4. Februar 2011

Wir sind die Summe unserer Entscheidungen


Keine Sorge, ich werde hier nicht groß herumphilosophieren, denn ich bin völlig unfähig zu philosophieren. Das Einzige, was ich kann, ist durch die Gegend zu schwafeln und zu versuchen, meine wirren Gedanken irgendwie niederzuschreiben und damit unachtsame Blogleser, die nicht schnell genug weiterklicken, zu belästigen.

Ich gucke gerade eine Folge der Serie „Being Erica“. Die läuft seit Kurzem immer donnerstagabends auf sixx, dem Frauensender, den ich hier verdammt nochmal nicht empfangen kann, was mich nervt, denn ich bin eine Frau und habe das Recht, diese ganzen Weibersachen anzugucken! *schmoll*

Jedenfalls, für die Leute, die diese Serie nicht kennen, mal so grob umrissen: Es geht um eine junge Frau, bei der so ziemlich alles gerade im Leben schief geht. Sie verliert ihren Job, hat kein Liebesleben, ihr Studium war für die Katz und sie hat das Gefühl, das alles liegt daran, dass sie in ihrem Leben mehrere Fehlentscheidungen getroffen hat. Sie trifft auf einen verrückten Psychopathen, äh, -logen namens Dr. Tom, der sie bittet, die 10 Entscheidungen aufzuschreiben, die sie am meisten bereut. Und in jeder Folge erhält sie die Chance, in die Vergangenheit zu reisen und sich anders zu entscheiden.

Na ja, ich bin gerade bei Folge 3, und ich sehe schon, die Message der Serie soll wohl lauten: „Egal wie du dich entscheidest, alles hat seine Vor- und Nachteile.“ von wegen, es bringt nichts, angeblichen Fehlentscheidungen hinterherzutrauern und blablabla.  

Allerdings hat es mich nachdenklich gemacht. Ich hab genau wie die Protagonistin das Gefühl, in meinem Leben so ziemlich alles falsch gemacht, falsch entschieden zu haben. Momentan würde ich ohne zu zögern wichtige Wege, die ich in meinem Leben - v. a. in beruflicher Hinsicht – beschritten hatte, nicht noch einmal gehen, sondern andere einschlagen, egal, wohin sie mich führen, frei nach dem Motto „Es kann nicht schlimmer kommen wie jetzt.“

Ich weiß schon gar nicht mehr, wie lange es her ist, seit ich das letzte Mal richtig glücklich war. Ich meine, RICHTIG glücklich, happy, voller Freude, einfach nur extrem zufrieden. Das muss in meiner Kindheit gewesen sein, als die Welt noch nicht so böse-blöd war und ich jegliche Verantwortung auf meine Erziehungsberechtigten abschieben konnte. Je mehr der Mensch weiß, desto weniger kann er glücklich werden. Das ist zumindest meine Meinung. Man erkennt, wie doof die Welt und die Menschheit sind, und das trübt die Lebensfreude dann doch ab und an enorm. Gerade in den letzten Jahren habe ich mich öfter dabei ertappt, wie ich mich danach gesehnt habe, einfach wieder bei meinen Eltern im Garten zu sitzen und ein schönes Buch zu lesen, und meine größte Sorge ist die anstehende Matheklausur.

Und dann frage ich mich, was würde eigentlich passieren, wenn all meine Wünsche und Erwartungen in Erfüllung gingen? Wenn ich nichts, aber auch rein gar nichts bereuen würde in meinem Leben? Wäre ich dann wirklich richtig glücklich, oder würde ich mir einfach andere Träume suchen, die nahezu unerreichbar für mich wären? Kann man richtig glücklich sein oder muss es sogar so sein, dass man sich immer nach etwas sehnt, weil es sonst viel zu langweilig wird im Leben und man sich keine Mühe mehr gibt?


Gibt’s hier jemanden, der wirklich, so ganz echt komplett zufrieden und glücklich ist mit seinem Leben? Dann sagt mir bitte, wie man solch einen Zustand der Glückseligkeit erreichen kann! Aber bitte keine Phrasen wie „sich selbst und seine Schwächen akzeptieren“, „die eigenen Erwartungen runterschrauben“ (Ich will verdammt nochmal kein Superrockstar werden, sondern einfach nur ein normales, befriedigendes Leben führen.) oder „sich Leute angucken, denen es viel schlimmer geht als einem selbst“. Diese abgedroschenen Sachen hab ich schon ausprobiert, und es hat leider nichts geholfen. Wenn ich mit Menschen konfrontiert werde, die von unendlichem Leid heimgesucht wurden, dann funktioniert das ungefähr 2 Tage mit dem „Oh, mir geht’s ja so gut!“-Denken. Wenn sich ein Problem auftut, ich traurig oder verärgert bin, denke ich mir dann: „Das hier ist KEIN Genozid!“, und ich nehme es etwas lockerer. Aber schon wenige Tage später finde ich die Welt noch eine Spur kotziger, weil ich mich über die Ungerechtigkeiten, die solchen Menschen widerfahren sind, aufrege, da diese ja in der Regel von anderen Menschen verursacht wurden. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Ein alter Freund hat mich mal als „ständig malkontente Hera“ bezeichnet, und vermutlich hatte er Recht. Ich glaube, ich kann gar nicht glücklich sein, weil das nicht in meiner Natur liegt. Das ist natürlich etwas blöd. Warum stehe ich mir immer selbst im Weg?!

2 Kommentare:

  1. Hm... wenn ich ganz ehrlich bin, so denke ich daß es niemaden (!) gibt, der aufrichtig und ernsthaft sagen kann, daß er absolut glücklich ist, keine seiner Entscheidungen bereut.
    Ich persönlich glaube, daß jeder von uns tief in seinem Inneren mit irgendetwas unzufrieden ist.
    Es gibt natürlich die Menschen, die diese Unzufriedenheit gut verbergen - und sich vielleicht auch gar nicht gestatten sie sich selbst einzugestehen. Aber früher oder später trifft der Selbstzweifel auch diese Menschen - und dann mit Vorschlaghammereffekt.

    Ich glaube auch, daß man wirklich nur versuchen kann, sie mit seiner aktuellen Situation irgendwie zu arrangieren. Gut, man kann dann beschließen diese Situation zu verändern (irgendwie) - oder sie so hinnehmen... aber die Frage ob nicht alles anders oder vielleicht sogar besser geworden wäre, wenn man diese oder jene Entscheidung anders getroffen hätte... ich denke, die stellen wir uns alle (irgendwann).

    Trotzdem oder besonders darum wünsche ich dir ein schönes Wochenende.
    Und wenn du doch jemanden auftreiben kannst, der rundherum glücklich und zufrieden ist... dann sage mir bitte bescheid - denn von diesem Glückskind würde ich auch gerne lernen.

    Liebe Grüße
    Rea

    AntwortenLöschen
  2. ich bereue nichts, ihr pfeifen !

    AntwortenLöschen