8. Februar 2011

Mangelnde Begeisterung

Ich möchte vorab kurz anmerken, dass ich eigentlich per se nicht kinderfeindlich bin. Aber meine Schmerzensgrenze zur Kinderfeindlichkeit ist manchmal schnell überschritten.

Vor einiger Zeit besuchte ich eine Freundin, die mit Mann und zwei kleinen Kindern mehrere hundert Kilometer weit weg wohnt, weshalb ich sie vielleicht 1-2x im Jahr sehe - wenn's hochkommt. Was aber auch nicht so tragisch ist angesichts der Tatsache, dass ich ihren Mann total scheiße finde, und der leider bei jedem Treffen dabei ist. Dann muss ich mir von ihm immer Vorwürfe anhören wie: "Wie lange willst du eigentlich noch mit Kinderkriegen warten?" oder "Bald bist du zu alt!", und das mag ich nicht. Denn 1. bin ich noch nichtmal 30 und durchaus der Meinung, der Kinderzug ist noch nicht abgefahren, und 2. krieg ich jedesmal wieder Angst vor Kindern, wenn ich ein paar Stunden mit seiner Tochter verbracht habe, die es schafft, 2 Stunden nonstop am Spieß zu kreischen, wenn ihr was nicht passt. Wenn das passiert, revidiert er plötzlich seine Meinung und ruft: "Schaff dir bloß keine Kinder an!" Ja was denn nu???

Außerdem würde ich meinen Kindern später auch gerne mal was bieten können, ich bin eben eher der vorausschauende, planende Typ. Da gibt's ja so vieles zu bedenken. Anfangs mag ja der Hartz IV-Satz für Windeln und Babybrei reichen, ein Baby braucht ja nicht sooo viel. Aber irgendwann kommen dann die kleinen, später die großen Wünsche dazu. Und wer will schon immer ein enttäuschtes Kindergesicht vor sich sehen müssen? Kurz und gut: Ein bisschen fest im Leben stehen sollte man einfach, wenn man sich für Kinder entscheidet, denn die können nicht von Luft und Liebe leben.

Deshalb fand ich den Plan meiner Freundin, sich noch während des Studiums einen Ex-Knasti zu schnappen, das 1. Unfall-Baby kommentarlos abzutreiben, weil der Kerl ja eh nichts taugt, um dann 1,5 Jahre später doch mit dem gleichen Typen mit Wunschbaby und Hochzeit aufzuwarten, irgendwie misslungen. Frei nach dem Motto: "Jetzt bin ich schon Mitte 20, jetzt krieg ich eh nix Besseres mehr." Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich den Kerl scheiße finde? Das liegt nicht daran, dass er ein Ex-Knasti (Nein, zum Glück nur irgendwas mit Rechnungen nicht bezahlt, keine Gewaltsachen!) und total ungebildet ist. Ich muss mich ja nicht nur mit Akademikern abgeben. Das Schlimme ist nur, dass er so tut, als hätte er die Weisheit mit Löffeln gefressen und auch keine Sekunde mal die Klappe halten kann, um diese Weisheiten von sich zu geben. Und sowas finde ich immer furchtbar, egal welchen tatsächlichen Bildungsstatus ein solcher Mensch besitzt. Für seine Familie kann er auch nicht wirklich sorgen, so ohne richtigen Job. Deshalb geht die Frau arbeiten, während er sich bei den Kindern mit kostenpflichtigen Aktionen einschmeichelt, so dass das Geld jeden Monat mal wieder mehr als knapp ist. Und wenn dann mal was ist, ist aber er der Big Boss, unabhängig davon, wer die Brötchen verdient. Wenn die Kids sich vor anderen Leuten nicht benehmen, wird kurzerhand die Frau vor allen Leuten zusammengeschissen, die - wie er einfach mal entschieden hat - an dem Gekreische schuld sein muss.

Gut, meine Freundin ist ein bequemer Mensch, sie mag keine Veränderungen. Und mit 2 Kindern trennt man sich nicht so leicht. Aber meiner Meinung nach könnte sie ein angenehmeres Leben ohne diesen - Pardon, ich sach dat mal so: - Loser führen. Soll sie ihn doch einfach aus dem Haus ihrer Eltern, in dem sie mietfrei leben, rausschmeißen!

Was ich eigentlich ursprünglich erzählen wollte: Als ich dann neulich mal zu Besuch war, wurde mir ganz stolz ein Video von dem Töchterchen gezeigt. Das ist nämlich mit bereits 1,5 Jahren schon Mitglied der örtlichen Garde. Man hatte ihren 1. Auftritt gefilmt, und der sah so aus: Die Garde tanzte sich den Arsch ab, und ganz zum Schluss kam als Höhepunkt das vermutlich jüngste Mitglied auf die Bühne gerannt und sollte auf dem Abschlussbild mitposieren. Nur kam das Töchterchen angerannt und flog direkt auf die Schnauze. Sah danach belämmert aus, heulte los, und ein Gardemädel nahm sie auf den Arm und winkte fröhlich.

Ich gebe es zu: Ich hätte am liebsten laut losgelacht, als ich das Video sah. Ich versuchte, es mir zu verkneifen, denn das Kind war im gleichen Raum wie ich, aber es war einfach zu ulkig. Das war ja ein toller Auftritt! Ich meine, von nem Kleinkind, das gerade laufen gelernt hat, erwarte ich keinen Spagat oder sonstwas, aber dass es wenigstens bei seinem spektakulären Auftritt auf die Bühne läuft, ohne sich lang zu machen, ist das Minimum meiner Erwartungen. Dementsprechend hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Zum Glück konnte meine Freundin das verstehen, die - Gott sei gepriesen! - selbst kein absolutes Muttertier ist. Ich bilde mir sogar ein, dass sie sich selbst ein Kichern verkniff, denn das Töchterchen war anwesend und sichtlich stolz auf seine Leistung.

Na ja, jedenfalls gibt es ein paar Familienrollenmodelle in meinem Leben, die ich mir nur intensiver betrachten muss, falls ich mal zu einem ungünstigen Zeitpunkt einen Kinderwunsch verspüre. (Siehe letzter Beitrag...)

2 Kommentare:

  1. Tja. Hm. Wo die Liebe draufkracht...
    Schlag Deiner Freundin vor, das Video bei "Ups-Die Pannenshow" einzureichen. Da kann sie sich ein kleines Taschengeld mit verdienen.

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  2. PS: In der Regel findet man seine eigenen Kinder immer viel besser & interessanter, als Fremdblagen. Nur weil sich Dein Interesse an Fremdblagen in Maßen hält, würde ich aber daraus nicht automatisch auf "noch nicht reif für ein Kind sein" schließen.

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