13. Februar 2011

Selbstlos oder "Time is money"?

Diese Woche war in punkto Gesundheitswesen für mich etwas verwirrend. In positiver Hinsicht. Aber zuerst einmal die ermüdende Vorgeschichte:

Da heißt es immer, die Ärzte wären so gierig und holten aus den Patienten geldtechnisch immer das Letzte raus. Da ich meist nur Leistungen in Anspruch nehmen muss, die von meiner Krankenkasse gezahlt werden, und ich somit "nur" die obligatorischen 10 € abdrücken muss, kann ich dazu ja eigentlich nix sagen. Nur bei meinem Freund, der bis vor nem halben Jahr noch privat versichert war, hab ich mitgekriegt, dass viele Ärzte oft noch zusätzliche Leistungen miteinfließen lassen, ohne den Patienten vorher zu fragen. Z. B. hat sein Zahnarzt noch ne Speziallupenbrille (oder wie auch immer das heißt) zum Reingucken aufgesetzt und dafür gleich nochmal 30 € abkassiert. Das geht natürlich nur bei Privatpatienten.

Nun musste ich mich nach vielen vielen Jahren erfolgreicher Zahnpflege doch noch auf den Folterstuhl des Dr. Mabuse setzen, weil ich Karies hatte. :-( Ich hatte für die Behandlung den Zahnarzt gewechselt, weil ich bei meinem alten, dem ich Zeit meines Lebens die Treue gehalten hatte, so mit zunehmendem Alter und zunehmender Weisheit, wenn man eben anfängt, auch mal was zu hinterfragen, den Eindruck hatte, dass er lieber Schäden repariert, als sich um Prophylaxe zu kümmern. So hieß es all die Jahre immer nur bei der Vorsorgeuntersuchung: "Alles in Ordnung, Sie können wieder aufstehen." Erst nach Bitte meinerseits, wenn überhaupt, wurde mir mal Zahnstein entfernt. Gut, angeblich hatte ich meist nie Zahnstein, aber trotzdem. Auch auf meine Nachfrage nach der kostenpflichtigen Zahnreinigung, die ihm ja immerhin ein paar Euro in den Geldbeutel gespült hätte, wurde immer nur geantwortet, dass das nicht nötig sei. Bis dato rühmte ich mich also selbst mit einer scheinbar tadellosen Mundhygiene. Und als ich im Dezember siegessicher auf den Untersuchungsstuhl hüpfte, war ich zutiefst schockiert, dass ich ein Loch hatte. Zwar nur ein kleines, da reichte laut ZA ein Termin in 1-2 Monaten. Aber hey, ein Loch!!! Wer will das schon? :-(

Jedenfalls machte ich den ZA persönlich für das Loch verantwortlich. Was natürlich Quatsch ist, weil ich ja selbst für meine Zahnpflege verantwortlich bin. Aber es verstärkte einfach mein Gefühl, dass diesem ZA die Prophylaxe total wurscht ist. Also ging ich zu einem anderen ZA, zum 1. Mal in meinem Leben!

Und der fand - oh Schreck! - noch ein 2. kleines Loch an einer völlig anderen Stelle! Ich dachte, ich spinne! Als ich mich über meinen alten ZA ereiferte, meinte er, das Loch sei sehr schwer zu sehen und könne leicht übersehen werden, da kann man dem ZA keinen Vorwurf machen. Ja, ich weiß, eine Krähe und so...

Eine Woche später saß ich also auf dem Folterstuhl. Selbstredend ließ ich mir eine Betäubungsspritze geben, und da darf jetzt jeder "Weichei!" rufen, so viel er will, ich steh dazu: Ich hatte Angst, dass es weh tut, und wenn ich dem mit einem kleinen Piekser aus dem Weg gehen kann, dann tue ich das, so!!!

Nun, nachdem der ZA das 1. Loch aufgebohrt hatte, meinte er, oh oh, der Nachbarzahn hat leider auch schon Karies abbekommen. Ja wie - ein 3. Loch?! Ich fiel aus allen Wolken. Da hab ich seit meiner Kindheit kein einziges Loch mehr gehabt, und dann gleich 3 auf einmal?! Wenn ich was mache, dann richtig, was?... Ich kam mir vor wie ne Assibraut, die sich nur 1x pro Woche die Zähne putzt. Mann, war das frustrierend!

Aber kommen wir doch nun zum eigentlich Teil der Geschichte, dem meine Überschrift gewidmet ist. (Mit dem Kurzfassen hab ich's leider nicht so, wie ihr bereits gemerkt haben werdet.)

Ich hatte mich für die kostenpflichtige Variante der Zahnfüllung entschlossen, weil wenn dann richtig, und die billige Zementfüllung von der Krankenkasse, die mein ZA mit "Ich will jetzt nicht sagen, dass es Schrott ist, aber... na ja..." umschrieb, wollte ich nicht. Das bedeutete aber eine stolze Rechnung i.H.v. 150 €. Für mich als gerade Kaum-Verdienerin sauviel Geld. Als ich so mit betäubter Fresse auf dem Stuhl saß und mir dachte "Scheiße, 3 Löcher!!!", stellte mich der ZA vor die Wahl. Ich könne das 3. Loch entweder gleich mitbohren lassen, oder ich warte mal ab, wie es sich entwickelt. Letzteres wäre aber riskant und er würde mir nicht dazu raten. Mir fiel dazu nur Folgendes ein: "Das wären ja nochmal 75 € mehr, oder?!" Der ZA nickte. Also fing ich an zu überlegen. Ich meinte, das sei mehr, als ich momentan im Monat verdienen würde, ich weiß ja nicht, damit hatte ich nicht gerechnet... Entweder hatte der ZA wirklich Mitleid mit mir armer Assibraut oder er dachte sich: "Jetzt mach hinne, Alte, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit!". Jedenfalls sagte er zu mir: "Wissen Sie was? Ich bohr das Loch jetzt mit und berechne es Ihnen nicht. Ich hätte einfach ein schlechtes Gewissen, wenn ich das offen ließe, und jetzt sind Sie ja schonmal da." Das fand ich irre nett und die Rechnung blieb tatsächlich bei 150 €. Mein ZA hatte mir somit 75 € geschenkt. Und ich weiß, er wird daran nicht zu Grunde gehen und mich am Montag in der Fußgängerzone um nen Euro anbetteln, weil ihn diese selbstlose Tat in den Ruin getrieben hat. Aber ich finde es trotzdem sehr nett von ihm. Auch wenn Ärzte meiner Meinung nach eh eigentlich ihren hypokratischen Eid an 1. Stelle setzen und nicht auf den Geldbeutel schielen sollten.

Das Erstaunliche aber ist, dass meinem Freund gestern etwas Ähnliches passierte. Er fand eine beunruhigende Farbveränderung auf seiner Haut und machte sich Sorgen. Deshalb versuchte er, einen Hautarzt zu finden, der auch samstags Sprechstunde hatte. Was in dieser bayerischen Schnarchnasenstadt ein Ding der Unmöglichkeit ist. Aber ein Arzt war so doof und ging ans Telefon. :-D Eigentlich hatte der samstags nur vorab ausgemachte Termine, aber er schob meinen Freund zwischenrein. Der Arzt hatte keine Sprechstundenhilfen da und machte alles selbst, also auch den ganzen Papierkram, was ihn sichtlich überforderte. Die Verfärbung war übrigens harmlos, aber mein Freund ließ sich die Stelle dann doch rausschneiden, sicher war sicher und das Ding störte ihn eh schon lange. Die Entfernung kostet gesetzlich Versicherte eigentlich 20 €. Aber da der Arzt keine Lust hatte herauszufinden, wie man eine Rechnung am Computer erstellt, sagte er zu meinem Freund, er schenke ihm die Behandlung. Das fand dieser natürlich sehr nett. Aber so im Nachhinein denke ich mir, wenn ein Arzt erstmal 15 Min. am PC rumfummelt und versucht, ein Dokument zu erstellen, hätte er in der Zeit vermutlich auch eigentlich 20 € oder mehr verdienen können, statt sich mit solch niederer Arbeit rumzuärgern.

Aber uns ist das egal. Da haben wir uns also insgesamt 95 € gespart. Na ja, so kann man das auch nicht sehen, weil ich vor lauter Geiz und so vermutlich den 3. Zahn erstmal unbehandelt gelassen hätte...

Aber da soll doch nochmal einer sagen, dass Ärzte gierig seien! Sowas darf mir ruhig öfter passieren, und solchen Ärzten bleibe ich - vorausgesetzt natürlich, die Leute taugen auch fachlich was - "gerne" als Patient erhalten! Wie wär's mit ner tollen Werbeaktion à la: "Die ersten 500 Patienten kriegen die Praxisgebühr erlassen!"?

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