Mann mann mann, ich müsste so vieles tun, so viele Dinge erledigen, und doch sitze ich auf der Couch, gucke "Drop Dead Diva" (Eine übergewichtige Protagonistin, yes!) und bin bei dem Gedanken daran, was ich noch alles erledigen müsste, kurz vorm Losheulen. Ich bin müde und erschöpft, und das, obwohl ich an den meisten Tagen in der Woche ausschlafen kann. Sprich: Ein wirklicher Schlafmangel liegt eigentlich gar nicht vor.
Ich bin ja seit März mit meinem Studium fertig und seitdem weder Fisch noch Fleisch. Ein ewige Jobblerin, die sich alibimäßig als Doktorandin eingeschrieben hat, um noch den günstigeren Krankenkassensatz abdrücken zu dürfen, die sich die Zeit mit lauter Seminaren zuschüttet, um den Verstand am Laufen zu halten. Ich lerne Italienisch, Neugriechisch, Arabisch, belege PC-Kurse, arbeite an einer Ausstellung mit, und das alles nur, um das Gefühl zu haben, irgendwas Sinnvolles mit meiner Zeit anzufangen - und um einen Punkt mehr auf dem Lebenlauf zu haben.
Aber ich fühle mich so erschöpft, es ist irgendwie aufreibend, wenn man nicht weiß, woran man ist und wann endlich mal die Zukunft gesichert ist. Ich hätte doch wenigstens mal für ein halbes oder sogar ganzes Jahr die Sorge weg, ob ich die monatlich anfallenden Kosten bestreiten kann. Mein Männchen kann natürlich im Notfall auch mal was mitzahlen, aber will ich denn bitte auf ewig abhängig sein von meinem Freund? Und wenn der mich mal verlässt, was dann? Und der soll doch mit seinem hart verdienten Geld was Schönes kaufen und nicht seiner dämlichen Freundin den Rücken freihalten. Nein, abhängig will ich nicht sein, von niemandem! Und ich will auch nicht mehr das Gefühl haben, all die Jahre des Studierens und Lernens und Malochens verschwendet zu haben.
Nun, immerhin liege ich nicht dem Staat bzw. dem Steuerzahler auf der Tasche. Für den besseren Überblick - ich habe momentan 2,5 Jobs.
1. Einen Hiwijob, den ich schon als Studentin am Institut hatte, und der nach meinem Abschluss in einen Nebenjob umgewandelt wurde. Nach Abzug der Sozialabgaben ein Stundenlohn von ca. 7,30 €. Und dafür studiert man dann. Aber ich bin ja froh, dass ich den Job überhaupt habe. Ist nicht anstrengend, kann größtenteils daheim erledigt werden, wird nicht kontrolliert bezüglich Stunden, und momentan wurde er sogar auf halbtags hochgestockt, so dass ich sogar meinem Freund einen Teil der Miete geben kann, was mir ein bisschen das Gefühl von Selbstständigkeit gibt.
2. Einen kleinen Bürojob bei einer Privatperson. Nix Großes, vielleicht so 5h pro Woche.
3. Einen winzigen Minijob bei meinem krankhaft geizigen Psychologen-Kumpel. Ich darf Hypnosesitzungen abtippen, allerdings max. für 80 € pro Monat, mehr kann er sich nicht leisten, da er gerade ein Grundstück gekauft hat, ein protziges Haus baut und in einem Jahr dann Pferde anschaffen will...
Kratzt man diese 2,5 Jobs zusammen, habe ich gerade so viel Geld, dass ich wie gesagt anteilig Miete zahlen kann und sogar ab und an 100 oder gar 200 € im Monat überhabe. Die natürlich sofort im Folgemonat von irgendwelchen notwendigen Sonderausgaben aufgefressen werden. Aber immerhin kann ich mich natürlich im Vergleich zu anderen Arbeitssuchenden überhaupt nicht beklagen.
Nur reibt mich diese Situation einfach auf. Bei Job Nr. 1, der ja momentan meinen Lebensunterhalt sichert, kriege ich immer nur einen Vertrag für 2 oder 3 Monate und erfahre immer erst 2 Wochen vor Ablauf des Vertrages, ob ich weiterhin beschäftigt werde. Dieses Situation ist auf Dauer unerträglich!
Natürlich bewerbe ich mich, aber obwohl ich mich wirklich nur auf Stellen bewerbe, für die ich auch ausreichend qualifiziert bin, wurde ich zu keinem einzigen Vorstellungsgespräch eingeladen. FALLS man mir überhaupt mal was geschickt hat, dann waren es Absagen. Und selbst darüber darf ich mich noch freuen, denn bei manchen Stellen kriegt man selbst 3 Monate nach dem Datum, zu dem die Stelle besetzt werden sollte, noch immer keine Nachricht. Ich habe diese Stellen angemailt und natürlich bislang keine Reaktion erhalten. Ja, ich weiß, wenn man's wirklich wissen will, sollte man doch besser anrufen, denn Mails kann man ignorieren. Aber ehrlich gesagt hab ich nichtmal darauf Bock, denen hinterherzutelefonieren, da es ja eh klar ist, dass die Stellen schon vergeben sind. Ich habe schon so eine richtige LmaA-Einstellung, wenn ich eine Bewerbung abgeschickt habe. Dann meldet euch oder lasst es sein, mir egal! Nur schade, dass ich zu 90% Firmen erwische, die tatsächlich noch auf einer klassischen Bewerbung per Post bestehen. Und wieder ein paar Euro mehr zum Fenster rausgeworfen für Bewerbungsmappen, Zeugniskopien, Bewerbungsfotos,... Und das Geilste überhaupt ist: Bewerbe ich mich - was recht selten ist, da kaum Stellen für Nicht-Doktoren - in meinem Fachbereich, bin ich unterqualifiziert. Klar, ich hab ja noch keine Arbeitserfahrung, die ich nicht kriege, weil ich keinen Job finde, weil ich keine Erfahrung habe, die ich nicht kriege, weil... na ihr wisst schon! Bewerbe ich mich auf andere Stellen, bin ich idR überqualifiziert, weil ich ja Akademikerin bin. Nur von "überqualifiziert" kann ich mir leider nichts kaufen, nee.
Abgesehen davon also, dass ich auf Grund dieses schwarzen Loches, das sich meine Zukunft nennt, gerade eh leicht angespannt bin, wird man als Bewerber auch noch wie der letzte Dreck behandelt, was nicht zur allgemeinen Aufmunterung beiträgt. Und ja, ich weiß, bei 2,5 Jobs, die mir immerhin zum Leben reichen, darf ich doch nicht meckern. Aber manchmal habe ich diese Tage, da mag ich echt nicht mehr. Und dann gibt es diese Schlaumeier, die so tun, als sei es nahezu unglaublich, dass man nichts findet mit einem Studienabschluss UND einer kaufmännischen Berufsausbildung. Dann kommen die ganz tollen Tipps:
"Bewirb dich doch auch mal woanders als hier in der Stadt." --> Ich bewerbe mich sogar in arabischen Ländern, in denen gerade lustig Revolution abgeht, also den Vorwurf der mangelnden Flexiblität kann mir niemand machen!
oder
"Schreib doch Initiativbewerbungen." --> Schlaumeier, klar, und die Firmen freuen sich total auf meine Initiativbewerbungen und schreien: "Supi, wir haben nur auf Sie gewartet, wir schaffen Ihnen gleich mal einen neuen Posten!". Niemals würde es passieren, dass die Bewerbung im Müll landet, weil man sich denkt: "Wir haben doch keine Stelle, was will die bitte?" Nein, niemals!
oder
"Studier doch nochmal was Neues oder mach eine Ausbildung." --> Ja, genau, studieren kostet ja auch gar nichts, ne?! Und mit 30 die 3. Ausbildung machen ist auch total prima. Zumal ich nicht wüsste, was ich bitteschön noch für eine Ausbildung dranhängen sollte, die mich weiterbringt. Hat jemand den ultimativen Tipp für mich, welcher Ausbildungsberuf irre angesagt ist und auch während der Ausbildungszeit so gut bezahlt wird, dass man davon leben kann? Dann bitte in den Kommentaren posten, danke!
Den schlausten Kommentar durfte ich mir am Sonntag von dem stinkreichen, kinderlosen 80jährigen Onkel meines Freundes anhören, dessen Lieblingshobby das Ersteigern von Immobilien ist und der selbst sagt, dass es nahezu abartig ist, dass so ein alter Knacker wie er so viel Geld hat, während junge Leute wie wir, die es viel nötiger hätten, kaum genug zum Leben verdienen. Er sagte, dass die Arbeitslosen in Deutschland sich wirklich nicht beschweren können, denn die haben ja trotzdem genug zum Leben. Ja sicher geht's hier nicht zu wie in Afrika oder weniger zivilisierten Ländern, und verhungern muss hier auch keiner, aber wenn ich selbst Millionär bin und mein Geld mit ins Grab nehme und null soziale Kompetenz habe und keinen Cent von meinem Vermögen freiwillig abdrücke oder gar spende, nichtmal an die Neffen und Nichten, dann sollte ich doch mal die Schnauze halten und nicht behaupten, dass es Hartz IVlern oder Arbeitssuchenden doch eigentlich total primstens geht in diesem Land! Es geht doch auch nicht nur ums Geld, sondern um das Gefühl, nutzlos zu sein, nichts auf die Kette zu kriegen, all die Jahre in Schule, Uni oder Ausbildungsbetrieb verschwendet zu haben und auf dem deutschen Arbeitsmarkt trotz mehrfacher Qualifikationen nichtmal so viel wert zu sein wie eine polnische Putzfrau. (Einen Putzjob würde ich auch nicht kriegen, wäre ich ja zu überqualifiziert zu, haha!)
So, diese Auskotzerei musste jetzt einfach mal sein... Ich geh dann mal weiter Bewerbungen schreiben. *seufz*
Nachdem ich selbst nach Abschluss meines Studiums mehrere Jahre nach fester Arbeit suchen musste und die Zeit mit Zweitstudium und Praktika überbrückt habe, weiß ich ziemlich genau, was du meinst.
AntwortenLöschenUnfassbar, was manche Menschen daher reden.
Ich geh auch heute noch an die Decke, wenn Arbeitskollegen kurz vor der Rente so Sprüche raushauen, dass sie ihr Leben lang gearbeitet hätten und nicht einsähen, andere mitzufinanzieren. Wenn sie meinen Abriss darüber, wie dankbar sie dafür sein dürften, ihr Leben lang Arbeit gehabt zu haben, überlebt haben, sind sie dann meist still. Zumindest in meiner Gegenwart ;-)
Ja, das kostet leider unglaublich viel Kraft. Ich habe damals auch richtig Angst davor gehabt, irgendwann nicht mehr die Energie zu haben, mich weiter zu bewerben. Und überhaupt noch morgens aufzustehen.
Offenbar können sich die meisten Menschen, die das nie erlebt haben, gar nicht vorstellen, dass es die Kraft aus einem raussaugt, wenn man nirgendwo einen Fuß in die Tür bekommt.
Und an einem Wettbewerb "Wer hat das Schlimmste?" musst du nun echt nicht teilnehmen. Ja, es gibt Menschen in Afrika, denen es am allernötigsten fehlt. Trotzdem hält man doch auch nicht einem Krebskranken vor, dass seine Krankheit in vielen Ländern der Welt gar nicht behandelt wird und er sich gefälligst freuen soll.
Auch wenn du es selbst gerade nicht bist: Ich bin überzeugt, dass du in absehbarer Zeit was findest. Womöglich erst was Schlechtbezahltes, mittelfristig aber auch was Annehmbares!!!
Liebe Grüße
Christine
Hallo Christine,
AntwortenLöschendanke für deine Aufmunterung. Auch wenn man's niemandem wünscht, ist es doch irgendwie "nett", wenn man mit Leuten über das Thema spricht, denen es auch mal so ergangen ist und die genau wissen, was man meint. Zum Glück stoße ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis in der Regel auf Verständnis. Die "klugen" Ratschläge kommen von Leuten, die mich nicht kennen oder keinen Plan haben, was ich studiert habe und was man damit machen kann. Musste mir zum Glück noch nicht vorwerfen lassen, dass ich den Steuerzahler Geld gekostet habe (Ich habe ja für mein Studium Bafög bezogen, ohne hätte ich auch niemals studieren können als Arbeiterkind.). Und bislang habe ich mich ja auch immer irgendwie finanziell durchgewurschtelt und lag niemandem auf der Tasche, seit ich mit dem Studium fertig bin.
Zweitstudium kommt bei mir leider nicht in Frage, da man dafür 500 € abdrücken muss. Sonst wäre das auch eine Alternative gewesen, die Wartezeit zu überbrücken, aber das Geld habe ich nicht. Deshalb bin ich als Doktorandin eingeschrieben (kostet nix), um wenigstens allgemeine Kurse an der Uni belegen zu können. Das Schlimmste an Allem ist ja nicht, dass man nichts kriegt, weil man z. B. einfach zu schlecht ist oder so, sondern weil so gut wie jede Stelle unter der Hand vergeben wird und man noch so gut sein kann, wie man will. Habe eine Freundin, die ihren Doktor gemacht hat mit 1,0(!) und trotzdem nix kriegt. So sieht das zumindest in unserem Fach aus. Aber auch, wenn ich mich anderweitig bewerbe, kriege ich noch nichtmal eine Einladung.
Mal sehen, wo das noch alles hinführt.
Liebe Grüße.