Gestern telefonierte ich mit einer Freundin, deren Mutter Kunstlehrerin ist. Äh, war.
Wir redeten so über meine Jobsituation, über das Arbeiten an sich, und so kamen wir auch auf das Thema "Burn Out", das ja ein heikles, mittlerweile großes Thema in der Gesellschaft ist.
Meine Freundin so: "Na ja, meinst du nicht, dass die Leute auch mittlerweile das Thema total aufblasen und übertreiben?"
Ich so: "Du meinst, dass manche es ausnutzen, dass man so viel darüber redet, und nur so tun, als hätten sie Burn Out? Na ich weiß ja nicht..."
Daraufhin erzählte mir meine Freundin Folgendes:
Ihre Mutter ist Kunstlehrerin, arbeitet aber auch als freischaffende Künstlerin und hat auf ihre Broterwerbsarbeit eigentlich so überhaupt keinen Bock. Als sie hörte, dass eine Kollegin unter Burn Out leidet und deshalb aus dem Dienst schied, schwärmte sie herum, wie beneidenswert die Kollegin doch sei, dass sie nun frühzeitig in Pension gehen könne. Die viele Freizeit!
Kurze Zeit später ließ sie sich ebenfalls beurlauben mit der Diagnose "Burn Out". Seitdem ist sie frühzeitig in Pension, genießt ihr Leben und kann sich wieder ganz ihrer Existenz als Künstlerin widmen.
Und meine Freundin meinte, dass sie gar nicht daran gelitten hätte, sondern einfach ihren Beamtenstatus dazu ausgenutzt hätte, ihren verhassten Job an den Nagel zu hängen, ohne allzu große finanzielle Abschläge hinnehmen zu müssen.
Ich finde es eh schon schlimm, wenn Leute einfach so von der Arbeit fernbleiben, weil sie keinen Bock haben. Wenn sie dann eine Krankheit erfinden, die für wirklich Betroffene ganz schlimm ist, dann ist das makaber. Wenn sie dadurch aber auch noch frühzeitig in Pension gehen dürfen, dann ist das für alle hart arbeitenden Leute, die bis zur Rente durchackern, ein Schlag ins Gesicht! (Könnte allein schon kotzen, wenn ich sehe, was mein Vater nach 40 Jahren Schufterei als Hilfsarbeiter an Rente kriegt - reicht hinten und vorne nicht zum Leben und beträgt ca. 1/3 dessen, was Männchens Mutter als ehemalige Grundschullehrerin bekommt, die natürlich schon mit 63 in Pension ging, während mein Vater zwei Monate vor dem 65. mit Krebs umkippte und daraufhin gleich mal lebenslang 20 € weniger gesetztliche Rente im Monat bekam.)
Meine weiteren Vorbehalte haben mit meiner Öko-Schwägerin Claudi zu tun, ebenfalls verbeamtete Lehrerin. Aber dazu folgen dann separat ein paar Geschichtchen...
Mir fehlen die Worte. Aber das haben sie ja schon bei Deinem Kommentar in meinem Blog über Deine Schwägerin... ;)
AntwortenLöschenIch glaube auch, dass das Thema Burn-Out inzwischen inflationär genutzt wird. Schade für die Leute, die es wirklich haben. Irgendwann glaubt es ja keiner mehr.
LG
Dem kann ich mich nur anschließen. Inflationär. Und umso schlimmer für die, die es tatsächlich außer Gefecht setzt.
AntwortenLöschenWas mich allerdings an Burnout zunehmend irritiert: Die Diagnose löst im Umfeld Betroffenheit aus. Eine gesellschaftlich anerkannte Krankheit.
Aber wehe, ein Arbeitnehmer erkennt rechtzeitig seine Grenzen und tritt auf die Bremse. (Und ich spreche hier nicht von fehlendem Engagement oder einem krassen Mangel an Antriebskraft, nicht von Dienst nach Vorschrift und von "Das war schon immer so...".) Dann gilt er als schwach. Ich fänds gut, wenn ein gesundheitsbewusster Umgang mit sich selbst als Prävention gegen Burnout und andere Zusammenbrüche gesehen würde. Und nicht als Weiche aufs Abstellgleis.
Warum das Beamtentum noch nicht abgeschafft wurde, versteh ich übrigens nicht. Schließlich gibts in Schule und Verwaltung auch viele Menschen im Angestelltenverhältnis. Deutlich schlechter bezahlt und mit deutlich weniger Privilegien versehen, aber nicht weniger engagiert, im Gegenteil...
Liebe Grüße!
Christine
Das stimmt schon. Wenn man sich nicht völlig bis zum Anschlag verausgabt für den Job, ist man kein guter Arbeitnehmer. Irgendwie wird regelrecht erwartet, dass man sich reinkniet, bis man umfällt. Dann kann man sich ja immer noch als Burn Out-Betroffener krankschreiben lassen. Und findet vermutlich kaum bis gar nicht mehr in den Beruf zurück, wenn man läknger ausgefallen ist. Aber das macht ja nichts, denn der (ehemalige) Arbeitgeber hat dich bis dahin eh schon durch einen Anderen ersetzt...
AntwortenLöschenDas mit den Beamten verstehe ich auch nicht. Ich bin ja ungern so voller Vorurteile, aber viele Beamte, ob aufm Amt oder in der Schule, lehnen sich ganz schön auf ihrem Status aus. Und dafür kassieren sie ein nicht schlechtes Gehalt und diverse Vorteile gegenüber Nicht-Beamten. Zum Kotzen...