29. Dezember 2011

Geschenketerror - Ein paar nachweihnachtliche Gedanken

Auf Grund eines Kommentars zum letzten Thread habe ich mich etwas ausführlicher über den Geschenketerror zu Weihnachten ausgelassen als Antwort auf den Kommentar, aber ich dachte mir, das könnte ich auch nochmal hier als Extra-Thread wiederholen:

Ich bin ja selbst kinderlos, aber habe durch Familie, Verwandtschaft und Freunde Folgendes mitgekriegt: Heutzutage kriegen die Kinder so derbe viele Sachen geschenkt, dass sie total überfordert sind oder zu fordernd werden. Oder noch schlimmer: Sich über nichts mehr richtig freuen können.

Bei meinem Neffen hielt es sich in Grenzen, er ist ja noch sehr klein und versteht das alles nicht so. Er bekam zwar klar mehr Geschenke als wir Erwachsenen, zumal wir uns gegenseitig eigentlich nicht mehr groß beschenken, aber es war ein überschaubarer Haufen. Mein Neffe hat auch viele Spielsachen, da 1. Enkel, einziges Kleinkind weit und breit usw., da wird man halt verwöhnt. Aber wir haben festgestellt, dass er am liebsten mit den einfachen Dingen spielt, die man bei Oma im Küchenschrank findet (z. B. Töpfe). Seitdem bekommt er von mir keine Spielsachen mehr, sondern nützliche Dinge wie Kleidung oder Geld, was ich vorher bei seiner Mama nachfrage.

Aber die 5jährige Nichte meines Freundes z. B. kriegt am Heiligabend locker 20 Geschenke oder mehr, und das wird dann auch noch so zelebriert, dass sie ALLE Geschenke einzeln verteilen darf (In der Familie wird gewichtelt, so dass jeder Erwachsene nur von einem Familienmitglied beschenkt wird.), und wenn sie dann eins für sich in Händen hält, was im Schnitt bei jedem 0,5. Geschenk vorkommt, muss man erstmal zusehen, wie sie alles einzeln auspackt und ausgiebigst begutachtet, bevor man sein eigenes erhält. Somit dauert allein das Geschenkeverteilen an Heiligabend zwei Stunden oder so. Das ist sooo nervig! (Ich war dieses Jahr zum Glück nicht dabei.)

Die beiden anderen Niffen meines Männchens, die nun schon im Teenageralter sind, können sich schon gar nicht mehr richtig über irgendwas freuen. Da wird ein Wunschzettel gemacht, die Familie kauft brav alles runter vom Zettel und das wird auch irgendwie erwartet. Die kriegen und haben wirklich ALLES.

Mein bester Freund hat erzählt, dass die Geschenke für seine beiden Nichten auf mehrere Tage verteilt werden, weil es sonst zu viel ist. Die Kids ertrinken doch regelrecht in Spielsachen und werden so Jahr für Jahr zu Geschenketerroristen erzogen. Es ist natürlich schön, wenn man ihnen eine Freude macht und ihnen schöne Dinge kauft, aber wenn ich das so sehe, ist das doch der totale Irrsinn.

Das mit dem Ungleichgewicht beim Geben und Nehmen ist auch so eine Sache. Oft hat man das Gefühl, dass man sich beim Schenken viel mehr Mühe gegeben hat als die Anderen. Wobei ich mich dieses Jahr nicht beschweren kann, da ich die Schenkerei im Freundeskreis bis auf eine Person abgeschafft habe. Das hat verschiedene Gründe: Bei ein paar Freunden ist es so, dass sie mittlerweile woanders wohnen und man sich eh nicht sieht, und Sachen für 10 € in einem Paket herumzuschicken, das allein 6,90 € Porto kostet, ist irgendwie dämlich. Auf Dauer portogünstige Sachen verschicken (Bücher, DVDs, Gutscheine) ist auch langweilig. Im Endeffekt ist das nur ein Güteraustausch per Post, z. B. passierte es mir mit zwei Freundinnen, das wir uns der Einfachheit halber einfach 10 €-Gutscheine für dieses und jenes hin- und herschickten. Das macht keinen Spaß, ich möchte es den Leuten gerne selbst geben und vielleicht im Idealfall auch zusehen, wie sie die Sachen auspacken und sich freuen.

Dann allgemein bei anderen Freunden haben wir uns darauf geeinigt, dass wir ja momentan alle gerade nichts oder nur wenig verdienen und einfach unser Geld zusammenhalten. Scheint mir auch vernünftig. Wenn ich mal richtig Geld verdiene, dann kaufe ich gerne Sachen, auch gerne jemandem, der gerade nichts verdient und mir deshalb nichts zurückschenkt. Ich bin eh ein großer Freund von kleinen Aufmerksamkeiten und schenke auch gerne Dinge einfach so ohne Anlass. IdR. kriege ich von den Leuten auch meist nichts zurück, da ich so gut wie keine Aufmerksamkeitenschenker im Freundeskreis habe, aber wenn sich die Beschenkten ehrlich freuen, freut es mich auch.

Ärgern tun mich Geschenke, wo man einfach sieht, dass der Schenker sich null Gedanken gemacht hat, was einem gefallen könnte. Wenn man mal daneben greift, aber man den guten Willen erkennt, ist das völlig in Ordnung, denn der Wille zählt ja! Aber bei manchen Leuten sieht man einfach, dass sie sich keinen Deut darum scheren, ob man sich drüber freut, Hauptsache schnell was gekauft. Ich finde so etwas respektlos. Dann lieber gar nichts schenken. Ich habe jemanden im Freundeskreis, der mich seit fast 10 Jahren kennt und mir wirklich IMMER irgendeinen Scheiß schenkt, den ich gar nicht mag, so als beschenke er eine Fremde. Und das auch noch, obwohl ich sogar eine ausführliche Amazon-Wunschliste online stehen habe, von der er weiß. Das ist zwar auch unromantisch, wenn man nach Vorgabe kauft, aber bevor ich doch irgendeinen Schrott auf gut blöd kaufe, tobe ich mich auf der Liste aus. V. a. wenn die Beschenkte sich die Sachen selbst nicht leisten kann/will mangels Verdienst und der Schenker im Geld schwimmt wie in unserem Fall...

Und ich ertappe mich leider selbst auch einfach zu oft dabei, wie ich beim Auspacken eines Geschenkes manchmal abwäge, ob die Person denn auch ungefähr so viel ausgegeben hat wie ich. Oder wie ich mich ärgere oder enttäuscht bin, wenn es etwas ist, das ich mir nicht gewünscht habe und mit dem ich nichts anfangen kann. Dann komme ich mir auch meist schäbig vor, dass ich diesen Automatismus in mir habe. Denn dann weiß ich: Ich bin mittendrin im Geschenketerror, zu dem Weihnachten leider mittlerweile verkommen ist, und keinen Deut besser als die Anderen.

Ach, die guten alten Zeiten, wo das mit dem Schenken noch irgendwie maßvoller war und man sich damals als Kind noch über ein paar wenige Sachen gefreut hat, mit denen man dann stundenlang unterm Weihnachtsbaum gespielt hat.

3 Kommentare:

  1. Hallo,

    ich habe heute in deinem Blog herum gestöbert, der sich ganz klasse liest. Wir haben auch eine kleine 6-jährige Tochter, wir beschenken uns alle gegenseitig und wir organisieren das so, dass jeder für den jeweils anderen ein Geschenk hat plus für die Kleine kommt noch ein Geschenk des Christkinds dazu. Das sind dann deutlich <20 Geschenke. In unserem Familienkreis + Oma + Opa geht es dann einigermaßen ruhig, beschaulich und übersichtlich zu.

    Gruß Dieter

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  2. Hallo!
    Leider können sich heute viele Kinder gar nicht mehr länger als 10 Minuten mit einem Spielzeug beschäftigen :(

    Bleibt die Frage, ob es an den Kindern oder dem Spielzeug liegt.

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  3. Leider ist das heute sehr verbreitet, mit dieser übertriebenen Geschenke-Kultur bei Kindern.

    Ich habe im Kindergarten gearbeitet und war manchmal wirklich fassungslos, was die Kinder alles bekommen haben.
    Einige bekamen bereits zu Nikolaus so viel, dass ich mich gefragt habe, was da Weihnachten noch kommen soll.
    Und die Kinder waren das so gewohnt, die forderten das auch.
    Zudem gab es eben leider auch einige von diesen Kindern, die auf andere herabgesehen haben, die nicht so viel bekamen.

    Bei dem Kleinen meines Cousins beobachte ich das jetzt auch.
    Er ist gerade 2 Jahre alt geworden und bekam zum Geburtstag einen Bagger, einen den man wirklich bedienen kann, der tatsächlich baggert. Man kann den auch zum Schneepflug umbauen...
    Ansich erst ab 4 Jahren empfohlen und der Kleine kommt mit den Füßen noch nicht einmal an die Pedale....
    Weiß gar nicht, was da zu Weihnachten noch gekommen ist.

    Klar will man Kinder verwöhnen und ihnen eine Freude machen, aber das kann man auch maßvoll tun, finde ich.

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