Also, das Schlafplatzproblem: Als ich meine Eltern ein paar Tage vor Weihnachten frage, ob ihnen schon aufgefallen ist, dass es kein Bett für mich gäbe, kommt von meiner Mutter erstmal: "Ach, du willst hier schlafen?!" Hallo? Das tue ich jedes Jahr! Und bislang gab es auch immer ein Bett für mich. Doch jetzt hat mein Neffe ein eigenes Zimmer bekommen und mein altes Bett dazu. Ich bin ja froh, dass er keins dieser Kinder ist, die noch mit 5 im Elternbett schlafen und sich nicht umstimmen lassen, ins Kinderzimmer umzuziehen. Aber für mich ist es eben ungünstig, da es nun kein Gästebett mehr gibt. Prinzipiell kein Ding, da ich ja nur 25 km von hier habe und bei Besuchen immer heimfahre. Aber an Weihnachten finde ich es irgendwie doof, dann noch so spät in meine leere Wohnung zu fahren.
Meine Eltern machten mir folgenden Vorschlag: "Papa schläft auf der Couch (Die nicht ausziehbar und deshalb viel zu ungemütlich und klein ist.) und du bei mir im Ehebett." Mein Kommentar: "Vergiss es, du schnarchst wie Sau!" (Kommentar mein Freund: "Statt dass du das Argument bringst, dass du deinem Vater keine Unannehmlichkeiten bereiten willst..." ;-)) Meine Mutter: "Na gut, dann schlaf halt ich auf der Couch und du mit Papa im Ehebett." Woraufhin ich: "Der schnarcht noch viel lauter als du!" Für mich war das Thema "Schlafen im Ehebett" damit erledigt. Äh, und natürlich möchte ich meinen Eltern keine Unannehmlichkeiten bereiten! ;-)
Deshalb habe ich mir von einer Freundin eine Luxusluftmatratze ausgeliehen. Das Monsterteil passt gerade mal so ins Wohnzimmer und ist locker einen halben Meter hoch. Da ich noch nicht müde bin, lümmle ich am Heiligabend auf dem Ding herum und schaue aus der Not heraus "Siegfried" mit Tom Gerhard. Schon nach 5 Min. merke ich, dass der Film weniger Niveau als der Protagonist selbst hat, aber ich bleibe dran, um auch dieses Kleinod deutscher Filmkunst auf meiner To-Do-Liste abhaken zu können. Erst 10 Min. vor Filmschluss fällt mir auf, dass ich den Film bereits komplett gesehen habe und mir die letzten 1,5h hätte sparen können. Toll...
Anschließend lese ich noch ein bisschen und lege mich dann schlafen. Doch schon nach kurzer Zeit wache ich wieder auf. Meine Blase meldet sich, was bei mir völlig normal ist, das Wort "durchschlafen" gibt es in meinem Leben nicht. Doch diese Nacht muss ich alle 1-2h auf Toilette, was selbst für mich ungewöhnlich und äußerst nervenzehrend ist. Irgendwann bekomme ich von der Luftmatratze Rückenschmerzen und bin nur noch am Rotieren, um irgendeine bequeme Stellung zu finden. Um ca. 4 Uhr fängt mein Neffe an zu brüllen, aber das legt sich zum Glück nach 15 Minuten wieder. Im Gegensatz zu meinem Harndrang...
Um 5:59 Uhr liege ich gerade nach dem gefühlten 81. nächtlichen Klogang mit Rückenschmerzen wach, als plötzlich die Festbeleuchtung im Wohnzimmer dank Zeitschaltuhr angeht. Überall leuchtet und blinkt es, und auch durch die geschlossenen Augenlider kann ich alles sehen. Ich stehe auf und ziehe die diversen Stecker aus den Steckdosen, bis es endlich wieder dunkel ist. Wenn ich schonmal stehe, beschließe ich spontan, mein Bettzeug auf die Couch zu verfrachten, wo ich 1,5h halbherzig vor mich hindöse, bevor mein Neffe aufwacht und schon wieder einen lauten Heulanfall hat. Zitat mein Vater: "Normalerweise steht er auf und lacht." Tja, da habe ich wohl Pech gehabt, wenn ich einmal im Jahr hier schlafe...
Meine Eltern sind nun auch wach, das Ehebett ist frei, und ich ziehe übermüdet und wortlos an ihnen vorbei ins elterliche Schlafzimmer. Mein Vater sagt noch zu mir: "Jetzt kannst du bis 12 schlafen... ich geh jetzt auch nicht mehr ins Bett." Ich liege also im Ehebett, da kommt mein Vater reingeschlichen und legt sich wieder auf seine Seite. Nanu, hat der nicht noch eben gesagt, er geht nicht mehr ins Bett zurück?! Im Halbschlaf murmle ich in seine Richtung: "Wenn du anfängst zu schnarchen, werde ich dich töten." Ja, ich kann sehr ungemütlich werden, wenn ich unter Schlafmangel leide! Nach 15 Minuten steht er wieder auf, es ist ihm wohl doch zu riskant, neben mir einzuschlafen.
Es gelingt mir, ein bisschen ins Reich der Träume abzusinken, bevor sich wieder mein jetzt gut gelaunter Neffe vor der Zimmertüre herumtreibt und auffordernd meinen Namen ruft. Um 11 Uhr stehe ich völlig erledigt auf. Meine Eltern sind fast schon beleidigt, als ich ihnen verkünde, dass ich keine weitere Nacht hier verbringen werde. Aber mein Schlaf ist mir nunmal heilig! Deshalb bin ich abends wieder in meine Wohnung gefahren und werde heute nochmal, diesmal mit dem von meinen Eltern heißgeliebten Männchen im Schlepptau, zum Abendessen wieder aufgeschlagen.
Für nächstes Jahr habe ich meinem Freund vorgeschlagen, Weihnachten zu zweit zu verbringen. Am Besten am Strand... ;-)
NACHTRAG:
Alles in Allem ist es nicht nur die Schuld meiner Familie, dass der Heiligabend in meinen Augen ein Desaster war. Ich bin auch momentan in einer ziemlich negativen, ja regelrecht aggressiven Grundstimmung. Mein momentaner Lebensstandard mit den fehlenden Zukunftsperspektiven gefällt mir nicht so gut... Und ein Ende meiner Zwangslage ist nicht abzusehen. Dazu kommt, dass ich schon seit Wochen ständig latent krank bin. Auch seit gestern habe ich wieder Ohrenschmerzen, und ach ja, ich fürchte, demnächst wird eine Wurzelbehandlung fällig, die ich schon viel zu lange aufgeschoben habe. An Weihnachten wird irgendwie erwartet, dass alles toll, harmonisch, friedlich, festlich zugeht. Ich hatte einfach zu hohe Erwartungen, die vermutlich nur die perfekte Familie hätte erfüllen können. Im Großen und Ganzen ist meine Familie schon wirklich nicht verkehrt, auch wenn ich nun erstmal einen negativen Eindruck von ihnen hier im Blog hinterlassen habe. :-/ Aber ihr kennt das ja, die Familie kann einen ganz leicht in den Wahnsinn treiben, egal, wie lieb man sie hat!
Also negativ würde ich meinen Eindruck jetzt nicht beschreiben...eher sehr lebhaft und zum Teil launisch :) Bewahren Sie sich Ihren Humor den man trotz allem zwischen den Zeilen hervorlesen kann :)
AntwortenLöschenBald kommt ein neues Jahr, nutzen Sie die Chance die letzten Tage nochmal so richtig abzuschalten, und dann im neuen Jahr mit neuem Mut zu starten :) Es kann nur besser werden :)
Einen entspannten letzten Weihnachtstag wünsch ich :)
Wow... was für eine Nacht!! Ich glaube, ich wäre Amok gelaufen. Aber ganz ehrlich. Bei 25 km Entfernung wäre ICH auf jeden Fall nach Hause gefahren. Es geht halt nix über das eigenen Bett... ;)
AntwortenLöschenDer Gatte und ich haben auch einmal den Heiligabend alleine gefeiert. Okay, damals hatten wir noch keine Kids, aber wir haben beschlossen: Das machen wir nie wieder!
Ist halt doch ein Familienfest. *soifz*
LG
Aaaaaargh, das Blasenproblem kenne ich :-D
AntwortenLöschenUnd ich finde diese Ehebett-mäßigen Luftmatratzen tatsächlich sehr bequem ^^
Tja, die liebe Familie...
Unsere ist weit ab von perfekt, aber Weihnachten kriegen wir doch alle meist die Kurve. Spätestens ab dem Heiligabend-Abendessen sind alle Zickereien dann heruntergeschluckt und vergessen.
Aber egal was passiert, man hat sich doch lieb und zumindest gabs bei euch an Weihnachten was zu erleben ;-)
Ehebett-mäßig war die Luftmatratze leider nicht, sie ist zwar für eine Person relativ geräumig, aber weit von Ehebett-ähnlichen Zuständen entfernt. Ich muss mich noch bei einer Freundin entschuldigen, die vor einem Monat darauf bei mir übernachten musste...
AntwortenLöschenOha, dadurch das sie grad ins Wohnzimmer passte, dachte ich, es wären diese großen. Ich hab eine die ist 1,40 oder sogar 1,60 breit und ich schlaf irre gern drauf.
AntwortenLöschenDa noch die Nach-Weihnachtszeit ist, wird sie es sicher annehmen, wenn du Abbitte leistest ;-)
Erstmal herzliches Beileid zu diesen lausigen Weihnachtstagen! Geht die (Familien)-Welt unter,wenn Sie tatsächlich im nächsten Jahr nicht teilnehmen? Machen Sie es sich mit Ihrem Freund gemütlich und/oder laden Sie noch andere Freunde ein.
AntwortenLöschenWir haben viele Jahre am 24. mit Freunden gefeiert,die an dem Abend nach und nach eingtrudelt sind,wenn die "Familienfeier" vorbei war.Man konnte noch am selben Abend sehr feierlich über die eigene Familie lästern... ;-)))
Achso,...ein 2-jähriger Fratz ist einfach zu jung für die Kirche,finde ich.
PS: Viel Erfolg bei der Job-Suche!!
Meine Eltern verkraften das schon, wenn ich nicht teilnehme. Aber 2009 war ich gerade im Ausland zu Weihnachten, und 2010 habe ich mit der Familie meines Freundes gefeiert. Deshalb wollte ich auf jeden Fall wieder daheim feiern.
AntwortenLöschenJa, er war wirklich zu klein bzw. hat ein ungünstiges Alter. Es waren noch kleinere Kinder in der Kirche, war ja extra eine Messe nur für Kinder, da war es natürlich nie ruhig. Aber die Kleinen schliefen dann meist auf dem Arm der Eltern, die Größeren hörten aufmerksam zu. Mein Neffe war zu groß zum Dahinvegetieren und zu klein, um brav zu sein. Wir waren die Ersten, die die Kirche wieder verließen - aber nicht die Letzten. ;-)
@alle: Übrigens lasse ich mich gerne ungefragt duzen, wir sind doch unter uns und alle noch jung (zumindest im Herzen). ;-)
Also, erlaube mir die Anmerkung, dass ich auch alle Deine Beiträge lese, auch wenn ich nicht immer etwas dazu schreibe ... ;-) Ich finde Deinen Stil unterhaltsam und Deine Sicht der Dinge sehr vernünftig und situationsbezogen sehr verständlich.
AntwortenLöschenDein Nachtrag aus Deinem aktuellen Post trifft alle Punkte, die ich eigentlich anmerken wollte - ich bin beeindruckt.
Halt, einen hab' ich doch noch: Man liest jetzt viel über "im neuen Jahr wird alles besser", "das alte Jahr kann man in die Tonne treten", usw. So glaube ich, erreicht man nichts und dieses Gedöns lese ich bei Dir auch nicht. Das gefällt mir.
Auf die Situation kommt es an und wie man damit umgeht und was man daraus macht. Vorsätze halte ich für Quatsch, lieber auf den Moment nach bestem Wissen und Gewissen fokusieren. Dann wird was draus. Glückauf!
Danke für das Kompliment! :-)
AntwortenLöschenAlso von dieser Einteilung in "vor Silvester und nach Silvester" halte ich nichts, weil ich eh kein Fan des Neujahrfeierns bin. Jeder Tag ist doch ein Erlebnis für sich, und wenn ich ein Problem habe, möchte ich das sofort ändern und nicht erst ab dem 1.1. Also, nicht DASS ich was ändern würde, ich bin ja eh die Inkonsequenz auf zwei Beinen. Aber wenn, dann gleich, sofort, jetzt und nicht erst ab Neujahr. Und ja, 2011 war schon alles in Allem ein bisschen bescheidener als andere Jahre, aber es gab auch gute Sachen, und so wird es auch 2012 sein. Und dann werde ich eher sagen: "Das war ne doofe Woche.", aber auf ein ganzes Jahr kann man das ja nicht runterbrechen, finde ich.
Weihnachten ist ja nun schon ein paar Tage her, aber ich möchte mich trotzdem noch dazu äußern: Das war ja ganz schön zermürbend für Dich. Zwar sind meine Eltern gänzlich anders (sie lieben die Weihnachtsidylle und ich kann mich weder über einen kleinen Plastikweihnachtsbaum noch über eine motzende Mutter beschweren), aber: Weihnachten ist definitiv nicht mehr das, was es mal war. Als Kind befand ich mich in einem solchen Geschenkerausch, es war herrlich!!! Heute sucht man sich die Geschenke größtenteils selber aus und ich musste mich doch tatsächlich mit einer einzigen kleinen Überraschung begnügen. Dabei reiße ich mir für die anderen sämtliche Beine aus, um ihnen eine Freude zu machen. Die Welt ist fies. Ich kann mich zwar ganz gut mitfreuen, aber so einen richtigen Freudentaumel könnte ich auch mal wieder gebrauchen! Zumal meine Situation ganz ähnlich wie Deine ist: arbeitslose Geisteswissenschaftlerin, die langsam, aber sicher den Mut verliert jemals einen vernünftigen Job zu finden. Ich finde Deinen Blog übrigens toll! Du ähnelst mir in vielem, doch Du bist dabei unterhaltsamer als ich.
AntwortenLöschenHallo anonyme Geisteswissenschaftlerin,
AntwortenLöschenauch wenn es irgendwie tröstlich ist, noch "Gleichgesinnte" zu finden, ist es schade, dass es dir genauso geht wie mir. Dabei sind wir Geisteswissenschaftler keinesfalls nutzlos für die tolle Gesellschaft, sondern haben sehr viel auf dem Kasten, nicht nur das Fachliche, das vielleicht in vielen Firmen einfach nicht nützlich scheint. Allein die social skills, die man mitbringt. Aber das will ja niemand wissen bzw. sehen. Ich drücke dir die Daumen, dass du bald was findest!
Bezüglich Geschenkerausch: Heutzutage kriegen die Kinder so derbe viele Sachen geschenkt, dass sie total überfordert sind. Bei meinem Neffen hielt es sich in Grenzen, er ist ja noch sehr klein und versteht das alles nicht so. Aber die 5jährige Nichte meines Freundes z. B. kriegt locker 20 Geschenke oder mehr an Weihnachten, und das wird dann auch noch so zelebriert, dass sie ALLE Geschenke verteilen darf, und wenn sie dann eins für sich in Händen hält, was im Schnitt bei jedem 0,5. Geschenk vorkommt, muss man erstmal zusehen, wie sie alles einzeln auspackt, bevor man sein eigenes erhält. Das ist sooo nervig! (Ich war dieses Jahr zum Glück nicht dabei.) Die beiden anderen Niffen, die nun schon im Teenageralter sind, freuen sich schon nicht mehr. Da wird ein Wunschzettel gemacht, die Familie kauft brav alles runter vom Zettel und das wird auch irgendwie erwartet. Die haben wirklich ALLES. Mein bester Freund hat erzählt, dass die Geschenke für seine beiden Nichten auf mehrere Tage verteilt werden, weil es sonst zu viel ist. Die Kids ertrinken doch regelrecht in Spielsachen und werden so Jahr für Jahr zu Geschenketerroristen erzogen. Mein Neffe hat auch viele Spielsachen, da 1. Enkel und so, da wird man halt verwöhnt. Aber wir haben festgestellt, dass er am liebsten mit den einfachen Dingen spielt, die man bei Oma im Küchenschrank findet (z. B. Töpfe). Seitdem bekommt er von mir keine Spielsachen mehr, sondern nützliche Dinge wie Kleidung oder Geld.
Das mit dem Ungleichgewicht beim Geben und Nehmen kenne ich auch. Ärgern tun mich Geschenke, wo man einfach sieht, dass der Schenker sich null Gedanken gemacht hat, was einem gefallen könnte. Wenn man mal daneben greift, aber man den guten Willen erkennt, ist das völlig in Ordnung! Aber bei manchen Leuten sieht man einfach, dsas sie sich keinen Deut darum scheren, ob man sich drüber freut, Hauptsache schnell was gekauft. Ich finde so etwas respektlos. Dann lieber gar nichts schenken. Ich habe jemanden im Freundeskreis, der mich seit fast 10 Jahren kennt und mir wirklich IMMER irgendeinen Scheiß schenkt, den ich gar nicht mag, so als beschenke er eine Fremde, obwohl ich sogar eine ausführliche Amazon-Wunschliste online stehen habe. Das ist zwar auch unromantisch, wenn man nach Vorgabe kauft, aber bevor ich doch irgendeinen Schrott auf gut blöd kaufe, tobe ich mich auf der Liste aus. V. a. wenn der Beschenkte sich die Sachen selbst nicht leisten kann/will mangels Verdienst und der Schenker im Geld schwimmt... Ich habe bei den meisten meiner Freunde die Schenkerei zu Weihnachten abgeschafft. Geschenketerror, das ist Weihnachten mittlerweile leider... Aber ich muss auch zugeben, dass ich dadurch kaum Geschenke zu Weihnachten kriege und da schon irgendwie was fehlt... (Ich bin wohl doch eine material bitch.) Ach, die guten alten Zeiten, wo das mit dem Schenken noch irgendwie maßvoller war.