Und bekommt man dann denn auch noch demnächst eine Absage von Ihnen, damit man auch Bescheid weiß?"
S: "Hm, ja, aber das wird noch länger dauern."

Angesichts der Tatsache, dass man den Job in 3 Wochen antreten soll, finde ich "noch länger" ein bisschen dreist. Vermutlich will man warten, ob sich der Neue nicht doch noch als Vollpfeife entpuppt...

Ich: "Ok, aber meine Bewerbung kann ich hiermit als erledigt betrachten, oder?"
S: "Na ja, also... hm..."
Ich: "Also wenn ich bedenke, dass ich bislang noch nichtmal zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wurde und von Ihnen 5 Monate lang nichts gehört habe, kann ich doch davon ausgehen, dass da auch nichts mehr kommt, wenn Sie sagen, dass da schon längst eine Entscheidung getroffen wurde, oder?"
S: "Hm, ... ja, eigentlich schon, ja."
Ich: "Gut, also, dann weiß ich ja jetzt, dass ich nicht mehr warten muss. Kriege ich dann trotzdem noch eine offizielle Absage von Ihnen?"
S: "Mh, ja, aber das kann noch dauern."

Na ja, spätestens am 15.8. hätte ich mir schon gedacht, dass das nix mehr wird, denn dann hätte ich ja schon 2 Wochen arbeiten müssen. Nun bin ich mal gespannt, wann denn mal die Absage kommt. Und ja, ich weiß, läuft wohl meistens so, dass man unverschämterweise ewig oder gar keine Absage kriegt, aber ich bin nach 13 Jahren wieder ganz neu dabei im Bewerbungsmarathon, und vor 13 Jahren waren die Leute einfach fairer, bilde ich mir ein, zumindest ist mir da sowas echt nie passiert. Muss mich erst mal dran gewöhnen, dass ich der räudige Türklinkenputzer mit nutzlosem Hochschulabschluss bin...

2 Kommentare:

  1. Das kommt mir gerade leider sehr bekannt vor -.-

    Als "normaler" Geisteswissenschaftler interessiert mich natürlich, was denn unter "exotisch" zu verstehen ist? =)

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  2. Also genau möchte ich meinen Job nicht verraten, weil das doch eher selten ist und ich so weit wie möglich anonym bleiben möchte. :-) Aber es geht Richtung Altertum, Schwerpunkt Philologie (etwas spezieller bzw. exotischer als Latein oder Altgriechisch).

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