15. Januar 2012

Kennt ihr das?

Wenn vor euch eine Aufgabe liegt, auf die ihr keine Lust habt, weil ihr glaubt, sie überfordert euch, oder dass ihr dafür nicht fit, nicht wach genug seid? Eine Prüfung z. B. Oder ein anstrengender Termin. Oder ein Vortrag. Oder oder oder.

Und dann bringt ihr das Ganze - mal wieder - doch ganz automatisch hinter euch, vielleicht sogar richtig gut und mit Elan. Und danach verfallt ihr wieder in Lethargie und wundert euch, wie ihr das jemals geschafft habt.

Und das Ganze geht beim nächsten Mal wieder von vorne los. Mir geht das momentan bei vielen Dingen so. Eigentlich immer dann, wenn ich das Haus verlassen und mich bei irgendetwas aktiv beteiligen muss. Und gerade ist wieder so ein Moment, verstärkt dadurch, dass man diesmal nicht nur körperliche Präsenz, sondern fachliche Kompetenz von mir erwartet.

Ich führe momentan in unserem kleinen Unimuseum durch eine Sonderausstellung. Vor wenigen Monaten hatte ich meine 1. Führung, und ich war damals megaaufgeregt. Vor - oft kritischen - Menschen reden, so tun, als sei man fachlich kompetent, und das, wo man das Selbstbewusstsein eines... ich weiß gar nicht, welcher Gegenstand SO wenig Selbstwertgefühl hat wie ich...

Doch die Führung und alle weiteren Führungen liefen richtig gut und entgegen meiner Vermutung fiel mir auf: "Hey, das macht mir Spaß und ich kann das echt gut!" (Und ich neige echt nicht zu Selbstlob!)

In 45 Minuten habe ich eine Führung, seit Wochen mal wieder. Und ich denke mir: "Oh Gott, ich bin so müde. Oh Gott, ich hab alles vergessen. Oh Gott, wie kriege ich den Einstieg hin, der ist immer so schwierig? Mann, ich bin froh, wenn die Ausstellung vorbei ist und ich nicht mehr führen kann. Oh Gott oh Gott oh Gott." Und wer weiß, vielleicht wird's diesmal wirklich katastrophal, aber eigentlich denke ich mir, dass ich diese Stunde auch wieder flott und kompetent irgendwie rumkriege und danach darüber schmunzle, dass ich mir solche Sorgen gemacht habe. Und dann direkt im Anschluss werde ich wieder übelst phlegmatisch und hab keinen Plan, wie ich das schon wieder geschafft habe.

Mann, bin ich müde, ich würde jetzt echt lieber auf der Couch gammeln und ein Buch lesen, als irgendwelchen Leuten was pädagogisch Wertvolles einzuhämmern...

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UPDATE:

Ich hatte ja echt gehofft, es kommt einfach keiner, aber dann waren es 24 Leute, was echt viel ist (Im Schnitt kommen 10 Leute.). Ich hab auch diesmal Sachen vergessen, und ich war auch keine Quelle der Eloquenz, aber den Leuten hat's gefallen und man hat mich danach noch gelöchert mit Fragen und alle waren happy, also lief's doch wieder ganz gut. Und jetzt denke ich mir wieder: "Oh Gott, in 2 Wochen schon wieder." und werde davor vermutlich auch wieder das Gefühl haben, ich krieg's nicht hin.

5 Kommentare:

  1. Aloha!

    Das kenne ich gut. Gerade eben hab ich mich erst wieder extrem aufraffen müssen, meine Steuererklärung zu machen. Wie jedes Jahr. Nur bin ich dieses Jahr echt früh dran (dank ALDI, tolles Steuerprogramm - leider weiss ich jetzt auch schon wie wenig ich zurückbekommen werde).
    Jetzt bin ich froh es hinter mir zu haben. Aber auch sicher, im nächsten Jahr fühle ich mich vorher wieder überfordert. Auch wenn ich mir (mal wieder) vorgenommen habe, dieses Mal alle relevanten Belege SOFORT in eine gesonderte Ablage zu packen.

    Es geht mir aber auch jedes Mal im Büro so, wenn ich ein Projekt bekomme, dass ich in der Form noch nicht kenne. Vorher immer "das schaff ich nie". Hinterher "hat doch ganz gut geklappt".

    Ich bin sicher, Du wirst nach Deiner Führung das gleiche "Hinterher-Gefühl" haben!

    Also: auf mehr Selbstwertgefühl - weil es angebracht ist!

    In diesem Sinne, sonnige Grüße

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  2. Vielleicht kommst du (du okay?) gerade deshalb besonders gut an bei deinem Publikum: weil du MENSCH bist! mit allen Stärken und Schwächen. - Weiter so!

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  3. Mensch Kopf hoch....wenn Du nur halb so nett Deine Führungen machst wie Du hier Deinen Blog schreibst dann ist es sicher interessant und macht den Leuten Spaß :) Und vertrau Dir selber mehr ! Du hast es ja schließlich schonmal gemacht und WEISST das Du es kannst :) Und wenn man was daneben gehen sollte...Shith happens...das ist menschlich. Solange DU dabei menschlich bleibst ist doch alles ok :) Muss mich meinem Vorredner hier mal absolut anschliesen :)

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  4. Danke für eure netten Worte.
    Ja, vielleicht kommt es wirklich gut an, wenn man frei nach Schnauze parliert, sich auch mal verhaspelt, vom 100.e ins 1000.e kommt, was nicht weiß und das offen zugibt,... :-D
    Ich wurde erst kürzlich durch ein Schloss geführt, da hat die Dame in auswendig gelerntem Hochdeutsch allerlei Daten monoton runtergeleiert, das war irgendwann anstrengend und langweilig. Wenn wir dann mal ein paar Schritte zum nächsten Zimmer gingen und sie dazwischen einfach so frei nach Schnauze und mit Dialekt anfing zu reden, war das viel netter und interessanter. Ich benutze in meiner Führung, obwohl sie nicht weniger mit Geschichte zu tun haben könnte, keine Datierungen, da die Schall und Rauch sind. Vermisst auch tatsächlich keiner.

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  5. @mkh: Ach ja, "du" ist völlig ok! Wir sind doch noch jung und schön! ;-)

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