15. Dezember 2011

Ausbeutung mal ganz legal

Also bei vielen Jobanzeigen läuft's einem eiskalt den Rücken runter. Da soll man die eierlegende Wollmilchsau sein, dabei noch super aussehen (Ein Unding ist das mit der Foto-Pflicht bei Bewerbungen an deutschen Firmen, selbst als Putzfrau muss man ein Bild mitschicken!) und am Besten noch selbst zahlen aus Dankbarkeit dafür, dass man überhaupt mal was arbeiten darf.

Am Tollsten sind die so genannten "Praktika", bei denen man einfach nur eine kostenlose Arbeitskraft braucht, natürlich am Besten für mind. 6 Monate bei einer eigentlich total anspruchslosen Tätigkeit, bei der man nicht wirklich viel lernt.

Nur ein Beispiel:
Eine Orga, die jedes Jahr Open Air-Kino an einer Burg organisiert, sucht - ich zitiere - "motivierte Praktikanten! Zeitraum: Ab sofort, etwa einen Monat lang (Na das geht ja noch.), 20h pro Woche für die ersten Planungen (Das geht ja auch noch, da kann man noch nebenbei studieren oder Geld verdienen.) und dann im nächsten Sommer von Mai bis Juli fulltime! Du hast Spaß am Organisieren, Planen und Gestalten - dann melde dich."

Ähm, joah... Ich will jetzt mal nicht behaupten, dass man bei sowas gar nichts lernt. Aber allein 3 Monate Vollzeit Praktikum machen (Mitten im Semester, wohlgemerkt!) bei einer Mini-Orga, die halt Open Air-Kino macht - ich glaube nicht, dass sich diese Zeitinvestition irgendwie rechnet. Solche Sachen werden in diesem Fall meist von Freiwilligen übernommen. Das Ganze noch als Praktikum zu verkaufen, bei dem man sich 3 Monate lang Vollzeit abrackern soll, finde ich etwas übertrieben. Wird momentan öfter gepostet, haben sich wohl noch nicht genug Leute gemeldet. Nanu?!

Mein Favorit ist ja der Lego-Mann. "Ich bin Student, selbstständig und verkaufe Lego-Teile. Diese müssen sortiert werden. Wenn ihr bei mir arbeiten wollt (Es gibt 5 €/h.), dann meldet euch. Ihr müsst erstmal 2 Wochen lang kostenlos arbeiten, damit ich sehe, ob ihr die Tätigkeit auch beherrscht. (Es geht wie gesagt darum, Legosteine zu sortieren!) Bewerbung bitte nur mit Bild! (Damit die Legosteine auch was zu gucken haben!)"

Jetzt zwar nicht kostenlos, aber im Endeffekt glaube ich - auch nachdem diese Anzeige wirklich ständig gepostet wird - dass der gute Mann einfach nur die Leute zum kostenlosen Probearbeiten herzitiert und sich somit vermutlich über Monate hinweg Arbeitskräfte sichert, ohne einen Cent zu bezahlen. Und ich glaube nicht, dass man für eine Tätigkeit wie Legosteine sortieren groß angelernt werden muss.

Versteht mich nicht falsch - mal eine Zeitlang für schlechte oder gar keine Bezahlung in einem Unternehmen arbeiten, wo man dann ein ordentliches Praktikumszeugnis in Händen hält und auch wirklich was Gescheites gelernt hat, DAS würde ich auch machen. Aber sowas wie da oben? Das ist doch die reinste Verarsche, oder?!

Leute, was ist denn bitte mit dem deutschen Arbeitsmarkt los?! Sind potentielle Arbeitskräfte mittlerweile echt so wenig wert?

2 Kommentare:

  1. Ich gebe Dir recht. Die reinste Verarsche. Unglaublich!

    Mein Chef sagt, dass im Moment an Bewerbungen nichts gescheites rein kommt. Aber anders rum wird wohl auch ein Schuh draus... ;)

    LG

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  2. Das verstehe ich sowieso nicht! Da jammern die blöden deutschen Firmen, dass angeblich kein Bewerber was taugt, aber ich kenne genug Leute, die was zu bieten haben und nichtmal zu Gesprächen eingeladen werden. Da schließ ich mich mit ein, ich hab ne grundsolide Berufsausbildung UND einen ordentliche akademischen Abschluss, und auf dem deutschen Arbeitsmarkt bin ich scheinbar einen Dreck wert.

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