Wieso, weshalb, warum?
Nun ja, weil ich Knete brauchte und die Leute suchten, ganz einfach. 70 € brutto/Tag für ca. 7h Arbeit. Kann man ja nicht meckern. Auch wenn ich mich öfters bei dem verbitterten Gedanken ertappte, dass das alles nicht wahr sein darf, dass ich als Akademikerin im siffigen Müll fremder Menschen herumwühlen muss, um rund 10 € die Stunde zu verdienen. Wieso Müll sortieren?
Weil man analysieren wollte, wieviel Müll Leute illegal in öffentlichen Mülleimern und -containern entsorgen.
Was für Müll war das so?
Müll aus öffentlichen Papierkörben und Containern - also wirklich ALLES, was die Leute so munter wegschmeißen. Dank des Regens doppelt so feucht wie sonst. Und dank des enormen Anteils an Biomüll war es eh schon extrem siffig.
Wie ging das so?
Vier Leute stehen um ein grobes Sieb, auf das kiloweise Müll geschippt wird. Der Anteil, der durchfällt, ist nicht der Rede wert... Um sie herum stehen ca. 25 Mülltonnen, von Pappe über Küchenabfall bis hin zur eigenen Tonne nur für (Hunde-)Kot. Und ja, die wurde ein paar Male voll!
Der Müll wird also grobmotorisch (dank dicker Handschuhe) in diese Mülltonnen aufgeteilt. Diese werden, wenn sie voll sind, gewogen und in einen leeren Container wieder ausgeschüttet und zusammengeworfen.
Wer war dabei?
Ich. Klar. Dann der junge Mann von der Analysier-Firma. Dazu noch zwei Studentinnen, die ebenfalls verzweifelt Kohle brauchten.
Wie war es so?
Och, ich muss sagen, das war sicherlich nicht der schlimmste Job, den ich mir vorstellen könnte. Klar, es ist schon unangenehm, in manchmal undefinierbare, versiffte, stinkende Dinge reinzugreifen. Noch schlimmer als den Gestank fand ich allerdings die Nutzung des Mundschutzes, in dem sich schnell Feuchtigkeit sammelte. Bäh, pfui Deifel, ich bin bei sowas echt empfindlich! Natürlich plagte mich auch noch eine fette Erkältung ab dem 2. Tag, so dass es unterm Mundschutz noch ekliger wurde und ich am Ende ohne weiterarbeitete. Hab ja eh fast nichts mehr gerochen...Die letzten zwei Tage kroch ich auf dem Zahnfleisch, aber wenn man länger nichts verdient hat, braucht man jeden Cent, also konnte ich einfach nicht aufgeben.
Würde ich es nochmal tun?
Och ja, na ja, mit ein paar Wochen Abstand würde ich es wohl ab und an als kleines Zubrot wieder tun. Aber wirklich angenehm ist es nicht, zumal man auch noch die vollen Tonnen ausschütten muss, was als 1,60 m kleiner Schwächling auch nicht so einfach ist.
Und sonst so?
Es ist wirklich schockierend, was die Leute alles wegwerfen. Wäre nicht alles versifft und mit undefinierbaren Flüssigkeiten verunreinigt gewesen, hätten wir tütenweise Zeug gerettet. Von unbeschädigtem Geschirr über Deko bis hin zu tütenweise verpackten, noch haltbaren Lebensmitteln. Den Deutschen geht's ganz eindeutig zu gut, aber das ist ja nichts Neues. Manchmal hätte ich echt heulen können, was wir alles (nochmal) wegschmeißen mussten.
Oje..das ist in der Tat kein angenehmer Job. Ich ziehe meinen Hut vor Dir dass Du soetwas machst! Kaum einer würde sich für 70 Euro solch einer Arbeit hergeben. Respekt !
AntwortenLöschenIch muss mich Rebellin anschließen: Ich finde es toll, dass Du Dir das "angetan" hast. Da können sich einige ein Scheibchen abschneiden. Hart verdientes, aber mit Stolz verdientes Geld.
AntwortenLöschenLG
Nun ja, der "in altem Müll wühlen"-Job ist ja thematisch von deinem richtigen Job nicht soooweit entfernt...
AntwortenLöschenJa, nein, jein. Ich bin eher Philologin...
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