19. Januar 2012

Neues aus dem Arbeitsamt

Ja, "aus", denn diesmal konnte ich tatsächlich in die heiligen Hallen eintreten!

Gestern um 8 Uhr war mein Termin. Mein Sachbearbeiter, tatsächlich auf Akademiker spezialisiert, war wirklich sehr nett und nahm sich über eine Stunde Zeit für mich, doch das Ergebnis war wie erwartet sehr mau. Der Einfachheit halber fasse ich zusammen:

- Er hatte im Dezember einen Bänderriss und arbeitet erst wieder seit 3 Tagen. Na gut, ich vergebe ihm die lange Wartezeit.
- Mit meinem Abschluss kennt er sich nicht aus, auch gibt es für diesen Job keinerlei Angebote in der Jobbörse. Da muss ich wohl eher woanders suchen. Tue ich ja aber eh schon, war mir klar. Die Jobs in meinem Fachbereich werden sowieso auf keinen gängigen Jobportalen angeboten.
- Meine kaufmännische Ausbildung (Bankkauffrau) bringt mir vermutlich gar nichts, also auch nicht bei kaufmännischen Berufen, da man "gewisse Vorbehalte und Vorurteile" gegenüber Bankern hätte. Ich arbeite zwar schon seit 2002 nicht mehr in der Bank, aber nun gut... die deutschen Arbeitgeber sind ja leider immer sehr engstirnig und kleingeistig.
- Soll weiters heißen: Ich bin für Nicht-Akademikerberufe im kaufmännischen Bereich, auf die ich mich gerade zuhauf bewerbe, nicht nur dank Studium überqualifiziert, sondern darüber hinaus bin ich auch noch ein Banker, und den will halt keiner. Toll!
- Ja, früher, da hat man Akademiker sofort im Arbeitsamt eingestellt. So passiert bei einer Freundin von mir vor 4 Jahren (Die aber nicht wollte, aber die bekam ja auch Arbeitslosengeld und hatte es nicht so eilig mit Geldverdienen um jeden Preis.). War ja auch meine Hoffnung, um mal wenigstens für ein Jahr oder so Knete zu verdienen. Aber leider leider sind die Arbeitsämter momentan bis so die nächsten 5 Jahre überbesetzt, da sie einen Prozess verloren haben und die ganzen befristeten Angestellten nun weiterhin übernehmen mussten. Gut für die befristeten Angestellten, schlecht für mich. Mein Timing ist einfach fabulös!
- Wenn ich mich arbeitssuchend melde, um im Jahr 150 € Bewerbungskosten abgreifen und mir Reisekosten für Bewerbungsgespräche erstatten lassen zu können, kriege ich dank meines Profils vermutlich haufenweise Anzeigen vom Arbeitsamtssuchsystem (oder wie das heißt) zugeschickt, auf die ich mich angeblich verpflichtend bewerben muss, selbst wenn das Profil gar nicht auf mich passt oder ich überhaupt nicht dafür geeignet bin (Der doofe Computer guckt nur nach "Kauffrau"...). Er kann lediglich versuchen, es so einzustellen, dass ich wenigstens keine Stellenanzeigen von Zeitarbeitsfirmen kriege.
- Ich kann bzw. muss wieder kommen, wenn ich meinen jetzigen Nebenjob verliere. Ob ich Arbeitslosengeld kriege, weiß er aber nicht. Ich zahle zwar in die Sozialversicherung ein, aber ich müsste schon noch bis August durchweg den Vertrag behalten, um einen Anspruch zu erhalten, da ich erst seit August 2011 sozialversicherungspflichtig bin.
- Wir haben am Ende einstimmig beschlossen, dass ich mich NICHT arbeitssuchend melde, da ich mich nicht auf jeden Dreck bewerben möchte. Da pfeife ich auf die Bewerbungs- und Reisekostenerstattung. Die Kosten für eine Bewerbungen kann ich noch selbst stemmen, und Reisekosten fallen eh nie an. *bitter auflach* Er hat meine Akte also zerschreddert, mir aber vorher freundlicherweise meine von ihm sehr pfleglich behandelten Zeugniskopien zurückgegeben zur weiteren Verwendung. Man darf nichts verkommen lassen in diesen schwierigen Zeiten!

Nach diesem erwartend ernüchternden Besuch lümmelte ich noch ein bisschen bocklos im Berufsinformationszentrum herum. (Frauen in meinem Alter sollten im Ritz absteigen und nicht im BIZ!) Auf der Suche nach Infomaterialien, die mir weiterhelfen oder neue Perspektiven eröffnen könnten, stelle ich Folgendes fest:

- Für Menschen, die jenseits der 25 sind, gibt es keine Broschüren. Alles ist auf Schüler, Abiturienten und Studenten abgestimmt. Wo ist denn bitte die Reaktion auf den stark verbreiteten Trend, dass auch bzw. vor allem Leute jenseits der 30er-Marke arbeitslos sind?
- Ich bin zu alt, um auf Fluglotse umzusatteln.
- Ich bin 5 cm zu klein, um Polizistin zu werden. Und außerdem zu alt. Klar...

Letzten Endes wurde ich doch noch fündig! Mal sehen, was mir der BRAVO-Jobratgeber zu bieten hat.


Mit vielen Tipps von Stars, die das bestimmt ganz genau SO gesagt haben!

Nun denn, weiter geht's mit der Jobsuche, und nun auch ganz gewiss ohne Hilfe des Arbeitsamtes. Wenigstens hätten wir das dann auch mal geklärt...

6 Kommentare:

  1. Natürlich habe DIE Stars das SO gesagt... ;)

    Die Arbeitsagentur hätte Dir eh nicht helfen können und somit hast Du die nicht als Klotz am Bein. Auch wenn das Gespräch unbefriedigend war, finde ich das schon mal einen guten Anfang.

    Ich drücke die Daumen, dass bald was passiert.

    LG

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  2. "Klotz am Bein" trifft den Nagel auf den Kopf. Klar wäre es nett, für jede Bewerbung 5 € zu kriegen, aber das ist mir doch der ganze Stress nicht wert! Ansonsten ist der Laden eh total unnütz in meiner jetzigen Lage.

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  3. Ich habe meinen derzeitigen Job auch nicht über das AA bekommen. Selber suchen ist effektiver und man kann wählen wo man sich bewirbt.

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  4. Bei mir ist es so, dass die AA nicht mal für die Bewerbungen zahlt, weil ich zu viel verdient habe! Und daher habe ich "ja genug Geld".
    Und es ist wirklich so, dass man dann völlig unpassende Angebote geschickt bekommt, auf die man sich dann bewerben muss oder aber eine ordentliche Begründung bringt, warum man sich nicht bewirbt.
    Ich finde das für den der Arbeit sucht und auch den AG schlimm, wenn Bewerbungen erzwungen werden, die völlig am Ziel vorbei gehen und unnütze Zeit kosten. Aber was tut man nicht alles fürs Geld.
    Also wenn Du kein Geld bekommst, macht es auch keinen Sinn, Dich arbeitsuchend zu melden...
    Und bei mir ist es noch so, dass ich mich neu orientieren will (und da ich "genug verdient habe", mir dafür etwas Zeit lassen möchte) und damit die AA gar nicht umzugehen weiß, weil es dafür keine brauchbare Checkliste gibt...
    Viel Erfolg bei der Jobsuche
    dvl

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  5. Wurde dein Vermögen angerechnet oder tatsächlich nur dein letztes Gehalt, um festzustellen, dass du ja genug Geld hast? Tja, was denen so alles einfällt...
    Es ist wirklich Zeitverschwendung, sowohl für den Bewerber als auch für den Arbeitgeber. Ich bin froh, dass ich mich gegen eine Eintragung entschieden habe. Auch eine Freundin hat mir danach gesagt, dass das die richtige Entscheidung war.
    Aber hör mal, Neuorientierung, was soll denn das auch? Das ist gar nicht planmäßig, wie soll das AA damit bitte klarkommen? Tss tss tss...
    Wünsche dir ebenfalls viel Erfolg!

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  6. Ich glaub, ich kenn keinen einzigen Menschen (und ich kenn durchaus viele, die über einen längeren Zeitraum arbeitssuchend waren), die übers Arbeitsamt eine Arbeit gefunden haben.
    Leider muss ich auch noch anmerken, dass die Berater dort nicht wirklich möchten, dass sich Menschen arbeitssuchend melden. Die Statistik muss in jedem Fall so geschönt wie möglich sein. Arbeitssuchende wie du, die es dann offiziell nicht sind, tauchen ja in der Statistik nicht auf.
    Deine Disqualifizierung durch die Banklehre sehe ich nicht so. Ja, es mag Arbeitgeber geben, die das abschreckt. Andererseits wollen viele Arbeitgeber, die jemanden mit Berufserfahrung suchen, nicht unbedingt jemanden mit Erfahrung in genau der Aufgabe, für die man eingestellt wird (klar, das gibts auch, aber...). Oft wollen sie einfach jemanden, der schon im Leben steht und eine gewisse Selbständigkeit hat. Kann ich ehrlich gesagt nachvollziehen, nachdem ich schon mehrere Abiturienten anlernen musste, die es kaum schaffen, sich die Schuhe selber zuzubinden. Es ist wirklich erschreckend, wie unselbständig viele Menschen sind, wie wenig gewohnt, selber die Augen aufzumachen und mehreres im Blick zu haben.
    Dass du eine abgeschlossene Banklehre hast, bedeutet für einen potenziellen Arbeitgeber, dass du gewohnt bist, selbständig zu arbeiten, dass du eine Menge Finanzkenntnisse hast, gute Umgangsformen, sicheres Auftreten und eine Menge anderer Schlüsselqualifikationen. Ein abgeschlossenes Studium bedeutet neben einer Menge Fachwissen auch bestimmte Schlüsselqualifikationen wie wissenschaftliches Arbeiten.
    Lass dich also in keiner Weise entmutigen.
    Die Bedenken, dass du dich als Arbeitssuchende auf jeden Dreck bewerben musst, treffen voll und ganz zu. Und damit meine ich keineswegs Putzjobs, sondern z.B. Jobs in gewissen Callcentern, wo man Menschen teilweise aufs Übelste belästigen, ihnen den letzten Rotz andrehen, sie über den Tisch ziehen und ihre Eingeschränktheit ausnutzen muss.
    Du bist auf dem richtigen Weg.
    Viel Rückenwind wünscht dir
    Christine

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